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Bürgerinitiative bringt Brücke übers Moselvorland ins Gespräch

(Schweich/Longuich) Neue Variante würde die Bundesstraße 53 bei Issel mit der Kenner Flur verbinden. Schweichs Stadtbürgermeister Lars Rieger ist dem Vorschlag nicht abgeneigt.

14.03.2017
Albert Follmann
Der Verein Bürgerinitiative Brücke Schweich wollte einen Alternativvorschlag für eine neue Moselbrücke bei Schweich erarbeiten - nun hat er geliefert. Wenn man so will, ist das Ergebnis (siehe Bildmontage oben) die Standortvariante Nummer fünf. Denn vier Varianten hat der Landesbetrieb Mobilität (LBM) bereits auf der flussabwärts gelegenen Seite der bestehenden Brücke präsentiert (siehe Visualisierung unten links).

Gemeinden contra Straßenplaner: Wie mehrfach berichtet, favorisiert der LBM einen Ersatzbau für die abrissreife Schweicher Brücke (siehe Info) unmittelbar neben der Autobahnbrücke bei Longuich-Kirsch. Die Räte von Schweich und Longuich lehnen das ab. Sie wollen eine neue Brücke unmittelbar neben der heutigen, die leicht schräg auf den Kreisel Brückenstraße mündet. Dafür haben Schweichs Stadtbürgermeister Lars Rieger, Longuichs Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder und Christiane Horsch, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Schweich, kürzlich bei einem Besuch im Mainzer Verkehrsministerium geworben (der TV berichtete). Staatssekretär Andy Becht hatte den Gästen zugesagt, dass deren Argumente gesammelt und dem LBM zur Prüfung weitergeleitet werden.

Das will die Bürgerinitiative: Sie kann sich mit keinem der vier LBM-Brückenneubauvarianten anfreunden. Dazu Sprecher Frank Borkam: "Es fehlt ein gesamtplanerischer Lösungsansatz. Der Stadtentwicklung von Schweich wird keinerlei Bedeutung beigemessen, Daten zum Verkehrsaufkommen werden nicht als Basis der Standortermittlung zugrunde gelegt." Westlich des jetzigen Brückenstandorts liegt nach Auffassung der BI die optimale Lösung: Es ist eine Verbindung von der B 53 in Höhe des Wassersportzentrums Kreusch über das Moselvorland mit Anschluss an die L 145 auf der Kenner Flur. Damit könnten 70 Prozent des Verkehrsaufkommens (etwa 13.500 Fahrzeuge pro Tag) problemlos zu ihrem Ziel Trier-Kenn abgeleitet werden, glaubt die BI. Vorteile seien Direktverbindungen zur A 602, zu den Schweicher Schul- und Einkaufszentren sowie den Gewerbegebieten. Auf beiden Moselseiten sollen Kreisel den Verkehr regeln; eine direkte Autobahnauffahrt zur A 602 sei denkbar, so Borkam.

Vor- und Nachteile: Ihm sei bewusst, dass die Brücke über Schwemmgebiet führe und daher aufgeständert werden müsse, sagt Borkam. Dadurch werde sie 80 bis 90 Meter länger und damit teurer. Aber man müsse auch berücksichtigen, dass diese Lösung für 60 bis 70 Jahre Bestand habe. Die aktuelle Moselbrücke will die BI als reine Fahrrad- und Fußgängerbrücke erhalten. Damit bliebe für Touristen und Einheimische eine attraktive Moselquerung erhalten. Ihre Variante, so die BI, bedeute weniger Lärm für Wohngebiete und eine Aufwertung des Freizeitgeländes am Campingplatz.

Die Reaktionen: Für Schweichs Stadtbürgermeister Lars Rieger ist der BI-Vorschlag "es wert, dass man sich damit beschäftigt". Weniger Lärm und eine bessere Anbindung des Bereichs Schlimmfuhren seien die Vorteile. Nicht so begeistert ist Longuichs Ortschefin Kathrin Schlöder. "Das bedeutet für uns einen Umweg Richtung Trier. Außerdem ist das Problem der zu niedrigen alten Brücke für die Schifffahrt nicht gelöst."

Der LBM will sich nicht äußern. Zu gegebener Zeit werde der LBM, wie mit dem Ministerium besprochen, auf die Fragensammlung der Kommunen eingehen.

 
Info: Der Beton ist schon sehr stark angegriffen
Die Schweicher Moselbrücke stammt aus dem Jahr 1950. Insbesondere Chlorid hat dem Bauwerk im Laufe der Jahrzehnte zugesetzt und den Beton angegriffen. Laut LBM entspricht die Tragfähigkeit nicht mehr den heutigen Erfordernissen. Eine Instandsetzung der Brücke sei unwirtschaftlich beziehungsweise technisch nicht möglich. Wegen der engen Bögen, der geringen Durchfahrtshöhe und der Lage in einer Moselkurve sind schon mehrfach Schiffe mit der Brücke kollidiert (der TV berichtete).
Kommentar
Diese Lösung hat einen gewissen Charme

Von Albert Follmann

Der Vorschlag der Bürgerinitiative wird vermutlich bei den Straßenplanern mit Schimpf und Schande durchfallen. Erstens ist eine Überquerung des Moselvorlands aufwändig und damit teuer. Und zweitens wäre der LBM kaum dazu bereit, einen weiteren Kreisel als "Bremse" auf der B 53 bei Issel zuzulassen. Um diesen Kreisel betteln die Schweicher schon länger vergebens, damit der Bereich Schlimmfuhren/Ermesgraben entlastet wird.
Führt man sich die Verkehrsprobleme von Schweich vor Augen, so hat die Lösung der BI durchaus ihren Charme. Der Hauptverkehr Richtung Autobahn wäre weiter von der Wohnbebauung weg als bisher. Außerdem sind beim Ausbau der A.602 in Höhe von Kenn ohnehin neue Auf- und Abfahrten geplant. Nicht zu vergessen die tollen Freizeitmöglichkeiten, die sich durch den Wegfall der alten Brücke am Moselufers ergeben würden.
a.follmann@volksfreund.de