region/trierland

Bistumsreform Trier: Auch Schweicher Politiker entsetzt

(Schweich/Trier) Der geplante Wegfall der Pfarrei Schweich und die Angliederung an Hermeskeil zieht weitere Kreise. Selbst ein Dechant äußert seinen Unmut.

10.11.2017
Albert Follmann
Das Bistum Trier stößt mit dem Neuzuschnitt der Pfarreien im Raum Schweich auf erbitterten Widerstand. Nicht nur Kirchenkreise protestieren (der TV berichtete über die Mahnwache in Mehring), jetzt bestürmen auch politisch Verantwortliche den Bischof, weil die Pfarrei Schweich wegfallen soll. 

Schweichs Stadtbürgermeister Lars Rieger (CDU) hat im Auftrag des Stadtrats an den Oberhirten Stephan Ackermann geschrieben und darum gebeten, die Pläne noch einmal zu überdenken. Ein Wegfall der Pfarrei Schweich sei „inakzeptabel“. Christdemokrat Rieger, der sich selbst in der Pfarrei Schweich als Lektor betätigt und bei der Erstellung der Pfarrzeitung mithilft, sieht eine Diskrepanz zwischen dem synodalen Auftrag und der Umsetzung der neuen Struktur. Das Bistum gebe vor, pastorale Räume schaffen zu wollen, die sich an den Lebensräumen der Menschen orientieren. Die Zusammenlegung von Schweich mit Hermeskeil bewirke aber genau das Gegenteil. Rieger: „Die in und um Schweich lebenden Menschen orientieren sich arbeits- und freizeitmäßig eher am Oberzentrum Trier, aber sicher nicht am Mittelzentrum Hermeskeil.“ 

Federführend tätig bei der Neugliederung ist der Dechant des Dekanats Hermeskeil, Clemens Grünebach. Dass dieser möglicherweise seinen eigenen Standort zu Lasten des Raums Schweich stärken wolle, verwundere nicht, sei aber nicht zielführend, schreibt Rieger. Auch Christiane Horsch (CDU), Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Schweich, hat ihre Empörung über den geplanten Neuzuschnitt der Pfarreien in einem Schreiben ans Synodenbüro des Bistums zum Ausdruck gebracht. Ähnlich wie ihr Kollege Rieger verweist Horsch auf die gute Infrastruktur und den Bevölkerungszuwachs von Stadt und Verbandsgemeinde Schweich. Auch viele Menschen aus den östlichen Stadtteilen Triers und aus dem unteren Ruwertal seien nach Schweich orientiert und schätzten die kurzen Wege. Nicht nur Arztpraxen, Geschäfte, Pflegeheime und Schulen seien Anziehungspunkte, auch das kulturelle und sakrale Angebot von Schweich werde regionweit gerne angenommen.

Der Schweicher Dechant Ralph Hildesheim hat ebenfalls seinen Unmut über die Reform geäußert. Seiner Meinung nach passt die Achse Schweich-Hermeskeil alles andere als pastoral, mentalitätsmäßig, historisch und im Hinblick auf sozialräumliches Denken zusammen. So wird das Oberhaupt des noch bestehenden Dekanats Schweich-Welschbillig in einem Schreiben der Pfarreingemeinschaft Schweich zitiert, das an das Synodenbüro des Bistums gerichtet ist und dem Trierischen Volksfreund vorliegt. Die Pfarreiengemeinschaft Schweich besteht aus den Pfarreien Schweich (mit Issel), Riol, Föhren (mit Naurath), Fell (mit Fastrau) Bekond, Longuich (mit Kirsch) und Kenn. In dem Brief wird dem Bistum angekreidet, dass es die tatsächliche Entwicklung in der Region Schweich und deren Menschen falsch einschätzt. Das Bistum denke nicht in die Zukunft, sondern ignoriere diese. Die Zuteilung der Räume Welschbillig und Sauer in die Pfarrei Trier sei dagegen nachvollziehbar, schreibt die Pfarreiengemeinschaft Schweich. Denn schon in dem bestehenden Dekanat Schweich-Welschbillig hätten die unterschiedlichen Räume „nie so richtig harmoniert“. Die Empfehlung ans Bistum lautet: „Nehmen Sie Abstand von den geplanten 33 Pfarreien und bilden Sie mindestens 40 bis 50.“
 
Sonst laufen die Schäfchen weg 
Schlimmer geht nimmer. Dieser Satz eines Geistlichen aus dem Raum Schweich sagt eigentlich alles. Wer auch immer bei der Pfarreienfindungskommission des Bistums die Regionen Schweich und Hermeskeil in einen Topf geworfen hat, der kennt entweder die Lebenswirklichkeit der Menschen nicht oder verfolgt bewusst Interessen, die nicht mit dem Leitziel der „Pfarreien der Zukunft“ übereinstimmen. Das Bistum täte gut daran, die Großpfarrei Hermeskeil-Schweich neu zu ordnen. Andernfalls könnten ihr die Schäfchen weglaufen.

a.follmann@volksfreund.de