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Der neue starke Mann heißt Dirk Bootz

Kampfabstimmung auf Parteitag der Kreis-SPD: Mitglieder wählen Nachfolger von Katarina Barley

(Hermeskeil) Der neue Kreisvorsitzende der SPD Trier-Saarburg heißt Dirk Bootz. Der 39-jährige Kaseler, bisher schon einer der Stellvertreter, setzte sich am Freitagabend beim Parteitag in Hermeskeil gegen Schatzmeister Achim Schmitt durch. Bootz folgt Katarina Barley, der SPD-Generalsekretärin.

17.07.2016
Albert Follmann
Hermeskeil. "Egal wie es ausgeht, hier geht keiner als Verlierer vom Platz. Es ist doch gut, dass die Mitglieder eine Wahl haben." Das sagte Achim Schmitt (50) beim SPD-Parteitag im Mehrgenerationenhaus in Hermeskeil, als er sich bei den 95 anwesenden Parteimitgliedern vorstellte. Der Schweicher bewarb sich um den Kreisvorsitz, doch am Ende hatte sein Konkurrent die Nase vorn: Dirk Bootz aus Kasel. Für ihn stimmten 54 Genossen, für Schmitt 37.
Damit ist Bootz, Vater dreier Kinder und im kaufmännischen Bereich tätig, Nachfolger von Katarina Barley. Die Schweicherin hatte der Kreis-SPD sechs Jahre vorgestanden und das Amt zur Verfügung gestellt. Der Grund: Sie könne es nicht mit ihrem zeitraubenden Job der Generalsekretärin der Bundes-SPD vereinbaren. Vorher hatte die 47-Jährige schon ihre Ratsmandate aufgegeben. Im neuen geschäftsführenden Vorstand (siehe Extra) gibt es jetzt fünf Stellvertreter; Achim Schmitt wurde als Schatzmeister bestätigt. Ferner wurden 15 Beisitzer gewählt.
Bootz, der dem Kreisvorstand seit sechs Jahren angehört und unter anderem Vorsitzender der SPD-Arbeitsgemeinschaft in der VG Ruwer ist, sagte, er wolle den Dialog mit den Bürgern und den Parteimitgliedern zu seinem Markenzeichen machen. Zwei Schwerpunkte habe er sich vorgenommen: eine bessere interne Vernetzung mit Nutzung moderner Kommunikationsmethoden und eine größere Einbindung der SPD-Ehrenamtler. Bootz: "Das sind die Gesichter unserer Partei, diese Leute müssen wir besser unterstützen."
Die Ortsvereine zu stärken, das hatte auch Bootz’ Mitbewerber Achim Schmitt als Ziel ausgegeben für den Fall, dass er als Kreisvorsitzender gewählt werden sollte. Schmitt, bei der ADD in Trier arbeitet, versprach, kein Landtagsmandat anzustreben. Er werde sich ganz auf die Kreispolitik konzentrieren.
Die scheidende Vorsitzende warnte vor Rechten und Populisten (siehe auch Interview unten). Die "Brandstifter" machten sich in Europa breit und bekämen Zulauf, wie das Brexit-Beispiel zeige. "Diese Leute schüren Angst, haben aber keine Lösungen für die Probleme parat", sagte Barley und appellierte an die Mitglieder, die Situation ernst zu nehmen und sich auf eigene Stärken zu besinnen. "Wir haben eine 135-jährige Geschichte und waren immer diejenigen, die die Gesellschaft zusammengehalten haben." Laut Barley hat die SPD "85 Prozent vom Koalitionsvertrag umgesetzt". Ein großes Zukunftsthema sei die Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern. Das Thema soziale Gerechtigkeit schlängelte sich auch durch sieben Anträge, die von den SPD-Arbeitsgemeinschaften im Kreis eingebracht worden waren. Die Chefin der SPD-Kreistagsfraktion, Landtagsabgeordnete Ingeborg Sahler-Fesel, berichtete aus der Kreistagsarbeit. Zur Landespolitik sprach Generalsekretär Daniel Stich. Als Volkspartei, sagte er, müsse sich die SPD mehr um Nachwuchsgewinnung und -qualifizierung kümmern. Die Mitgliederzahl schrumpfe, das Durchschnittsalter der Genossen im Land liege bei 60 Jahren.
Meinung
Aufbruchstimmung bei den Genossen

Die Genossen im Kreis sind an politische Achterbahnfahrten gewöhnt. Mal sind sie oben, mal unten. Zuletzt gab es Grund zur Freude, zumindest was die Wahlergebnisse anging: Malu Dreyer bleibt Ministerpräsidentin und Lothar Rommelfanger aus Wiltingen gewinnt überraschend den Wahlkreis Konz-Saarburg. Damit stellt die Kreis-SPD zwei Abgeordnete im Mainzer Parlament - neben Rommelfanger noch Ingeborg Sahler-Fesel aus Schweich. Solche Wahlerfolge motivieren für die nächste große Herausforderung, das Duell 2017 um das Direktmandat im Wahlkreis Trier zwischen Katarina Barley und dem (noch) großen Unbekannten, der CDU-Mann Bernhard Kaster beerben soll. Schwer tut sich die Kreis-SPD seit langem auf kommunaler Ebene. Dort spielt sie oft nur die zweite oder dritte Geige - hinter CDU und FWG. Im Kreistag stellen die Sozialdemokraten lediglich elf der 46 Mandatsträger. Da ist es schwer, das Profil zu schärfen und die eigenen Themen nach vorne zu bringen. Dass die charismatische Katarina Barley den Kreisvorsitz niedergelegt hat, macht die Aufgabe nicht einfacher. Mit Dirk Bootz hat ein Mann das Ruder übernommen, den außerhalb des Ruwertals kaum jemand kennt. Allerdings - und das hat der Parteitag in Hermeskeil gezeigt - ist eine Aufbruchstimmung bei den Kreisgenossen spürbar, und zwar über die Altersgrenzen hinweg. Antriebsfeder ist sicherlich auch, dem aufkeimenden rechtspopulistischen Gedankengut in Deutschland und Europa mit einer Jetzt-erst-recht-Haltung entgegenzutreten. Etwa nach dem Motto "Das Gegenteil von der AfD sind wir". Besonders gut harmonieren offenbar die Jusos und der Arbeitnehmerflügel miteinander. In gemeinsamen Anträgen wird die Bundes-SPD mit Nachdruck aufgefordert, in der Koalition Arbeitsmarkt- und Finanzreformen für die "kleinen Leute" durchzusetzen - ganz in der Tradition der Willy Brandt’ schen Gerechtigkeitspartei. a.follmann@volksfreund.de
Extra
Der neue geschäftsführende Vorstand der Kreis-SPD Trier-Saarburg: Vorsitzender Dirk Bootz (Verbandsgemeinde Ruwer), Stellvertreter Rainer Gierten (VG Trier-Land), Yvonne Mich (VG Konz), Yvonne Rach (VG Saarburg), Giselind Roßmann (VG Hermeskeil), Stephanie Zehren (VG Saarburg). Schriftführer Philipp Dewand (VG Hermeskeil), Schatzmeister Achim Schmitt (VG Schweich). Kooptierte Vorstandsmitglieder ohne Stimmrecht sind die Abgeordneten von Landtag und Bundestag. alf