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Fünf Hobbywinzer retten alte Anbauflächen

Vier junge "Quereinsteiger" und ein Rentner betreiben an der Ruwer Weinanbau als Hobby. Von großen Reichtümern träumen sie nicht - ihr Ziel ist der Erhalt der heimatlichen Kulturlandschaft.

11.06.2010
Von unserem Redakteur Friedhelm Knopp
Waldrach/Kasel/Mertesdorf. Keinen schönen Anblick bieten heute die Anbauflächen oberhalb der Ruwerweinorte Mertersdorf, Kasel und Waldrach. Was zunächst schleichend begann, erkennt inzwischen auch der Laie: Die einst gepflegten Weinberge gleichen Flickenteppichen aus noch bewirtschafteten Flächen und gerodeten Brachen. Seit über zwei Jahrzehnten ist der Weinbau an der Ruwer auf dem Rückzug. Immer mehr Winzer gaben altersbedingt auf. Auch fehlte es am Interesse der Nachkommen, zumal die Flächen für den Haupterwerb oft zu klein und unrentabel waren. Hinzu kommt, dass die Ruwer-Topographie fast ausschließlich den Steilanbau erlaubt. Eine rationelle maschinelle Bewirtschaftung dieser Flächen ist oft nur eingeschränkt oder in vielen Fällen auch gar nicht möglich. Allein in Waldrach schrumpfte die Anbaufläche seit 1997 von 64,30 Hektar auf heute nur noch 32,86 Hektar.
 
Als Hoffnungsträger erscheinen in dieser Situation fünf Hobbywinzer aus teilweise "weinfremden" Berufen, die den umgekehrten Weg gingen: Sie übernahmen innerhalb der letzten Jahre von der Stilllegung bedrohte Parzellen und setzen dort im Nebenerwerb die Weinbautradition fort. Unterstützt mit Rat und Tat werden sie von der kleinen Winzergenossenschaft Kasel, vom Verein Ruwer Riesling und vom Bauern- und Winzerverband.
 
Denis Duhme aus Lampaden hat Weinbau studiert und betreibt ein Weinseminar in Köln. Er bewirtschaftet zwei Parzellen der Lage Mertesdorfer Herrenberg mit insgesamt 1600 Quadratmetern und vermarktet über die Winzergenossenschaft Kasel. Duhme: "Wein ist mein Hobby, Riesling meine Leidenschaft, und ich wollte selbst etwas gestalten."
 
Kai Hausen ist Betriebsleiter der Karlsmühle in Mertesdorf und übernahm eine 1700 Quadratmeter umfassende Extremsteillage zwischen Mertesdorf und Kasel. Hausen vermarktet selbst über einen Trie rer Weinhandel. Die "Lage" seiner Weine bezeichnet er einfach nach der Parzellennummer als "Projekt 156".
 
Anne Biewer, ehemalige Ruwer-Weinkönigin, ist Lehramtsanwärterin an der BBS Wirtschaft in Trier. Sie bewirtschaftet eine 1500 Quadratmeter unfassende Fläche auf der Kaseler Hitzlay und vermarktet über die Kaseler Genossenschaft.
 
Thomas Meyer aus Mertesdorf ist Energieelektroniker. Er übernahm kürzlich eine 627 Quadratmeter umfassende Steillage auf der Waldracher Krone und vermarktet ebenfalls über die Kaseler. "Auch meine Fläche sollte gerodet werden. Ich fand es zu schade und griff zu", sagt Meyer.
 
Josef Scholtes aus Waldrach war als Angestellter in der Weinwirtschaft tätig. Der Rentner bewirtschaftet nun 750 Quadratmeter auf der Waldracher Krone, weil "ich eine sinnvolle Beschäftigung suchte und mir der Zusammenhalt in der Winzergenossenschaft Kasel gefällt". Scholtes hofft, durch das gemeinsame Engagement zu einer Renaissance der Ruwerweinwirtschaft beitragen zu können.
 
Ähnlich sehen dies Frank-Stefan Meyer, Vorsitzender des Vereins Ruwer Riesling, Gerd Biewer von der Kaseler Genossenschaft und Rainer Krämer vom Bauern- und Winzerverband.
 
Viele Flächen an der Ruwer könnten noch durch "Weinbau-Quereinsteiger" gerettet werden. Wer Interesse hat, sollte sich umgehend bei Rainer Krämer, Telefon 0176/413 63372, melden.