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Großes Marx-Jubiläumsjahr: Friedrich-Ebert-Stiftung bereitet sich auf 2018 vor: Museumsverwaltung zieht ins Rote Haus

Friedrich-Ebert-Stiftung bereitet sich auf 2018 vor: Museumsverwaltung zieht ins Rote Haus

(Trier) Das große Jubiläumsjahr 2018 nimmt Konturen an. Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hat die Obergeschosse des sogenannten Roten Hauses an der Ecke Brücken-/Stresemannstraße für das Museum Karl-Marx-Haus gemietet, das Haus, in dem der berühmteste Trierer 1818 zur Welt kam. Dossier zum Thema: Karl Marx 2018

24.09.2015
Roland Morgen
Trier. Elisabeth Neu (59), die Leiterin des Museums Karl-Marx-Haus (Brückenstraße 10), spricht von einer "naheliegenden Lösung, die zugleich einen Quantensprung bedeutet". Gut nachvollziehbar: Die Museumsverwaltung arbeitet derzeit auf rund 100 Quadratmetern in einem Hinterhaus in der Brückenstraße 6. Und das unter sehr beengten unkomfortablen Bedingungen. Das Büro der Chefin ist zugleich Besprechungsraum für das Verwaltungsteam und die Kollegen, die zwei Häuser weiter im Museum arbeiten (insgesamt sechs Festangestellte und vier Aushilfen).

Doch mit der Raumnot ist bald Schluss. Die Friedrich-Ebert-Stiftung (Bonn/Berlin) als Besitzerin und Trägerin des als Museum dienenden Geburtshauses von Karl Marx (1818-1883) hat die Obergeschosse des sogenannten Roten Hauses direkt vis à vis gemietet - alles in allem mehr als 400 Quadratmeter. Die 1970 gebaute Büroimmobilie gehört der Trierer Günther-und-Käthi-Reh-Stiftung. Letzter Mieter war die Stadtverwaltung Trier, die dort unter anderem die Finanzbuchhaltung und das Rechnungsprüfungsamt untergebracht hatte. Seit Juli wird das "Rote Haus" grundsaniert (der TV berichtete).

Anfangs war nur klar, dass im Erdgeschoss eine Vinothek entstehen soll - quasi als Erweiterung für das nebenan von Otti Büsching (69) betriebene Weinhaus Brückenstraße 7, ebenfalls eine Reh-Immobilie. Dass nun noch die FES mit ins Boot kommt, bezeichnet Klaus Frank (57) von der Reh-Stiftung als "für beide Seiten ideale Lösung. Wir jedenfalls sind sehr froh, einen solch prominenten und ambitionierten Mieter gewonnen zu haben."
Die Ambitionen liegen auf der Hand: Die Ebert-Stiftung braucht mit Blick auf 2018 deutlich mehr Platz in Trier als bisher, nicht nur für die Museumsverwaltung, sondern auch für das Veranstaltungsangebot: "Wir registrieren schon jetzt stark zunehmendes Interesse an Karl Marx", sagt Museumschefin Neu. So werde die jährliche Besucherzahl von rund 40 000 in diesem Jahr deutlich übertroffen; ebenso die Zahl der Führungen: "2014 hatten wir insgesamt 220, in diesem Jahr bereits rund 200 - und die starken Monate stehen noch aus."

Im neuen Domizil entstehen derzeit neben Verwaltungsbüros repräsentative Räume, die dem Marx-Museum all das erlauben, was bisher gar nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist: Sonderausstellungen, museumspädagogische Veranstaltungen, Seminare, Projektarbeit mit Schülern, Vorträge. "Wir erhalten völlig neue Möglichkeiten und Perspektiven", freut sich Elisabeth Neu. Und das offenbar nicht nur wegen des 200. Marx-Geburtstags und des damit einhergehenden internationalen Interesses. Der Mietvertrag ist dem Vernehmen nach längerfristig. Was nicht einer ironischen Note entbehrt, schließlich hat die FES ihr Karl-Marx-Haus-Studienzentrum, das sie 30 Jahre lang in unmittelbarer Nähe in der Johannisstraße betrieben hat, erst 2010 verkauft.
Ihre neue Räume wollen die Museumsleute im Frühjahr 2016 beziehen. Klaus Frank geht davon aus, dass die Vinothek ebenfalls "Ende des ersten Quartals" eröffnet.
Extra
Auch die große Karl-Marx-Ausstellung, die 2018 im Rheinischen Landesmuseum, im Stadtmuseum Simeonstift und im Museum am Dom gezeigt werden soll, nimmt Gestalt an. Das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Trier haben die Karl-Marx-Ausstellungs-GmbH jetzt offiziell gegründet. Das Stammkapital (25 000 Euro) trägt zu 75 Prozent das Land und zu 25 Prozent die Stadt. Geschäftsführer der GmbH, die neben der Ausstellung ein umfangreiches Begleitprogramm mit einem Volumen von insgesamt 5,6 Millionen Euro organisieren soll, ist der Trierer Historiker und Kommunikationswissenschaftler Rainer Auts. Wissenschaftlicher Schwerpunkt von Auts ist die Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts. Der Vertrag wurde gestern in Mainz unterzeichnet, teilt Kulturministeriums-Pressesprecher Wolf-Jürgen Karle auf TV-Anfrage mit. rm.