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Mit Kontaktpunkten zum neuen Marx-Bild

Erster Einblick: So soll sich die neue Dauerausstellung im Geburtshaus des Revolutionärs verändern

(Trier) Der Jubiläumsjahr 2018 soll im Karl-Marx-Haus gebührend gefeiert werden: mit einer neuen Dauerausstellung zum 200. Geburtstag des Philosophen. Das Konzept hat die Friedrich-Ebert-Stiftung vorgestellt. Für die Umsetzung wird mit Kosten bis zu 800 000 Euro gerechnet. Dossier zum Thema: Karl Marx 2018

14.07.2016
Frank Göbel
Trier. Premiere im doppelten Sinne: Der erste Einblick in das Design der künftigen Dauerausstellung im Karl-Marx-Haus war der erste offizielle Termin im neuen Verwaltungsgebäude des Museums. Schräg gegenüber des Geburtshauses des umstrittenen Philosophen gibt es auf drei Etagen Platz für Büroarbeit, aber auch für Seminare und Veranstaltungen. Mit Kurt Beck war kein Unbekannter da, um das Konzept vorzustellen. Der ehemalige Ministerpräsident ist Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung, die das Karl-Marx-Haus unter ihrer Obhut hat.
"Marx kann sicher nicht eins zu eins in unsere Zeit übertragen werden", sagte Beck. . "Seine analytischen Ansätze sind aber gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Weltwirtschaftskrise hochaktuell." Wie es gelingen soll, die komplexen Theorien und Ideen unterhaltsam und doch tiefgreifend wiederzugeben, hat Caroline Kaiser erläutert - stellvertretend für die in Bonn basierte Projektgruppe "expo2508", die den Designwettbewerb für sich entschieden hat.
Im Vorfeld habe man festgestellt, dass "Bilder, Terminologien und Motive" zu Marx weitverbreitet, allzu oft aber von stereotypem Unwissen geprägt seien: Hier solle die neue Ausstellung den Besucher "abholen", um "die Manifestation fehlerhafter Überlieferungen zu verhindern". Dabei wolle man, trotz aller Schwere der Materie, "das museale Erlebnis wieder in den Mittelpunkt" rücken: "Die Besucher lesen schließlich keine Marx-Biografie, sondern besuchen eine Ausstellung in seinem Geburtshaus."

Interaktiv und mit mehr Emotion


Helfen soll dabei eine modulare, frei erfahrbare und somit weniger chronologisch aufgebaute Ausstellung, die sich mit dem Leben von Karl Marx beschäftigt, seinem Werk und seiner Wirkung. Die Textlastigkeit der derzeitigen Ausstellung will man reduzieren, ohne an Niveau zu verlieren.
"Wir wollen einen neuen Blick auf Marx werfen: als Mensch, Gelehrter und Aktivist - und auf das, was aus ihm gemacht worden ist", formuliert es die Historikerin Ann-Kathrin Thomm, die die Ausstellungsstücke und Texte kuratiert.
Helfen sollen dabei sogenannte Kontaktpunkte: Grafiken und Objekte, die durch "grelle Farbigkeit" den "Gegenwartsbezug des Dargestellten betonen" soll, erläuterte Designerin Kaiser. Das soll etwa das fast schon ikonenhafte Bild sein, dass man vom rauschebärtigen Marx hat. Das berühmte, aber wohl nur von wenigen tatsächlich gelesene Werk "Das Kapital" soll interaktiv erfahrbar gemacht werden.
Die globalen "Auswirkungen und Vereinnahmungen der marxisitischen Ideen" soll eine Videoinstallation anreißen, die die "Zugkraft kommunistischer Aufmärsche" erfahrbar macht. Generell sollen Haus und Originalstücke in den Mittelpunkt rücken.
Ein neues Stück soll einen besonders emotionalen Moment bereiten, verspricht Kaiser: der "Sterbestuhl" von Karl Marx.