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Funk bringt Newel schnelles Internet

Anbieter nimmt neuen Mast in Betrieb - Ortsgemeinde strebt aber weiter Kabellösung an

(Newel) Problemlos surfen, Daten in kürzester Zeit herunterladen: Ab sofort versorgt ein Funkmast Newel und Teile benachbarter Gemeinden mit schnellem Internet. Weil das Signal aber nicht das komplette Gemeindegebiet erreicht, kämpft Newel weiter für ein Angebot per Breitbandkabel.

09.08.2012
Christa Weber
Newel. "Unsere Verbindung ist eine Katastrophe", schimpft eine Anwohnerin aus Newel, die zum Internet-Infoabend ins Gemeindehaus gekommen ist. "Wir haben nur Ärger", klagt die Frau weiter. Ihre zwei Kinder gingen in die Oberstufe, bräuchten eine zuverlässige Verbindung für Recherchen. Derzeit nutzten sie dafür ein Satellitensignal. "Aber das ist teuer, langsam und bricht ständig zusammen."
Seit Jahren beschweren sich Bewohner der vier Ortsteile Newel, Butzweiler, Beßlich und Lorig darüber, dass sie von der schnellen Datenautobahn abgeschnitten sind. Eine Bürgerinitiative hat Ortsbürgermeister Matthias Mohn per Unterschriftenliste aufgefordert, sich weiter für eine DSL-Versorgung über Breitbandkabel einzusetzen (der TV berichtete). Seit kurzem gibt es jedoch eine Alternative: Das Unternehmen Vodafone bietet eine Verbindung per Funk an. Long Term Evolution, kurz LTE, heißt die Technik, die den Newelern das schnelle Surfen möglich macht. Bis zu 30 Megabit/Sekunde sind laut Vodafone in Newel möglich. Größere Datenmengen, zum Beispiel zehnminütige Videofilme, lassen sich damit in acht Sekunden herunterladen.

Leistung vor Ort geprüft


Über das neue Angebot haben sich 25 Einwohner informiert. Ein LTE-Mast, wie er jetzt zwischen Newel und Olk in Betrieb ist, kann laut Vodafone etwa 1000 Nutzer versorgen. Derzeit testet Mitarbeiterin Kathleen Nittke, welche Ortsteile das Signal mit welcher Leistungsfähigkeit erreicht. "In Beßlich funktioniert es gut, in Butzweiler und Lorich testen wir noch", sagt Nittke. Jeder Kunde habe die Möglichkeit, die Gegebenheiten bei sich vor Ort prüfen zu lassen. Der Radius des Funksignals reicht im Norden etwa bis Windmühle/Welschbillig, im Süden bis Aach-Hohensonne. Die LTE-Tarife liegen zwischen 20 und 70 Euro im Monat.
Vodafone wollte LTE in Newel schon vor zwei Jahren anbieten. Damals gab es jedoch Probleme mit Luxemburg. Dort wird auf der Frequenz, die in Deutschland für LTE genutzt wird, digitales Fernsehen über Antenne ausgestrahlt. In einem Schreiben vom 1. August 2012 ans Innenministerium verwies Vodafone auf Verzögerungen wegen der fehlenden Einigung. Mittlerweile gibt es aber ein Abkommen mit dem Nachbarland. Zwar gebe es noch Lücken im LTE-Ausbau entlang der Grenze, sagt Nittke, "aber es geht voran". Nach ihren Informationen hat Vodafone seit September 2010 in der Region 13 Masten in Betrieb genommen - etwa in Altscheid, Beilingen, Schleid (Kreis Bitburg-Prüm), Daun, Wittlich, Kenn und Serrig.
"Wir sind froh, dass LTE jetzt da ist", sagt Newels Ortschef Matthias Mohn. Trotz des Angebots strebe die Gemeinde aber weiter eine Versorgung aller Ortsteile über Breitbandkabel an. Derzeit werde jeder Haushalt befragt, ob er DSL oder LTE bevorzuge. Die Finanzierung des Gemeindeanteils von etwa 220 000 Euro werde jedoch "schwierig".
In Olk wird das LTE-Signal wegen der Tallage des Ortes laut Nittke nicht ohne Außenantenne zu empfangen sein. Dennoch hat die Telekom dort auf die Konkurrenz reagiert. Per Anschreiben wurde ein Teil der Haushalte über die Option einer Funkverbindung des älteren Standards HSDPA/UMTS (siehe Extra) informiert. Laut einem Telekom-Mitarbeiter ist diese auch in Newel verfügbar - bei 7,2 Mbit/Sekunde aber mit einer geringeren Übertragungsrate als bei LTE. Ortschef Mohn ist dieses Angebot unbekannt. Er hofft aber, "dass jetzt auch bei der Telekom Bewegung reinkommt".
Extra
LTE (Long Term Evolution) ist die vierte Mobilfunkgeneration und damit Nachfolger von UMTS (Universal Mobile Telecommunications System). LTE erlaubt deutlich höhere Übertragungsraten als die Vorgängernetze. Es handelt sich um eine Funktechnik, die schneller als die etwa für Handys verwendete ist. Die Frequenzen wurden frei durch die Aufgabe der analogen Ausstrahlung von Radio- und Fernsehprogrammen und die Umstellung auf digitalen Rundfunk. Der LTE-Ausbau ist deutlich günstiger als Glasfaser, kann bestehende Funkmasten nutzen und hat eine Reichweite von bis zu zehn Kilometern. Weil übersehen wurde, dass die Frequenzen im benachbarten Ausland (etwa Luxemburg) noch nicht für LTE freigegeben waren, hat sich der Ausbau in Grenznähe verzögert. cweb