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25.10.2011

"Frauenfeindlich": Umstrittener Gastprofessor muss gehen

(Trier) Das Historisch-Kulturwissenschaftliche Zentrum (HKFZ) der Uni Trier wird den Vertrag mit dem israelischen Gastprofessor Martin van Creveld auflösen, es werden keine weiteren Veranstaltungen mit ihm stattfinden.

Trier. Die Auflösung beruhe auf "beiderseitigen Vorbehalten", sagte eine Sprecherin des HKFZ . Professor Ulrich Port, der Dekan des Fachbereichs II, stellte sich gestern Abend den Fragen des TV und sprach zum ersten Mal über die Hintergründe des Eklats.
Hinter dem Forschungszentrum liegen einige turbulente Tage. Nach dem ersten Vortrag des Militär- und Kriegshistorikers Martin van Creveld hatte der Allgemeine Studierendenausschuss der Uni Trier (Asta) zusammen mit mehreren Hochschulgruppen gefordert, sich sofort von diesem Gastprofessor zu trennen. Seine Thesen seien "frauenfeindlich, militaristisch, antiisraelisch, vulgärwissenschaftlich und methodisch primitiv". Weiter heißt es: "Wir sind erschrocken und wütend über die Tatsache, dass Martin van Creveld die Universität als öffentlicher Raum zur Verfügung gestellt wird und fordern die Verantwortlichen dazu auf, umgehend Konsequenzen zu ziehen. Der Vorgang ist ein Hohn für alle Angehörigen der Universität, deren Kultur gemäß ihrem Leitbild der Freiheit von Diskriminierung und dem Ziel der Gleichberechtigung der Geschlechter verpflichtet ist."
Gerade diese Gleichberechtigung hat van Crefeld in seinem Trierer Vortrag attackiert, was auch in seinen Büchern "Frauen und Krieg" und "Das bevorzugte Geschlecht" leicht nachzulesen ist. "Wir kannten diese Thesen nicht", räumt Dekan Ulrich Port heute ein. "Erst eine Stunde vor dem Vortrag ahnten wir, was da auf uns zukommt." Ein Blick in die Internet-Datenbank Wikipedia hätte schon weitergeholfen, doch "diesen Eintrag habe ich erst kurz vor dem Vortrag gesehen, als eine Assistentin ihn mir vorlegte".
Was dann folgte, sei nicht die erwartete Darstellung eines als Koryphäe der Kriegshistorie geltenden Wissenschaftlers gewesen, sondern "eine gezielte Provokation auf absolut nicht wissenschaftlichem Niveau", sagt Port. Ein Zitat aus dem Vortrag: "Alle Frauen, oder zumindest sehr viele, genießen es, Männern dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig abschlachten."
Professor Port betont, der Vorstand des Zentrums habe sofort reagiert. "Die ersten Gespräche liefen direkt am nächsten Morgen. Doch dann wurde der Fall publik, es gab den offenen Brief der Studierendenschaft und wir wurden zu Getriebenen der Medien."
Die Konsequenz: "Wir haben den Vertrag mit Professor van Creveld in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst." Der umstrittene Gastprofessor werde noch das bis zum 1. November vereinbarte Honorar erhalten, aber weitere Vorträge von oder mit ihm werde es nicht geben. Eine Stellungnahme des Uni-Präsidenten Michael Jäckel steht noch aus. jp