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Nach Streit um Funkmast - Herl sucht neuen Bürgermeister

(Herl) Mobilfunkanlagen lösen in der Region immer wieder Diskussionen aus. In Herl (Kreis Trier-Saarburg) trat sogar der Ortsbürgermeister zurück. Am 20. August ist die Neuwahl.

09.08.2017
Albert Follmann
Die Liste der Gemeinden, in denen sich Bürger gegen Funkmasten gewehrt haben, ist lang. Ob Mertesdorf, Konz, Saarburg oder Züsch im Hochwald: Überall gab es mehr oder weniger große Bedenken, aber auch Befürworter.

Auch die kleine Hochwaldgemeinde Herl (knapp 270 Einwohner) ist in zwei Lager gespalten. Ein Teil der Bürger ist für den Bau eines 54 Meter hohen Funkmastes, von dem man sich unter anderem Verbesserungen beim Handyempfang und beim Tetra-Funk, dem Netz der Rettungsdienste, verspricht. Der andere Teil der Bürgerschaft wehrt sich vehement gegen den Funkmast. Dieser gefährde durch den geplanten Standort in Dorfnähe mit seiner elektromagnetischen Strahlung die Gesundheit der Bewohner, so argumentieren die Projektgegner.

Außerdem beeinträchtige er das Naturdenkmal "Herler Wacken", einen Felsenzug.
Eine Bürgerinitiative (BI) hat 132 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt (der TV berichtete). Eine Plakataktion im Dorf, mit der die BI dem langjährigen Ortsbürgermeister Artur Jäckels und dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ruwer, Bernhard Busch, vorwarf, sie ignorierten den Bürgerwillen, hatte im Mai zum Rücktritt des Ortsbürgermeisters geführt. Jäckels war auch deshalb ins Visier der Gegner geraten, weil die Telekom sich den Standort des Funkmasts mittels eines Pachtvertrags mit einer Erbengemeinschaft gesichert hat, der auch der frühere Ortsbürgermeister angehört.

Nun wählen die Herler am Sonntag, 20. August, ein neues Gemeindeoberhaupt. Zur Wahl stehen zwei Kandidaten: Melanie Hartmann (45), eine Befürworterin des Funkmastes, und Thomas Jost (50), Gegner und Sprecher der Bürgerinitiative.
Melanie Hartmann stammt aus Thomm und lebt mit ihrem Mann seit zweieinhalb Jahren in Herl. "Ich fühle mich dort sehr wohl und bin super aufgenommen worden", sagt Hartmann. Kommunalpolitisch ist sie bisher noch nicht in Erscheinung getreten. In ihrer Freizeit steht das Sportschießen bei den St.-Sebastianus-Schützen in Fell hoch im Kurs. Die gelernte Industriekauffrau arbeitet als Chefarztsekretärin im Mutterhaus in Trier-Ehrang.
Die "persönlichen Beleidigungen" und die "Hexenjagd" gegen den früheren Ortsbürgermeister hätten sie dazu bewogen, bei der Ortsbürgermeister-Wahl zu kandidieren, sagt die parteilose 45-Jährige. Ihre Meinung: "Der Funkmast muss kommen, egal wohin. Der Handyempfang ist schlecht, ich muss aus dem Haus gehen, damit ich telefonieren kann."

Im Fall ihrer Wahl zur Ortsbürgermeisterin will sich Hartmann auch für eine Verkehrsberuhigung am Ortseingang aus Richtung Farschweiler und am Ortsausgang Richtung Lorscheid einsetzen: "Hier muss was passieren, da wird extrem gerast."
Der Funkmast habe zwar zuletzt stark im Vordergrund gestanden, er sei aber nur ein Thema von vielen im Ort, sagt Thomas Jost. "Ich will Ortsbürgermeister für alle Bürger sein und suche den Dialog mit jedem Bewohner, egal ob es positive oder negative Dinge im Dorf betrifft." Ihm gehe es um das Wohl der Bürger und die Weiterentwicklung des Ortes, sagt der parteilose Kandidat.

Jost ist 50 Jahre alt und von Beruf Schreiner. Der gebürtige Hedderter lebt seit zehn Jahren in Herl, dem Geburtsort seiner Frau. Die Josts haben eine 15-jährige Tochter und einen zweijährigen Sohn.