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Wildernder Hund reißt Kälber nahe Igel - Jäger sollen das Tier erschießen

(Igel/Trier.) Ein Hund hat rund um Igel-Liersberg mehrere Kälber gerissen. Der betroffene Landwirt geht davon aus, dass das Tier aus dem Wald oberhalb von Trier-Zewen und Euren kommt. Nun soll der Hund erschossen werden. Doch das ist offensichtlich nicht so einfach.

23.02.2016
Harald Jansen

Die Kälber hatten keine Chance. Ein Hund ist ihnen sprichwörtlich an die Gurgel gegangen. Auf einer Weide bei Igel-Liersberg. Besitzer Bernhard Heintz weiß sich nicht mehr zu helfen: „Ich habe jedes Mal ein ungutes Gefühl, wenn ich auf die Weide gehe.“ Denn er kann sich nie sicher sein, dass noch alle Tiere da sind. 

 Seit mehr als einem Jahr geht das nun so. Vier Galloway-Kälber hat er inzwischen verloren. Auch ein Halter aus Langsur, der seine Tiere ebenfalls bei Liersberg stehen hatte, beklagt den Verlust eines Kalbs. Teilweise hat Heintz mit Fotos dokumentiert, wie die Tiere zugerichtet wurden. Die Halspartien sind zerfetzt, teilweise sind die Kälber ausgeweidet worden. Den Anblick ersparen wir den TV-Lesern an dieser Stelle. 

 Lange Zeit waren Heintz und andere Augenzeugen sicher, dass ein Wolf die Tiere gerissen hat. Das ist nicht so abwegig, denn es gibt amtlich bestätigte Wolfssichtungen. So in der Pfalz oder in der Nähe der luxemburgisch-französischen Grenze (der TV berichtete). Doch das in Liersberg beobachtete Tier ist kein Wolf. Nach Auskunft der Verbandsgemeindeverwaltung Trier-Land hat die Untersuchung einer DNA-Probe ergeben, dass es ein Tschechoslowakischer Wolfshund war, der die jungen Tiere gerissen hat. Diese noch recht junge Hunderasse ist aus Kreuzungen von Deutschen Schäferhunden und Karpartenwölfen entstanden.
 
 Für Landwirt Heintz bedeutet diese Nachricht, dass sein finanzieller Schaden nicht ersetzt wird. Rund 800 bis 1000 Euro pro Tier. Denn, wenn es ein Wolf gewesen wäre, der da seinem Jagdtrieb nachgeht, hätte er eine Entschädigung vom Land bekommen. Bei normalen Hunden zahlt der Besitzer. Wenn er ermittelt werden kann.
 
Bernhard Heintz und seine Frau Petra möchten, dass ihre Tiere künftig in Ruhe gelassen werden. Sie wollen sogar eine Belohnung zahlen, falls der streunende Hund erlegt wird. Auch die VG-Verwaltung ist der Meinung, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als das Tier zu töten. Zu dieser Ansicht sei die Behörde nach Absprache mit Polizei, Kreisverwaltung, Forstverwaltung, Veterinäramt und den Jagdpächtern gekommen. Deshalb hat das Ordnungsamt Trier-Land die betroffenen Jagdpächter schriftlich darüber informiert, „dass die Tötung des Hundes erforderlich ist und ausdrücklich befürwortet wird.“ Die VG bittet zudem alle Hundehalter, ihre Tiere anzuleinen.

Das mit dem Erlegen ist jedoch komplizierter als gedacht. Gleich mehrere Jäger sagen im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund, dass sie nicht einfach so auf einen Hund schießen würden. Heinz Schulten, Vorsitzender der Kreisgruppe Trier-Saarburg des Landesjagdverbands, sagt: „Ich rate jedem ab, einfach so einen Schuss abzugeben.“ Denn am Ende sei der Jäger in der Beweispflicht. Es sei etwas anderes, wenn der Hund sozusagen auf frischer Tat ertappt wird, wenn er die Kälber jagt. Er ist sich mit Kreisjagdmeister Rolf Kautz einig, dass etwas geschehen muss. Das sei man den Landwirten schuldig. 

 Heinz Schulten geht davon aus, dass der Wolfshund irgendwo im Umkreis von zehn Kilometern rund um Igel-Liersberg gehalten wird, und dass das Tier von Zeit zu Zeit ausbüxt. Landwirt Heintz kann sich vorstellen, dass das Tier irgendwo aus dem Eurener oder Zewener Wald kommt. Und der zuständige Hegeringleiter Willy Buschmann berichtet von Fotoaufnahmen vom Trierer Markusberg, wo gleich zwei Hunde fotografiert worden sind. Auch in der Nähe des Heintzhofs an der Straße zwischen Liersberg und Igel ist der Hund laut Buschmann gesehen worden. 

 Letzte Gewissheit über die Herkunft des Wolfshunds gibt es nicht. Um die zu erlangen, müsste das klappen, was sich Heinz Schulten wünscht: „Man müsste das Tier verfolgen und sehen, wo es hinläuft.“ Dann könnte man zum Besitzer gehen und anschließend per DNA-Probe feststellen, ob der genetische Fingerabdruck zu dem passt, der beim gerissenen Kalb gefunden worden ist. 

 Die VG Trier-Land hat zwar die Pächter in Revieren im Raum Trierweiler, Langsur und Igel informiert. Und auch der Pächter des Reviers in Trier-Zewen erhielt eine Mitteilung, dass ein wildernder Hund unterwegs ist. Nach Auskunft von Ralf Frühauf vom Presseamt ist die Stadtverwaltung Trier offiziell hingegen nicht über das frei laufende Tier informiert worden, das möglicherweise auch in Trierer Wäldern unterwegs ist. 
 
 

 

 

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