Darf in der Schweicher Synagoge zum Stadtfest die traditionelle Weinprobe stattfinden? Die Mitglieder des Stadtrats lehnen dies mehrheitlich ab (TV vom 31. August). Doch der Verein Kultur in Schweich und ihr Vorsitzender Otmar Rößler halten an ihrer Entscheidung fest. Die Diskussion dauert an.
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(f.k.) In einer Stellungnahme gegenüber dem TV begrüßt Stadtbürgermeister Otmar Rößler (FWG) die "rege und teilweise emotionale Diskussion um die geplante Veranstaltung in der Synagoge". Dies zeige den hohen Stellenwert, den die ehemalige Synagoge bei der Bevölkerung genieße.
Sie gelte als das kulturelle Zentrum Schweichs - daher sei darauf zu achten, was und wer dort hinein dürfe. Rößler: "Genau dies hat der Verein Kultur in Schweich getan. Wir versuchen, die Synagoge zum zentralen kulturellen Veranstaltungsort zu entwickeln." Aus diesem Grund präsentiere der Verein dort unterschiedlichste Veranstaltungsformen wie klassische Konzerte, Lesungen, jüdische Musik, Jazz und vieles mehr.
Nach der Entscheidung, das Stadtfest ab diesem Jahr ganz vor die Synagoge zu verlagern, sei es naheliegend gewesen, auch die Weinprobe einzubeziehen. Die Veranstaltung habe früher im Winzerkeller und in den vorigen Jahren in einem Festzelt stattgefunden, verbunden mit hohen Kosten und einem erheblichen Aufwand für Auf- und Abbau. Rößler: "Niemand war mehr bereit, dies zu tragen. Daher hat sich der Verein Kultur in Schweich bereiterklärt, die Weinprobe zu übernehmen und sie mit einem neuen Konzept am neuen Veranstaltungsort anzusiedeln."
Im vergangenen Jahr habe es noch bayerische Blasmusik im Zelt mit Biertischbestuhlung und mit 300 Teilnehmern gegeben. Im Kontrast dazu stünden nun stilvoll geschmückte Tische, Stühle, eine begrenzte Teilnehmerzahl von 120 Personen und anspruchsvolle A-Cappella-Musik.
Rößler: "Die Synagoge darf nicht Ort für lustig-laute Saufgelage werden. Doch das ist definitiv nicht zu befürchten."
Für eine Änderung ist es noch nicht zu spät
Der Stadtbeigeordnete Achim Schmitt, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, wiederholt seine Bedenken gegen die Weinprobe in der Synagoge. An alternativen Orten für eine kurzfristige Verlegung mangelt es nach seiner Auffassung nicht: Der Kolpingsaal liegt etwa 200 Meter vom derzeitigen Veranstaltungsort entfernt, und die Distanz zum Weinhaussaal der Verbandsgemeinde beträgt 250 Meter.
Schmitt: "Da auch die Winzer nicht auf diesen Veranstaltungsort bestehen, können alle über diese Brücke gehen. Für eine Änderung ist es nicht zu spät." Die Schweicher Synagoge bezeichnet Schmitt als "Gedenkstätte mit Mahnmalcharakter" und als "Lernort für Geschichte". Sie stehe für ein Umgehen miteinander und für ein intensiveres Lernen über das Judentum in Schweich und der Region.
Schmitt: "Vor einem halben Jahr haben wir deshalb dort die Dauerausstellung ,Jüdisches Leben in und um Schweich' eingerichtet. Sie wurde eröffnet von der damaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch." Dieser Bau sei als Lehre aus der Geschichte bewusst in Form eines Sakralbaus renoviert worden und werde seit 1989 ausschließlich als Kultur- und Tagungsstätte genutzt.
"Dies ist nicht der richtige Ort für die Weinprobe zum Stadtfest. Selbst bei der 25-Jahrfeier der Stadt wurden die Festansprachen im großen Saal gehalten - doch der Imbiss blieb aus Respekt vor der Örtlichkeit dem Foyer vorbehalten", betont Schmitt und erinnert an den Novemberpogrom 1938, bei dem die Synagoge völlig zerstört wurde.
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