region/trierland

Mit dem "Inge-Mobil" in die Höhle des Löwen: Landtagskandidatin Sahler-Fesel zeigt auch bei brenzligen Terminen Flagge

(Schweich) Ingeborg Sahler-Fesel, SPD-Landtagsabgeordnete aus Schweich-Issel, kann Dinge auf den Punkt bringen. Das gilt für ihr Hobby, das Sportschießen, aber auch für politische Debatten. Die 60-Jährige bewirbt sich bei der Wahl am 13. März zum dritten Mal um ein Mandat im Mainzer Landtag. Dossier zum Thema: Landtagswahl 2016

24.02.2016
Albert Follmann
"Mehringer Schützenkönigin 2011/12 + 2015/16" steht auf dem Schild gleich neben der Eingangstür des schmucken Bungalows im Gewerbegebiet Schweich-Issel. Die zweifache Mehringer Schützenkönigin, die dort wohnt, heißt Ingeborg Sahler-Fesel, ist Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtags und SPD-Kandidatin im Wahlkreis 24 Trier/Schweich für die Landtagswahl am 13. März. Ins Schwarze treffen, das kann die 60-Jährige besonders gut. Sie war auch schon Kreismeisterin in der Disziplin "Luftgewehr aufliegend".

Landtagswahl 2016


Zeit fürs Training bei den St.-Sebastianus-Schützen in Mehring hat die Abgeordnete kaum, erst recht nicht jetzt, wo die heiße Wahlkampfphase läuft. Vorrang hat derzeit ihre Terminreihe mit Bürgern in Orten des Wahlkreises, die unter dem Motto "Die Abgeordnete im Gespräch" steht. Sie liebe politische Debatten und könne sich so richtig in ein Thema einlesen und reinknien, sagt die gebürtige Ehrangerin. Auch wenn’s ungemütlich zu werden droht, kneift sie nicht. Als kürzlich Gegner der geplanten Moselwindräder zum Infotreffen in Fell einluden, war Sahler-Fesel die einzige Politikerin, die sich in die "Höhle des Löwen" wagte.

Auch die mit Tausenden von Zahlen gespickten Haushalte von Land, Kreis und Kommunen bereiten Ingeborg Sahler-Fesel keine Probleme. Das merkt man ihr auch an, beispielsweise im Kreistag, wo sie als Vorsitzende der SPD-Fraktion häufig ans Rednerpult tritt. "Ich muss ja wissen, wovon Landrat Schartz spricht, selbst wenn es die neueste Verordnung ist", sagt Sahler-Fesel. Sie lobt die Sachkenntnis des Verwaltungschefs, der stellvertretender Landesvorsitzender der CDU ist und dem Schattenkabinett von Julia Klöckner angehört. Das ist typisch für Sahler-Fesel. Sie beurteilt in erster Linie Leistung, nicht Parteizugehörigkeit.

Sie selbst ist nicht zuletzt durch das alles dominierende Flüchtlingsthema zu einer Leistungsträgerin in ihrer Fraktion geworden. Als Sprecherin des Ausschusses für Integration, Familie, Jugend und Kinder ist sie die Flüchtlingsfachfrau der Regierung schlechthin. Kürzlich redete sie im Landtag bei sechs Tagesordnungspunkten fünf Mal - immer zur Asylpolitik. Bei Podiumsdiskussionen im ganzen Land ist sie eine gefragte Teilnehmerin. Zur Fachfrau wurde die Abgeordnete schon, bevor das Thema Flüchtlinge hochkochte - als SPD-Verantwortliche der Enquete-Kommission "Integration und Migration in Rheinland-Pfalz". Hier wurde die Lebenssituation der Migranten über zweieinhalb Jahre untersucht. Den Abschlussbericht legte Sahler-Fesel im Januar 2011 dem Parlament vor. "Dass das Thema mal so bedeutend werden würde, war damals nicht abzusehen", sagt die Abgeordnete.

Ein wenig stolz ist sie darauf, dass in Rheinland-Pfalz alle Flüchtlinge registriert sind - im Gegensatz zum Bund, wo die erkennungsdienstliche Erfassung nur schleppend voran kommt. "Wir wissen genau, wer bei uns im Land ist", sagt Sahler-Fesel.

Akten wälzen, Vorlagen lesen und Hintergrundgespräche führen - das muss die Sozialdemokratin insbesondere auch als Mitglied im Petitionsausschuss. Dieses Gremium setzt sich beispielsweise mit Fällen auseinander, die der Bürgerbeauftragte nicht im Sinne des Beschwerdeführers regeln kann. Oft sind das Bau- und Verkehrsangelegenheiten oder Probleme, die Bürger mit Behörden oder durch Gesetzesänderungen haben. Auch Beschwerden von Strafgefangenen geht der Petitionsausschuss nach. Hartnäckigkeit - auch das ist eine Eigenschaft von Ingeborg Sahler-Fesel. Vier Jahre hat sie für eine Fachoberschule in Schweich gekämpft - letztlich mit Erfolg. Das Familiäre (siehe Extra) spielt im Wahlkampf zwangsläufig eine untergeordnete Rolle. Dazu gehört auch die Diskussion, ob am Haus ein zweites Schild angebracht wird. Günter Fesel, ihr Mann, besteht auf Gleichbehandlung. Schließlich war er 2000/2001 Schützenkönig von Ehrang.
Extra
Ingeborg Sahler Fesel (60) startete ihre Parteikarriere 1985 als Kassiererin im SPD-Ortsverein Ehrang. In dem Trierer Stadtteil ist sie auch groß geworden, ihr Vater Franz besaß die Stuckateurfirma Sahler. Sahler-Fesel kandidiert zum dritten Mal im Wahlkreis Trier/Schweich. Ihm gehören die Verbandsgemeinden Trier-Land, Ruwer und Schweich an sowie die Trierer Stadtteile Pfalzel, Ehrang, Biewer und Ruwer. Aus erster Ehe hat die Abgeordnete zwei Töchter (29 und 31 Jahre). 2001 hat sie erneut geheiratet. Sie lebt mit ihrem Mann Günter Fesel in Schweich-Issel. Ihre Hobbys sind Sportschießen, Akkordeonspielen und das Haustier Kater "Carlo". alf