Bürgerhaus, Sportplätze, Schule, Kita, DRK und Feuerwehr an einem zentralen Standort gebündelt - in Zemmer soll das Wirklichkeit werden. Die Gemeinde will durch den Rückbau der Mehrfach-Infrastruktur in den vier Ortsteilen langfristig Kosten sparen.
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Noch sind die gemeindeeigenen Gebäude und Sportanlagen über die Ortsteile Zemmer, Schleidweiler und Rodt verstreut. Künftig sollen alle Einrichtungen in der geografischen Mitte gebündelt werden (roter Kreis).
Zemmer. Was die Planer etwas verklausuliert "Ökologische Neuausrichtung der Ortsgemeinde Zemmer" nennen, ist bei genauerer Betrachtung eine kleine kommunalpolitische Sensation: Der 3000-Einwohner-Ort in der Fidei möchte seine öffentliche Infrastruktur nicht mehr in allen vier Ortsteilen aufrechterhalten, sondern sie auf einem zentralen Flecken konzentrieren. Dieser liegt geografisch ziemlich genau in der Mitte zwischen Schleidweiler, Zemmer und Rodt, und zwar im Einmündungsbereich von L 43 und K 34, unmittelbar am Sportplatz Schleidweiler. Eine Ausnahme bildet lediglich das Bürgerhaus von Daufenbach, dem kleinsten und am weitesten vom künftigen Zentralstandort entfernt liegenden Ortsteil. Es soll weiter vor Ort in der Trägerschaft des Heimatvereins bleiben.
Fideihalle sanierungsbedürftig
"Wenn wir unser Gemeinwesen noch für unsere Nachkommen finanzierbar halten wollen, dann müssen wir uns vom Kirchturmdenken verabschieden", begründet Ortsbürgermeister Edgar Schmitt (SPD) diesen historischen Schritt. Seit 1974, als die Gemeinde bei der Gebietsreform aus den Orten Zemmer und Schleidweiler-Rodt gebildet wurde, ist die Infrastruktur in allen Ortsteilen aufgebaut worden. Finanziell stand man sich gut in der Fidei, denn das Land zahlte als "Prämie" für den Zusammenschluss zehn Jahre doppelte Schlüsselzuweisungen.
Trotz Steuererhöhungen und anderer Sparanstrengungen (siehe Extra) hat Zemmer in den vergangenen Jahren alljährlich ein Defizit zwischen 200 000 und 300 000 Euro eingefahren. Die Kassenkredite sind auf 900 000 Euro angewachsen. Der Gemeinderat hat mit großer Mehrheit der Infrastruktur-Wende zugestimmt. Was die Entscheidung erleichtert haben dürfte, sind der große Sanierungsstau bei gemeindlichen Einrichtungen und die hohen Betriebskosten der Immobilien. So würde alleine die dringend erforderliche energetische Sanierung der Fideihalle in Zemmer mehr als eine halbe Million Euro verschlingen. Das Bürgerhaus in Schleidweiler müsste für rund 300 000 Euro auf Vordermann gebracht werden, der Umbau des Hartplatzes in Rodt zu einer Kunstrasenanlage mit Renovierung des Sportlerheims ist mit rund 900 000 Euro veranschlagt. Auf 155 000 wird die Sanierung des Sportplatzes Zemmer geschätzt, der schon 42 Jahre auf dem Buckel hat. 220 000 Euro habe die Gemeinde alleine in den letzten sechs Jahren für die Unterhaltung der drei Fußballplätze aufbringen müssen, berichtet Schmitt.
Das Nutzungskonzept für das zentrale Bürgerzentrum sieht als Ersatz für die Fideihalle und das Gemeindebüro im ersten Investitionsschritt den Bau eines Bürgerhauses ("Kulturhalle") vor mit Räumen für die Vereine und die Gemeindeverwaltung. Ferner soll ein Kunstrasenplatz mit Laufbahn und Sprunggrube als Ausweichplatz und Ergänzung zum vorhandenen Naturrasenplatz errichtet werden. Ein Förderantrag ist für das Jahr 2018 gestellt.
Fünf Windräder geplant
Die Sportplätze in Rodt und Zemmer sollen aufgegeben werden, wobei man in Rodt eine touristische Nutzung der Fläche in Erwägung zieht und in Zemmer mit der Anbringung einer Photovoltaikanlage liebäugelt. Auch Tennisplätze und ein Beachvolleyballfeld sind geplant. In einem zweiten Schritt, laut Ortsbürgermeister Schmitt frühestens in zehn bis 20 Jahren, sollen Grundschule, Kindertagesstätte, eine Sporthalle, der Bauhof sowie ein Katastrophenschutzzentrum für DRK und Feuerwehr die zentrale Infrastruktur komplettieren. Die Gemeinde hofft darauf, dass ihre ehrgeizigen Pläne durch Einnahmen aus der Windkraft - geplant sind bis zu fünf Anlagen im Meulenwald Richtung Heidweiler - und Zuschüsse des Landes unterstützt werden. Demnächst will man Roger Lewentz die Pläne vorstellen und den Infrastrukturminister dazu bewegen, Zemmer als Pilotgemeinde im Land aufs Schild zu heben. Auch verspricht man sich Einnahmen aus dem Verkauf der nicht mehr benötigten Immobilien und Grundstücke, die man wiederum ins neue Bürgerzentrum investieren könnte. "Das ist ein guter und mutiger Weg, um die Infrastruktur dauerhaft aufrechtzuerhalten", meint Trier-Lands Bürgermeister Wolfgang Reiland. Funktionieren könne dies jedoch nur, "wenn man die Bürger mitnimmt". Das möchte die Gemeinde auch. Edgar Schmitt: "Sobald das Gespräch mit Lewentz stattgefunden hat, stellen wir den Bürgern das Projekt vor."
Meinung
Alle Achtung!
Machen wir uns nichts vor: Auch 38 Jahre nach der Kommunalreform ist die Großgemeinde Zemmer nicht zu einer Einheit zusammengewachsen - zumindest nicht in den Herzen der Bürger. Diese fühlen sich nach wie vor als Dorfbewohner von Zemmer, Schleidweiler, Rodt oder Daufenbach. Das hat traditionelle Gründe, hinzu kommt aber auch, dass die Kommunalpolitiker das Kirchturmdenken über Jahrzehnte gefördert haben, indem jeder Ort sein Gemeindehaus, seinen Sportplatz und sein Feuerwehrgerätehaus bekommen hat. Einige Jahrzehnte konnte man sich diesen Luxus auch leisten, doch die vergangenen Krisenjahre haben Zemmer die finanziellen Grenzen drastisch aufgezeigt. Mit dem Vorhaben, die Gemeindeeinrichtungen zu zentralisieren, will man in der Fidei nun das Ruder herumreißen. Alle Achtung vor diesem mutigen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats. Der eingeschlagene Weg ist richtig, er könnte allerdings steiniger werden als vermutet. Nicht jeder Bürger wird bereit sein, auf liebgewordene Annehmlichkeiten vor der Haustür zu verzichten. Es wird viel Überzeugungsarbeit zu leisten sein. Der große Vorteil ist jedoch, dass das künftige Bürgerzentrum tatsächlich zentral liegt und von Zemmer, Schleidweiler und Rodt schnell zu erreichen ist. Der ohnehin vorgesehene Bürgerbus zum Bahnhof Daufenbach hätte dann eine noch größere Daseinsberechtigung. Er könnte im Shuttle-Verkehr publikumsträchtige Veranstaltungen im Bürgerzentrum bedienen. a.follmann@volksfreund.de
Extra
Die Gemeinde hat die Grundsteuern bereits zweimal erhöht (Mehrerträge 15 000 Euro) und auch die Gewerbesteuer angehoben. Die Aufwandsentschädigung für den Ortsbürgermeister wurde um zehn Prozent reduziert (Ersparnis 2000 Euro), die Ratsmitglieder verzichten auf ihr Sitzungsgeld. Weitere Einsparungen: Anhebung der Hundesteuer (1500 Euro), Ausgabendeckelung bei der Unterhaltung der Sportanlagen (10 000 Euro), nächtliche Reduzierung der Straßenbeleuchtung (3300 Euro). Einen Großteil der Kassenkredite in Höhe von 900 000 Euro will die Gemeinde durch den Beitritt zum kommunalen Entschuldungsfonds abbauen. Ferner muss Zemmer noch Investitionskredite von rund einer Million Euro bedienen. alf
Extra
Zemmer besteht aus den Ortsteilen Zemmer (1141 Einwohner), Rodt (1018), Schleidweiler (615) und Daufenbach (160) und ist der Kern der "Fidei". Zu diesem Landstrich gehören auch Orenhofen und Preist (Eifelkreis). Zemmer liegt eingebettet im Meulenwald, dem "Waldgebiet des Jahres 2012". Empfehlenswert für Wanderer sind der Waldlehrpfad und der Eifelsteig, der auf seiner 14. Etappe alle Ortsteile von Zemmer berührt. Einen schönen Panoramablick in Eifel und Hunsrück kann man vom Aussichtsturm in Rodt genießen. Er grenzt an den Nordic-Walking-Parcours mit seinen sieben Strecken auf 55 Kilometer Länge. alf
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