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05.12.2013

Gentechnik contra konventionelle Landwirtschaft

(Bekond) Vor 140 Zuhörern informierte ein Agrarexperte in Bekond über die Folgen des Gentechnik-Einsatzes in der Landwirtschaft. Kritik übte er an Chemiekonzernen. Sie würden keine effektiven Lösungen zur Bekämpfung von Schädlingen und Unkraut anbieten.

Bekond. Landwirt Gerhard Portz, der Verein Bekond aktiv und die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL) hatten den renommierten brasilianischen Wissenschaftler Antonio Inacio Andrioli zum Vortrag geladen. Was er zu sagen hat, betrifft auch deutsche Bauern.
Andrioli wirft den Großen der Saatgut- und Chemieindustrie, darunter auch Bayer und BASF, vor, den Bauern keine guten Lösungen für die Schädlings- und Unkrautbekämpfung anzubieten. Es werde nicht nach den Ursachen gefragt, sondern nur die Symptome bekämpft, so der Wissenschaftler.
Der Einsatz des Totalherbizides Glyphosat in Verbindung mit resistentem genetisch manipuliertem Saatgut sei in Brasilien zu Beginn ein großer Erfolg gewesen Aber nach fünf Jahren seien Probleme aufgetreten: resistente Schädlinge und Unkräuter. Die Folge sei eine bisher nicht endende Spirale des Herbizideinsatzes. Auf die Nachfrage eines Zuhörers, ob eine Rückkehr zur konventionellen oder gar biologischen Landwirtschaft denn nicht eine Lösung sei, reagierte Andrioli skeptisch. Meist seien die Gentechnik-Forschungen aus Geldern der Gentechnikindustrie finanziert. Entsprechend positiv fielen die Ergebnisse von Feldversuchen und Studien aus. Kritische Berichte würden meist auf Druck nicht publiziert. Professor Andrioli berichtete, auch in Deutschland bereits von einem regionalen Bauernverband nach Bekanntwerden seiner Position ausgeladen worden zu sein.
Neben dem gestiegenen Einsatz von Pestiziden und Herbiziden sieht Andrioli vor allem den Rückgang der Erträge bei genetisch manipuliertem Saatgut und die Patentierung als Problem. Während konventionelle Kreuzungen meist mit einer einprozentigen Produktivitätssteigerung jährlich aufwarteten, hinke das genetisch modifizierte Saatgut mit Zehnjahresintervallen deutlich hinterher.
Zudem hätten gentechnisch veränderte Sorten oft Spitzensaaten konventioneller Art vom Markt verdrängt. Die Nachbaugebühren für Saatgut sind ein Dauerbrenner in der landwirtschaftlichen Diskussion: Hält der Landwirt von seiner Ernte einen Teil für das Folgejahr zurück, muss er dennoch für dieses Saatgut, das aus seiner eigenen Produktion stammt, bezahlen. Der Grund: Es enthält genetische Veränderungen, auf die der Saatgutzüchter ein Recht hält. Obwohl nahezu 100 Prozent der DNA des Saatgutes in Jahrtausende langen Kreuzungen durch unsere Vorfahren entstanden seien, würden von der Saatgutindustrie Ansprüche darauf erhoben. Andrioli rät zum Erhalt der Saatgut- und Pflanzenvielfalt. So seien bei Schädlingsbefall nicht direkt ganze Ernten gefährdet; viele Schädlinge hielten sich gegenseitig in Schach. red