Die Verbandsgemeinde Ruwer wächst: Die Dörfer links der Ruwer profitieren von der Nähe und der guten Verkehrsanbindung nach Trier, auf der rechten Seite macht sich die gute Anbindung nach Luxemburg bemerkbar. Nur die Orte um Schöndorf schrumpfen.
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Waldrach. Langsam aber stetig: Die Verbandsgemeinde (VG) Ruwer wächst. Seit 2002 hat die Einwohnerzahl um 3,5 Prozent zugenommen. Rund 18 000 Menschen sind heute mit einem Erstwohnsitz in den Dörfern beim schönen Ruwertal gemeldet (Quelle: Statistisches Landesamt). Besonders die Gemeinden Pluwig und Osburg boomen, die großen Ruwertal-Ortschaften Mertesdorf und Waldrach stagnieren auf einem gesunden Niveau. Nur fernab der Verkehrswege in Richtung Hochwald gehen die Einwohnerzahlen zurück. "Die Dörfer, die schlechter mit Straßen und dem Öffentlichen Nahverkehr angebunden sind, sind für Neuansiedlungen weniger interessant", sagt VG-Bürgermeister Bernhard Busch. Die VG Ruwer führe ernsthafte Diskussionen, welche Strukturen sie auf Dauer halten könne. Eine Kernfrage für die Attraktivität eines Dorfes in der VG Ruwer sei stets die Entfernung und Anbindung zum Oberzentrum, nach Luxemburg und zu den Einkaufszentren, erklärt Busch.
Zukunft der Region
Zwei Dörfer sind die Lokomotiven des Wachstums an der Ruwer: Pluwig und Osburg. Beide Gemeinden haben sich in den vergangenen zehn Jahren um ein Fünftel vergrößert.
Osburg. "Osburg ist ein attraktiver Ort mit allen Infrastruktureinrichtungen. Wir haben eine Kita, eine Grundschule, ärztliche Versorgung, Gewerbestandorte, Einzelhandel und viel mehr", sagt Hubert Rommelfanger, frischgekürter Ortsbürgermeister der Hochwaldgemeinde. Seit die Osburger 1999 den ersten Teilabschnitt ihres Baugebiets Kirschbäumchen ausgewiesen haben, ist das Dorf von 1700 auf fast 2500 Menschen gewachsen, hat den Hauptort Waldrach als größte Gemeinde der VG abgelöst.
Gusterath. Doch ein so rasanter Wachstum kann auch nach hinten losgehen. In den 1970er Jahren wurde aus dem 300-Seelen-Dorf Gusterath eine Gemeinde mit 2000 Einwohnern. Als Schlafdorf wurde der Ort damals bezeichnet. "Lebensmittelpunkt der Neubürger war die Stadt Trier. Sie haben zwar in Gusterath gebaut, blieben aber an die Stadt gebunden", sagt der Gusterather Ortsbürgermeister Alfred Bläser. In seinem Dorf fehle deshalb der Zusammenhalt, wie es ihn in gewachsenen Orten gibt.
Noch immer ringt die Gemeinde mit den Fehlplanungen vergangener Zeiten. "Es gibt viele Menschen, die wohnen seit 20 Jahren hier. Sie kennen ihre direkte Nachbarschaft, aber mehr vom Dorf nicht", erzählt der Bürgermeister. Die Zugezogenen von damals gehören inzwischen zur älteren Generation, stehen alleine da, wenn auf einmal der Lebenspartner stirbt, sagt Bläser. Um sie wollen sich die Gusterather verstärkt kümmern. Engagierte Bürger gründeten die Initiative Lebendiges Gusterath, es gibt eine Zeitbörse für Nachbarschaftshilfe und Kaffeekränzchen, um die Menschen kennenzulernen, mit denen man 30 Jahre lang im selben Dorf wohnt. Dinge, die in einem gewachsenen Ort normal wären.
Pluwig. Die Fehler von Gusterath will man in Pluwig erst gar nicht machen. Auch die Gemeinde hinter den Trierer Höhenstadtteilen ist auf einem konstanten Wachstumskurs.
Um 21 Prozent vergrößerte sich das Dorf seit dem Jahr 2002, knapp 1500 Menschen wohnen mittlerweile im Ort. "Wir haben das ganz bewusst sukzessiv betrieben, damit die Leute integriert werden", sagt der Pluwiger Bürgermeister Wolfgang Annen. Dabei scheint das Dorf Bauwillige magisch anzuziehen. Annen weiß warum: "Veranstaltungen wie der Kultursommer oder die Karl-May-Festspiele haben uns in der ganzen Region bekanntgemacht." Neben der guten Infrastruktur in seiner Gemeinde sieht der Bürgermeister vor allem die gute Verkehrsanbindung ins Oberzentrum als Standortfaktor. Alle halbe Stunde fährt die Buslinie 30 von Trier nach Pluwig.
Im Dorf gibt es für Groß und Klein Angebote. Neben dem geplanten Pflegeheim mit integriertem Kindergarten (siehe Extra) gibt es einen Mehrgenerationenplatz mit Abenteuerspielplatz, Boule-Spielbahn und Bewegungsgeräten für Senioren.
110 neue Häuser seien in Pluwig in den letzten zehn Jahren gebaut worden, erzählt Annen. Und die Gemeinde tut alles, um attraktiv zu bleiben: "Wir garantieren allen, die hier wohnen, einen Krippenplatz für Kinder ab zwei Jahren", sagt Annen. 100 Kinder besuchen die Pluwiger Kindertagesstätte.
Holzerath. "Was uns Hoffnung gemacht hat, waren die sechs Kinder, die im letzten Jahr zur Welt gekommen sind", sagt Herbert Math. Math ist Bürgermeister der Gemeinde Holzerath, die seit 2002 um fast 14 Prozent geschrumpft ist. Vier Kilometer Landstraße trennen das Dorf von Pluwig. Baugrund im Holzerather Neubaugebiet "mit wunderschöner Südlage" (Math) kostet nur die Hälfte wie in Pluwig . "So ganz zu verstehen ist das nicht", sagt Math. Im Gemeinderat machen sich die Holzerather jetzt Gedanken darüber, wie sie dem Aussterben ihres Dorfes entgegenwirken können. "Das ist eine langfristige Aufgabe", sagt der Bürgermeister.
Auch Verbandsgemeindebürgermeister Busch kann sich die Einwohnerrückgänge bei den Dörfern um Schöndorf nicht wirklich erklären. "Das ist eine schwierige Kiste", sagt Busch, "und es gibt keinen Masterplan, der sagt, welche Schritte wir unternehmen müssen, wenn die Einwohnerzahl unter die Zahl X sinkt." Busch ist sich klar darüber, dass der demografische Wandel auch die Ruwer erreichen wird: "Der Knick wird irgendwann kommen, überall im Land." Deshalb wolle die VG keines der Dörfer schon jetzt schwächen, und stattdessen die Strukturen belassen.
Für die wachsende Zahl der Senioren will Busch niedrigschwellige Betreuungsangebote schaffen, Ehrenamtliche sollen sich um ältere Menschen kümmern, die alleine sind. Die Gemeinden könnten dafür die Räume zur Verfügung stellen. Busch will es den Menschen vor allem ermöglichen, in ihrem Ort bleiben zu können: "Damit unsere Dörfer nicht noch weiter auseinandergerissen werden."
Extra
Das Seniorenzentrum in Pluwig soll im Frühjahr 2013 eröffnet werden. Das Zentrum bietet 64 Einzelappartements für Pflegebedürftige und zusätzlich in 16 Appartements das Konzept des betreuten Wohnens. Das Besondere: Pluwiger Vereine, der Gemeinderat und sogar der Kindergarten sollen auch in dem Haus mitten im Dorfzentrum unterkommen. "Die alte Generation und die ganz junge Generation wird zusammengebracht", erzählt der Pluwiger Ortsbürgermeister Wolfgang Annen begeistert. Die Senioren würden so mit den Kindern und der Dorfgesellschaft in Kontakt bleiben, sagt Annen. sen
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