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Kampf gegen Merkel bis zuletzt - Martin Schulz bei SPD-Wahlkampfauftritt in Trier (Update/Fotos/Video)

(Trier) Seit dieser Woche tourt der SPD-Kanzlerkandidat durchs Land. In Trier gibt sich Martin Schulz zuversichtlich, dass er seine in Umfragen enteilte Kontrahentin besiegen kann. Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

22.08.2017
Rolf Seydewitz

Ungeachtet der weiter schlechten Umfragewerte für seine Partei gibt sich SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zuversichtlich, das Ruder in den verbleibenden knapp fünf Wochen bis zur Bundestagswahl noch herumreißen zu können. Deutschland könne mehr, wenn ein Sozialdemokrat Kanzler sei. Die SPD werde „bis zum letzten Moment um jede Stimme kämpfen“, sagte der 61-jährige Parteichef am frühen Dienstagabend bei einem Wahlkampfauftritt in Trier. Gut 1500 Zuhörer verfolgten vor der Porta Nigra die 40-minütige Schulz-Rede, in der der Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) immer wieder auf die Gerechtigkeit, eines der zentralen SPD-Wahlkampfthemen, zu sprechen kam. So seien etwa die Herkunft oder das Geschlecht in Deutschland immer noch mitentscheidend bei Verdienst oder Aufstiegsmöglichkeiten, kritisierte Schulz und kündigte an, dass sich seine Partei dafür einsetzen werde, „dass unbefristete, tarifabgesicherte Arbeitsplätze wieder Normalfall werden“.


Der SPD-Kanzlerkandidat griff Bundeskanzlerin Angela Merkel mehrfach scharf an und warf der CDU-Politikerin vor, Reformen wie die finanzielle Gleichstellung von Leiharbeitern und regulären Arbeitnehmern in Unternehmen persönlich verhindert zu haben. Auch die Rückkehr von Teilzeit arbeitenden Frauen in Vollzeitjobs sei von der Union blockiert worden. „In unserem Land geht es nicht gerecht zu“, sagte Schulz und schob den Schwarzen Peter dafür einem „Konservativen Block“ unter Führung von Angela Merkel und CSU-Parteichef Horst Seehofer zu.
Er kündigte an, bei einem Wahlsieg der SPD die Bildungsfreiheit „vom Kindergarten bis zur Uni“ nach rheinland-pfälzischen Vorbild in ganz Deutschland einzuführen. Berufsschule würden die Zukunftswerkstätten des Landes, der der Rechtsanspruch auf Betreuung werde gesetzlich verankert.

Scharfe Kritik äußerte Schulz an US-Präsident Donald Trump, der eine falsche Politik betreibe. Wenn die SPD am 24. September stärkste Partei wird, will sich Schulz dafür einsetzen, dass die auf dem Fliegerhorst Büchel gelagerten Atomwaffen abgezogen werden. Bei der Wahl gehe es daher auch um die Entscheidung zwischen „Aufrüstung à la Trump oder Zukunftsinvestitionen a la SPD“. Mit Blick auf die verbleibenden 33 Tage bis zum Wahltermin sagte Schulz unter Verweis auf die anwesende rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin, Malu Dreyer habe gezeigt, wie man eine Wahl gewinne, die alle schon für verloren hielten.

Der SPD-Kanzlerkandidat hat am Montag seine Wahlkampftour quer durch Deutschland gestartet. Nach Bremen war Trier erst die zweite Station; in den nächsten Wochen macht Martin Schulz Station in 40 Städten, darunter Kaiserslautern, Mainz und Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz. Die offizielle Abschlusskundgebung des SPD-Parteichefs ist am Tag vor der Bundestagswahl in Aachen nahe seiner Heimatstadt Würselen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird am 15. September in Trier erwartet.
Extra: Polizei spricht von ruhigem Verlauf
Aus Sicht der Polizei und der Rettungsdienste verlief die Veranstaltung ohne besondere Vorkommnisse.  Die Polizei zählte etwa 2000 Zuschauer. Verkehrsbeeinträchtigungen habe es lediglich zwischen dem Margarethengässchen über die Simeonstraße zur Christophstraße gegeben. Dieser Bereich war von 15.30 Uhr bis etwa 18.30 Uhr gesperrt.

"So wie Malu machen wir es auch"
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz spricht den Genossen beim Wahkampfauftritt in Trier Mut zu: Noch sei die Sache nicht gelaufen