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Der Kreis zahlt und zahlt

(Trier/Hermeskeil/Kell. ) Das Loch im Kreishaushalt wird immer größer: Am kommenden Montag, 17 Uhr, entscheidet der Kreistag über den Nachtragshaushalt 2010, der ein Defizit von 10,4 Millionen Euro aufweist. Das sind 4,2 Millionen Euro mehr als im ersten Haushaltsentwurf vom Dezember 2009.

02.09.2010
Von unserem Redakteur Albert Follmann Von Albert Follmann
Dass die Talfahrt der Kreisfinanzen auch 2010 weitergehen würde, war Landrat Günther Schartz bereits klar, als er im Dezember 2009 dem Kreistag die Eckdaten des neuen Haushalts vorstellte. Alleine schon wegen der Übernahme der weiterführenden Schulen von den Verbandsgemeinden durch den Kreis ab August 2010 müsse ein Nachtragshaushalt aufgestellt werden, kündigte er damals an. Mit Mehrkosten von 600 000 Euro für neues Schulpersonal wie Sozialarbeiter, Hausmeister und Reinigungskräfte war zu rechnen, dass sich jedoch das vor gut einem halben Jahr prognostizierte Defizit von 6,2 Millionen Euro bis zum heutigen Tag auf 10,4 Millionen Euro hochkatapultieren würde, hat auch den Landrat überrascht: "Das tut weh, wir werden förmlich überrollt", so sein Kommentar.
 

Erziehungsprobleme auch in wohlhabenden Familien


 
Es sind mal wieder die Sozialkosten, die überproportional steigen - und zwar gegenüber dem Vorjahr um rund zehn Millionen Euro auf knapp 85 Millionen Euro.
 
Beim Jugendamt werden 2010 alleine für die Heimerziehung von Kindern und Jugendlichen 1,5 Millionen Euro Mehrkosten anfallen (siehe Grafik). Doch damit nicht genug: Mehr als 700 000 Euro draufzahlen muss der Kreis für Eingliederungshilfen und die Betreuung in Tagesgruppen, Vollzeitpflege und Frühförderung. Schartz: "Erziehungsprobleme sind ein gesamtgesellschaftliches Problem geworden. Ursache sind nicht immer Geldprobleme; die Unwilligkeit zur Erziehung gibt es selbst in wohlhabenden Familien." Auch mehr Vorsorge habe den Negativtrend nicht stoppen können. Laut Schartz sind in den Schulzentren Sozialarbeiter eingestellt und die Mittel für den allgemeinen sozialen Dienst aufgestockt worden.
 
Nicht nur die Sozialausgaben steigen auf Rekordhöhe - auch die Investitionen. Mit den 26,9 Millionen Euro werden hauptsächlich Schulen, Kindergärten und Straßen gebaut oder saniert. Für den Straßenbau werden 600 000 Euro zusätzlich bereitgestellt, um extreme Winterschäden an Kreisstraßen zu beseitigen. Aufgrund nicht genehmigter Kredite durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) wurde der Posten KFZ-Zulassungsstellen in Konz und Schweich (50 000 Euro) abgesetzt; die Zuschüsse für den Ankauf der Hunsrückbahntrasse erhielten einen Sperrvermerk (der TV berichtete).
 

78 Millionen Euro Investitionskredite


 
Die Netto-Neuverschuldung wird voraussichtlich Ende 2010 zwölf Millionen Euro betragen, der Schuldenstand für langfristige Investitionskredite steigt auf rund 78 Millionen Euro. Statistisch steht jeder Kreisbewohner mit 642,80 Euro in der Kreide.
 
Meinung
 
Keine heile Welt
 
In den Dörfern, so heißt es vielfach, sei die Welt noch in Ordnung, lebten glückliche Menschen in intakten Familien. Dass diese Idylle bröckelt und die sozialen Problemfälle auf dem Land rasant steigen und bald städtische Größenordnungen annehmen, zeigt ein Blick in den Sozialhaushalt des Kreises. Fast 700 Kinder und Jugendliche müssen auf Kosten der Allgemeinheit betreut, erzogen und in Heimen versorgt werden - Tendenz steigend. Das ist auch kein Wunder, wenn man sieht, dass die Zahl der Ehescheidungen im Kreis bereits höher ist als in der Stadt Trier. Weil der Kreis mit mehr Prävention gegensteuert, wird sicher der eine oder andere Problemfall verhindert, andererseits werden dadurch aber auch neue Fälle ans Tageslicht gespült. a.follmann@volksfreund.de

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