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Nero und Triers großer Karl

Ausstellungsprojekte finden auf Berliner Messe großen Anklang

(Berlin/Trier) An das, was mit Konstantin 2007 bestens geklappt hat, soll mit zwei weiteren Großen der Weltgeschichte angeknüpft werden: Ausstellungen zu Römerkaiser Nero (2016) und Karl Marx (2018) sollen Scharen zusätzlicher Gäste nach Trier locken. Das Kalkül könnte aufgehen, wie sich auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin gezeigt hat. Dossier zum Thema: Karl Marx 2018

08.03.2015
Roland Morgen
Berlin/Trier. Es war schon auffallend: Auf ihre Meinung zum "Verplempertes Geld"-Vorwurf des Trier-Saarburger Landrats Günther Schartz (CDU) angesprochen, mochten sich Touristiker nicht äußern. Auch die reichlich auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) vertretenen Kommunalpolitiker hielten sich vielsagend bedeckt zur harschen Kritik an der knapp sechs Millionen Euro schweren Ausstellung im Jahr des 200. Geburtstages von Karl Marx. Einer, Parteifreund von Schartz, ließ hinter vorgehaltener Hand immerhin durchblicken: "Dazu habe ich eine persönliche Meinung, aber die werde ich garantiert nicht offiziell kundtun."
Für den business-erfahrenen Hans-Helmut Schild (62) stellt sich die Frage nach der Rentierlichkeit der Marx-Schau, die, flankiert von einem großen Rahmenoprogramm, ein halbes Jahr lang in allen drei großen Trierer Museen über die Bühne geht, "überhaupt nicht - vorausgesetzt, das Projekt wird richtig angepackt und auf den Weg gebracht".
Schild spricht aus eigener Erfahrung: Seine damals noch junge Firma projekt2508 (Bonn) war für das Marketing der schlussendlich sehr erfolg- und ertragreichen Konstantin-Landesausstellung 2007 in Trier verantwortlich, die auch dem eigenen Unternehmen Ruhm, Ehre und Aufträge brachte.

"Enormes Potenzial"


Seit Jahren betreibt projekt2508 die Culture Lounge der ITB, und für die 2014er Karl der Große-Ausstellung in Aachen entwickelten Schild, Mitgeschäftsführer Ulrich Keinath und ihr Team Kommunikationskonzept und Design und betrieben das Marketing. Resultat: Mit einem Plus von 18 Prozent gegenüber 2013 knackte Aachen erstmals die Traummarke von einer Million Übernachtungen.
Marx hat nach Einschätzung Schilds ebenfalls "enormes Potenzial: Ihr könnt in Trier mit einem eigenen ,großen\' Karl aufwarten". Und der könnte - erstmals seit Konstantin - Triers Übernachtungszahlen auf über 800 000 (2014: knapp 750 000) schnellen lassen? Schild: "Ja, sofern die Werbetrommel bald gerührt wird. Magazine - gedruckte wie im Fernsehen - sind es, die das große Publikum neugierig machen. Aber sie haben lange Vorlaufzeiten, und bis 2018 ist es ja nicht mehr so lange. Das Thema muss nun in Umlauf gebracht werden."
Für Touristiker ist es das bereits. Patricia Ellendt von der Trier-Tourismus und Marketing GmbH (TTM) berichtet von "großer Nachfrage, nicht nur von chinesischen Reiseveranstaltern, sondern auch von deutschen Busreise-Unternehmen". Und das, obwohl es noch keine konkreten Termine zum Marx-Jahr gibt.
Anders als bei Nero. Dem blutigen Herrscher, dessen Namen wohl jeder zumindest aus dem Kreuzworträtsel kennt (Römerkaiser mit vier Buchstaben; Regierungszeit 54 bis 68) widmet Trier als erste Stadt nördlich der Alpen 2016 eine große kulturhistorische Schau (14. Mai bis 16. Oktober im Rheinischen Landemuseum, Stadtmuseum Simeonstift und Museum am Dom). "Kaiser, Künstler und Tyrann" untertitelt, beleuchtet sie unter Berücksichtigung neuer Forschungsergebnisse auch die weitgehend unbekannten Facetten Neros. Und trifft offenbar den Nerv des Publikums. Patricia Ellendt hat auf der ITB bereits Abnehmer von Pauschalarrangements (mit Hotel-Unterkunft und Trier-Besichtigungen) gefunden. Und auch Tina Altmayer, die das Landesmuseum Trier auf der ITB vertrat, berichtet von "erfreulich großem Interesse an Nero".
Extra
Vor Nero der Dreißigjährige Krieg: Vom 17. April bis 18. Oktober zeigt das Rheinische Landesmuseum Trier die Sonderausstellung "1636 - Ihre letzte Schlacht". Sie basiert auf dem Fund der Skelette von 125 Soldaten, die in der Schlacht von Wittstock (Brandenburg) gefallen sind. In der Szenerie einer barocken Stadt, eines Soldatenlagers und eines Schlachtfeldes erzählen historische Dokumente, Goldschätze und Waffen vom Lebensalltag im Dreißigjährigen Krieg. Die Ausstellung wurde vom Archäologischen Landesmuseum Brandenburg konzipiert. rm.