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Giftköder in Trier und im Ruwertal?

Tote Hunde geben Rätsel auf - Veterinäramt: Keine Anhaltspunkte für gezielte Vergiftung - Polizei ermittelt in Kasel

(Trier/Kasel) Die Gerüchteküche brodelt. In Trie rer Stadtteilen und im Ruwertal sollen in den vergangenen Wochen Giftköder ausgelegt worden sein. Hunde und Katzen seien verendet, heißt es im sozialen Netzwerk Facebook. Die Polizei hat keine Beweise, dass Tiere absichtlich gelötet wurden; sie ermittelt in Kasel in zwei Fällen wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

13.06.2014
Anja Fait und Albert Follmann
Trier/Kasel. Die Verunsicherung unter Tierhaltern im Ruwertal und in einigen Trierer Stadtteilen ist groß. Im sozialen Netzwerk Facebook brodelt seit Wochen die Gerüchteküche über ausgelegte Giftköder und getötete Tiere. Dem Ortsbürgermeister von Kasel, Karl-Heinrich Ewald, wurden vermeintlich vergiftete Hunde und Katzen in der Ruwergemeinde gemeldet. Polizeisprecherin Sabine Bamberg bestätigt unserer Zeitung, dass die Kripo in den beiden Kaseler Fällen wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Ein Hund sei trotz ärztlicher Behandlung gestorben, der andere habe gerettet werden können.
Erst vor zwei Jahren hatte die Staatsanwaltschaft Trier ein Verfahren gegen einen unbekannten Tierquäler eingestellt, der in Trier-Ruwer vergiftete Köder ausgelegt haben soll. Vier Hunde sollen daran gestorben sein (der TV berichtete).
Unklar ist, ob in jüngster Zeit absichtlich Giftköder ausgelegt worden sind oder die Tiere womöglich an Rattengift, Schneckenkorn oder giftigen Pflanzen verendet sind - eine Beweisführung ist schwierig.
"Bei unserem Hund ist die Tierärztin von Rattengift ausgegangen", sagt Winfried Rohmann. Der Trierer Rechtsanwalt war am Morgen des 1. Juni, einem Sonntag, mit seinem Bayerischen Gebirgsschweißhund Max im Bereich Unter Kleeburg (Nähe Tarforst) unterwegs. Er ließ ihn wie immer von der Leine. "Am frühen Abend sind dann erste Vergiftungssymptome aufgetreten, und ich bin sofort zur Tierärztin", berichtet Rohmann. Am nächsten Morgen sei der neunjährige Rüde tot gewesen. Die Todesursache hat der Halter nicht klären lassen. "Das hätte mich mehrere Hundert Euro gekostet, es hätte ja auch nichts mehr gebracht", sagt er. Was er noch tun konnte, war, seine Bekannten zu warnen, mit ihren Hunden aufzupassen.
Das Thema vergiftete Hunde und Katzen tauchte zuletzt vermehrt in Facebook auf. So schrieb am 7. Juni ein Nutzer, in Ehrang seien zwei Hunde durch Rattengift getötet worden. Im Kommlinger Wald habe ein Hund Schneckenkorn gefressen und befinde sich in kritischem Zustand in der Klinik, lautet eine andere Mitteilung. Alleine 400 Mal wurde dieser Eintrag weitergegeben: "Achtung, an alle Hundebesitzer im Raum Trier. Seit drei Tagen wurden vermehrt Giftköder im Raum Tarforst und Pluwig gefunden. Es handelt sich um mit E 605 versetzte Brot- und Fleischstückchen. Zurzeit gibt es schon drei schwere Vergiftungen sowie einen toten Hund." "Irgendein krankes Dreckschwein hat unseren lieben und braven Labrador vergiftet", postete ein erregter Hundehalter auf Facebook.
Triers Tierärzte äußern sich auf TV-Nachfrage nicht zum Thema. Sie berufen sich auf ihre Schweigepflicht. Auch die Nachfrage beim Kreisveterinäramt verspricht keine abschließende Klärung. Kreissprecher Thomas Müller sagt, bislang hätten sich weder in Trier noch im Kreisgebiet konkrete Anhaltspunkte dafür ergeben, dass "jemand gezielt und wiederholt Giftköder auslegt, um Haustieren zu schaden. Eine Panikmache ist zurzeit nicht gerechtfertigt".
Die Diagnose Vergiftung sei durch weitergehende toxikologische Untersuchungen bisher nicht aktenkundig geworden. Die Verdachtsfälle könnten nicht konkretisiert werden, da die Besitzer ihre Tiere zu spät zur Untersuchung brächten. Das Veterinäramt leitet nach Auskunft von Müller Untersuchungen in Speziallaboren nur dann ein, wenn sich die bei der Polizei angezeigten Verdachtsfälle in einem bestimmten Gebiet häuften. Dies sei momentan nicht der Fall.
Extra
Die Kriminalpolizei rät Hundebesitzern generell, ihre Tiere bei Spaziergängen anzuleinen und aufzupassen, dass sie keine herumliegenden Dinge fressen. Im Verdachtsfall soll sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Falls möglich, sollen Reste des Stoffs, den die Tiere aufgenommen haben, zum Tierarzt mitgenommen werden. anf

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