region/trier
Freitag, 25.05.2012 | ePaper Newsletter Registrieren Login | Auto Immo Stellen
Benutzer: Passwort:
Login merken
aus unserem Archiv vom 03. Februar 2012
Autor: Aufgezeichnet Katja BernardyOrt: TrierKommentare: Kommentare zeigenDrucken  E-Mail

Plauschen auf Mutters Eckbank

Auf Johanna Bambergs Eckbank zu sitzen, macht das Leben von "Casa del Caffé"-Betreiberin Beate Lheritier erst richtig rund. Warum das so und der Hauptmarkt für sie schicksalhaft ist, davon erzählt die 54-Jährige in unserer Serie.

Podcast
Fotostrecke
Trier. "Wenn ich an den Hauptmarkt denke, fallen mir einige Dinge ein, die mein Leben nachhaltig verändert haben: Als junge Frau bediente ich im Schwarzen Ochsen, einem ehemaligen Lokal am Anfang der Fleischstraße. Mit dem verdienten Geld brachte ich mich und meinen kleinen Sohn durch. Es war eine harte, aber auch unvergesslich schöne Zeit. Kürzlich, nach mehr als dreißig Jahren, hat sich unsere damalige Hauptmarktclique wieder getroffen. Fünf Pärchen, grauer und stattlicher, aber es war wie früher.
Jean-Marc, meinen Mann, hatte ich natürlich auch auf dem Hauptmarkt kennengelernt, auf der Terrasse vom Schwarzen Ochsen. Ich erinnere mich noch genau an unser erstes Rendezvous: Zu Spaghetti Bolognese hatte er, ein Franzose, der in Trier beim Militär war, mich vor sage und schreibe 33 Jahren eingeladen.
Wir haben eine Tochter, Aline (22), und mein Sohn Daniel hat uns zu Großeltern gemacht - Dominik ist 16 Jahre alt, Sebastian 13.
Mit Anfang vierzig hatte ich noch mal einen beruflichen Neuanfang gewagt: Im Juni 2000 eröffnete ich das "Casa del Caffé" am Hauptmarkt. Wenn ich morgens die Dietrichstraße hochgehe, das Marktkreuz und den Brunnen sowie all die hübschen Häuser auftauchen, dann denke ich: "Da bin ich daheim!" Es ist mein "Geheichnis", wie der Trierer Geborgenheit und eine heimelige Atmosphäre beschreibt.
Apropos: An Obhut und Wärme nicht zu übertreffen ist allerdings mein Lieblingsplatz Nummer eins: auf der Eckbank in der Küche meiner Mutter, Johanna Bamberg (79), in Schweich-Issel. So oft es geht, sitze ich mit ihr zusammen und wir schwätzen bei einer Tasse Kaffee über Gott und die Welt.
Und bei sechs Geschwistern geht der Gesprächsstoff sowieso nie aus. Um den Plausch noch zu versüßen, backt sie häufig meinem Lieblingskuchen, die Himmelstorte. Meine Mutter hat uns alleine groß gezogen, mit wenig Geld, aber viel Liebe. Wir haben dadurch früh das Kämpfen, aber auch für einander da zu sein. Früher wie heute ist sie meine Anlaufstelle. Die Tür ist immer offen, der Tisch immer gedeckt.

Gestärkt zur Arbeit


Diese Eckbank-Atmosphäre spiegelt sich in meinem Café im Herzen Triers oder in der guten Stube, wie Insider den Hauptmarkt nennen, wider. Täglich begegnen sich dort viele Menschen. Achtzig Prozent der Stammgäste sind Trierer.
Sie sitzen eng beisammen, reden übers Wetter oder ereifern sich über Fußball. Eben über das, was gerade ansteht. Gestärkt gehen sie danach wieder zur Arbeit, in die Schule oder zum Bummeln durch die attraktive Fußgängerzone.
Ich verbringe viele Stunden in meinem Café, aber abends kehren wir der Innenstadt den Rücken, und wir fahren nach Ehrang, wo wir wohnen. In erster Linie schätze ich dort die gute Nachbarschaft. Abwechselnd laden wir uns zum Essen ein, das schweißt zusammen. Aber auch wenn in Ehrang gefeiert wird, sind wir dabei. Ob an Fastnacht oder am Ehranger Markt, wir nehmen jeden Festtag mit.
Wenn innerhalb der Familie besondere Feste wie runde Geburtstage anstehen, gibt es kaum einen schöneren Platz zum Feiern als an der Mariensäule. Nie werde ich die Augen meines Mannes vergessen, als wir ihn an seinem Fünfzigsten mit einem Spaziergang auf den Markusberg gelockt hatten und Verwandte und Freunde aus ihren Verstecken plötzlich mit Sekt und Selters auftauchten.
Party mit Blick über die Stadt ist fantastisch und wärmstens zu empfehlen! Nach solchen Überraschungsfeten oder langen Arbeitstagen tanke ich wieder auf: am liebsten auf der gemütlichen Eckbank neben meiner Mutter."

Aufgezeichnet von
Katja Bernardy




Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren:


Was ist das?

Kommentare via facebook


Anzeige

  • Heute in der Trierer Zeitung Kontakt Trierer Weltkulturerbe Heilig-Rock-Wallfahrt 2012
  • Anzeige
  • Anzeige
  • Anzeige
  • Sonderthemen
    • Die moselländische Küche

      Zu den vielen schönen Dingen, die die Mosel zu bieten hat, findet man Zugang über den Wein. Auch die moselländische Küche ist - natürlich - vom heimischen Wein inspiriert und bereichert. mehr...

  • Anzeige
  • Anzeige
  • Wetter
  • Anzeige
  • Anzeige
  • Aktuelle Dossiers
  • Anzeige


volksfreund.de

© volksfreund.de | Alle Rechte vorbehalten | Medienhaus Trierischer Volksfreund

Weitere Partner-Angebote
Immobilien | Stellenangebote | Autoanzeigen
Pflegekritik | Kleinanzeigen | volksfreund-shop.de | Ersatzteile | Ferienwohnungen | MACHER | Unternehmen Erfolg | tippfreund.de | lokalo.de | Netz gegen Nazis

Anzeige