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Damit der Prinzessin das Lächeln nicht vergeht

Wie man lernt, lustig zu moderieren, bringt ein Trainer Karnevalsrednern in einem Seminar bei

(Trier) Wenn Karnevalisten auf der Bühne stehen, tun sie das mit viel Herzblut und Engagement. Marco Ringel gibt Seminare, in denen Narren zusätzlich professionelles Auftreten und Souveränität lernen können. Der TV war beim zweitägigen Seminar "Karnevalsrhetorik" dabei.

19.12.2016
Karin Pütz
Trier. Sitzungspräsidenten, die beim Sprechen von einem Bein auf das andere treten, piepsige Prinzessinnen und Moderatoren, denen es an Schlagfertigkeit fehlt - das alles gibt es leider auch auf Karnevalsveranstaltungen. Der Trierer Marco Ringel nennt sich "Karnevalsrhetorik-Trainer" und erklärt interessierten Jecken in seinen Seminaren, wie es richtig geht.
Eines der Seminare fand kürzlich in der Trierer Jugendherberge statt. Einen Platz stellte Marco Ringel dem TV für eine Verlosung zur Verfügung. Gewonnen hat Georg Marx. Seit seinem zehnten Lebensjahr steht der 50-Jährige auf der Karnevalsbühne seines Vereins "Häja Rotmatten" in Morbach-Haag. Neben ihm besuchen fünf weitere Karnevalisten zwischen 27 und 60 Jahren an dem Wochenende den Kurs "Karnevalsrhetorik". Lisa und Johannes haben 280 Kilometer zurückgelegt, um 2017 bei der "Pumpengemeinschaft Vrouwenpoort" als Prinzenpaar auf der Bühne alles richtig zu machen. Sie kommen aus Goch am Niederrhein. Die einzige Triererin in der Runde ist Nicole - sie gehört zwar keinem Verein an, bewundert aber die Akteure beim Rosa Karneval und der Schmit-Z-Family. Sie möchte herausfinden, ob sie selbst das Zeug dazu hätte, auf einer Bühne zu stehen.
Gleich zu Beginn des Seminars, das in einem hellen Raum der Jugendherberge mit Blick auf die Mosel abgehalten wird, erklärt Marco Ringel an einem Flipchart die Wichtigkeit der Körpersprache. Doch es bleibt nicht lange bei der Theorie. Lächelnd und selbstsicher soll eine lustige Anmoderation vorgetragen werden, während die anderen Teilnehmer absichtlich durch lautstarke Zwischenrufe, Gesänge und Bemerkungen den Vortrag stören.

"Eine gemeine Aufgabe"


Eine "gemeine" Aufgabe, wie alle finden. Nicole schlägt sich als absolute Bühnen-Anfängerin tapfer. Lisa - im echten Leben Polizistin - vergeht zwischendurch das Lächeln. Marco Ringel ruft ihr zu: "Weiter, Lisa, zieh’ es durch." Jeder der Teilnehmer hat seine besonderen Schwächen, auf die Ringel mit praktischen Übungen eingeht. Wohin mit den Händen? Was tun gegen Lampenfieber? Wie kann ich mich neben anderen Menschen auf der Bühne behaupten? Wie nutzt man Moderationskarten? Immer wieder spielen die sechs Karnevalisten verschiedene Situationen durch, nachdem Ringel die entsprechenden Kniffe und Techniken mit ihnen besprochen hat. Die erarbeiteten Moderationen werden mit der Kamera festgehalten, im Anschluss gibt jeder sein Feedback. Es wird viel gelacht - schließlich ist man unter Narren.
Marco Ringel ist anzumerken, dass er schon viele Kappensitzungen erlebt hat. Seine eigene närrische Heimat ist bei den Irscher Burgnarren. Im Laufe des Seminars werden Teilnehmer immer sicherer und können das Gelernte umsetzen. Am Ende der beiden Tage sind sich alle einig, dass sie "viel mitnehmen können". Nicole fühlt sich inspiriert und meint verschmitzt: "Es könnte passieren, dass ich mich auf diesem Gebiet jetzt mehr trauen werde."
Betriebswirt Georg fühlt sich rundum wohl: "Wir waren eine tolle Truppe, und ich konnte viele Aspekte mitnehmen, die ich sogar beruflich nutzen kann." Karneval kann kommen - zumindest in den Vereinen der Seminarteilnehmer dürften (körper-)sprachliche Peinlichkeiten spätestens jetzt der Vergangenheit angehören.