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(Zusammenfassung) RTL-Sportmoderator erhält Kaiser-Augustus-Orden der ATK - Prinzessin Tanja I. regiert nun die Trierer Jecken

(Trier) Unverhofft kommt oft gut: Moderator Florian König, der für die erkrankte Verona Pooth einsprang, ist von den Trierer Karnevalisten am Samstagabend gefeiert worden. Für sein soziales Engagement erhielt er in der ausverkauften Europahalle den Kaiser-Augustus-Orden der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK). Und beinahe ein Jobangebot von Oberbürgermeister Wolfram Leibe.

09.01.2017
Rebecca Schaal
Trier. Da hat der Mann noch kein Wort gesagt, und trotzdem fliegen ihm die Herzen in der Europahalle zu. Sympathiewerte, von denen die zahlreichen Politiker im Saal sicher träumen - so feiern die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, ihr Mann und früherer Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen, SPD-Generalsekretärin Katarina Barley, der jetzige Stadtchef Wolfram Leibe und viele, viele Kommunalpolitiker mit.

Den Grund für die Vorschusslorbeeren an Sportmoderator Florian König erläutert ATK-Präsident Andreas Peters, der zusammen mit Stefan Feltes charmant durch den Abend führt. Weil die eigentlich angedachte Preisträgerin, Moderatorin Verona Pooth, krank im Bett liegt, riefen die Veranstalter kurzerhand beim für 2018 geplanten Ordensträger König an. Und tatsächlich, der RTL-Sportmoderator (Formel 1, Boxen, Fußball) sagte spontan zu. Seine unkomplizierte Art bringt ihm lauten Jubel vom Publikum ein.

Was der Wahl-Kölner auf der Bühne der Europahalle zu sehen bekommt, muss sich vor den großen Sitzungen der Karnevalshochburgen nicht verstecken - dafür sind vor allem die Tanzgruppen verantwortlich, die tolle Darbietungen zeigen und dafür stürmisch gefeiert werden. Das gilt auch für Königs spontane Tanzeinlage mit der Band de Hofnarren zum Brings-Fastnachtsklassiker "Superjeilezick".
Einen prima Einstand liefert die frisch gekrönte Trierer Prinzessin, Tanja I. Sie beweist, dass das Nennen von Sponsoren kein langweiliges Herunterrattern von Namen sein muss - wenn das Ganze in ein Lied verpackt wird. Dass in dieser Session kein Prinz an ihrer Seite ist? Macht nichts, dafür hat sie einen kleinen Plastikfrosch dabei, "den ich an Aschermittwoch küssen werde". Und mal ehrlich: Wer braucht einen Prinzen, wenn ein König im Saal ist?

Tolles Krisenmanagement


Die Laudatio auf den Träger des Kaiser-Augustus-Ordens 2017 hält Oberbürgermeister Leibe, der unter Gelächter zugleich neues Personal rekrutiert. "Der Oberbürgermeister der Stadt Trier wird derzeit ständig gefragt: Wer wird Theaterintendant, wer Kulturdezernent? Darf ich sie Ihnen zeigen? Diese beiden Herren", sagt Leibe und deutet auf die ATK-Verantwortlichen Peters und Feltes, deren Krisenmanagement er sich vielleicht das eine oder andere Mal im Rathaus und am Theater gewünscht hätte.

Ach ja, ein neuer Generalmusikdirektor wird ab Sommer 2018 ja auch noch benötigt. Zunächst habe er Hoffnungen in Preisträger König gesetzt, sagt Leibe, als er herausfand, dass der berühmte Komponist, Instrumentenbauer und Freund von Friedrich Schiller, Johann Andreas Streicher, ein Vorfahr Königs ist. "Aber was bleibt, wenn aus der Musik nichts wird? Sport", resümiert Leibe.
Und soziales Engagement - denn das ist schließlich der Grund, warum König von der ATK ausgezeichnet wird. Die Spende von 5555,55 Euro, die mit dem Kaiser-Augustus-Orden verbunden ist, leitet König komplett an das Ronald McDonald Kinderhaus in Tübingen weiter, für das er sich - neben einigen anderen Projekten - engagiert.

Und Verona Pooth? Die wird einfach im kommenden Jahr ausgezeichnet. König: "Optisch ist es sicher ein Verlust, dass Verona heute nicht da ist. Aber grammatikalisch hat diese Veranstaltung vielleicht gewonnen", sagt er in Anspielung auf Werbe-Ikone Pooth (geborene Feldbusch), die die Regeln der deutschen Sprache gerne mal etwas freier interpretiert. Was also tun, wenn Ihnen künftig ein Preisträger wegbricht? Florian König anrufen. Da werden Sie geholfen!
Extra
... Florian König (49), Sportreporter und 24. Preisträger des ATK-Ordens.
Wie war Ihre erste Reaktion, als Sie am Freitag den Anruf der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval erhielten mit der Bitte, Sie mögen doch ein Jahr früher nach Trier zur Gala kommen?
Florian König: Der Anruf kam frühmorgens, aber ich habe gleich gesagt: Ja klar, das mach ich. Meine Frau und meine Kinder lagen noch im Bett, als ich angerufen wurde. Ich habe das dann mit ihnen abgesprochen und zugesagt. Ich habe beruflich ja auch gerade Pause, und dann kommt es auf ein Jahr früher oder später nicht an.

Wie war Ihr Eindruck vom Abend und von der Gala?
König: Es war total schön und sehr liebevoll gemacht. Mir hat gut gefallen, dass so viele Kinder involviert waren. Es war klar, dass es eine Gala ist und keine Sitzung, bei der Büttenreden gehalten werden. Aber es gab viel Tanz. Ich war sehr gerührt über die Worte, die der Oberbürgermeister gefunden hat, und hatte viel Spaß an meinem Tisch, an dem auch die Ministerpräsidentin saß.

Sind Sie privat ein Jeck?

König: Seit ich in Köln lebe, bin ich auch ein Jeck und beim Straßenkarneval dabei. Ich besuche Sitzungen, bin aber in keinem Karnevalsverein, denn so etwas muss ja auch ehrlich sein. Ich komme aus Baden-Württemberg und bin nicht mit Karneval aufgewachsen. bec
Extra
Weitere Mitwirkende der ATK-Gala: Jugendgarde Irsch, Band Fun 2.0, Die Rote Zora und ihre Bande, der Trierer Ex-Prinz Elmar I., Tanzcorps der Stadtgarde, Klaus-Ludwig Fess (Präsident des Bundes Deutscher Karneval), Leiendecker Bloas, Goldene Kooben Euren, Rote Funken, Abba-Show Waterloo bec