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Zu wenig Geld: Familienpflege in der Region vor ungewisser Zukunft

(Trier) Wenn Eltern und Kinder in eine akute Krise geraten, hilft die Familienpflege. Doch der Caritasverband der Diözese schlägt Alarm: Die mangelnde Finanzierung gefährde den Bestand dieses Angebots.

25.02.2016
Rainer Neubert
Es geht darum, Familien in Krisensituationen zu helfen, die sie alleine nur schwer oder gar nicht bewältigen können: Lebensbedrohliche und psychische Erkrankungen der Mutter, Risikoschwangerschaften oder die Überforderung durch Pflege oder Behinderung eines oder mehrerer Kinder sind typische Gründe, wenn die Fachkräfte der Familienpflege gefragt sind. 

„Für Familien in Notsituationen ist das ein existenziell wichtiges Hilfsangebot“, sagt Winfried Wülferath, Vorsitzender der Caritas-Arbeitergemeinschaft der Sozialstationen Rheinland-Pfalz/Saarland. 339 Familien mit mehr als 800 Kindern sind 2014 im Bistum Trier betreut worden. Das belegt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Pflegeforschung (DIP) in Köln. Laut Wülferath könnte die Zahl der betreuten Familien noch deutlich höher sein, wenn die Finanzierung besser gesichert wäre. „Wir können viele Einsätze nicht annehmen, weil unser Personal dafür nicht ausreicht.“ Einige Familienpflegedienste seien bereits eingestellt worden. 

Nur etwa zwei Drittel der Kosten werden derzeit von den Trägern der Sozialhilfe und den Krankenkassen gedeckt. Über die Höhe der Erstattung wird deshalb in dieser Woche neu verhandelt. Der Caritasverband hat die aktuellen Verträge zum Jahresende 2016 gekündigt. 

Diözesan-Caritasdirektorin Birgit Kugel nennt klare Ziele: „Wir haben in den vergangenen Jahren in hohem Maße Eigenmittel in die Familienpflege gesteckt. In den Gesprächen mit den Kostenträgern und politisch Verantwortlichen geht es nun um die Zukunftssicherung dieses wichtigen Angebots.“

Ohne die Unterstützung der Familienpflegerinnen, die von der normalen Haushaltshilfe über die Betreuung von Kleinkindern bis zur Unterstützung bei der Pflege reicht, wäre laut DIP-Studie „in vielen Fällen die Krise schlimmer, die Krankheit langwieriger und die Versorgung der Kinder deutlich schlechter gewesen“. Wichtigste Wirkung sei es, die Familie zu stabilisieren. 

Das bestätigt auch Tanja Hau (36) aus Arzfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm), die nach einer Drillingsgeburt vor vier Jahren die regelmäßige Unterstützung einer Familienpflegerin in Anspruch genommen hat. „Ohne diese Hilfe wären die Mädchen heute sicher nicht so weit.“

Die Kranken- und Ersatzkassen gehen mit offenem Visier in die Verhandlungen. „Wir sind bestrebt, im Dialog eine gute Lösung für alle Beteiligten zu erzielen“, sagt Jan Rößler, Sprecher der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland. Bislang seien stets einvernehmliche Einigungen, insbesondere mit der Diözese Trier, erzielt worden. 

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