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Neue Herausforderung im Weinberg

Läuft die Zeit für den Weinanbau an der Ruwer ab? Wo einst an den Hängen der Riesling wuchs, lassen zahlreiche Brachen dies befürchten. Doch für Freizeitwinzer aus Leidenschaft ist manch unrentable Fläche ein dankbares Betätigungsfeld. Inzwischen sind acht "Berufsfremde" an der Ruwer bei der Arbeit.

24.01.2011
Von unserem Redakteur Friedhelm Knopp
Waldrach/Kasel. Unter dem Titel "Fünf Hobbywinzer retten alte Anbauflächen" berichtete der TV im Juni 2010 über ungewöhnliche Weinbauaktivitäten aus dem Ruwertal. Vorgestellt wurden vier Branchenneulinge und ein Rentner mit Weinbauerfahrung, die in Waldrach, Kasel und Mertesdorf von der Aufgabe bedrohte Anbauflächen übernommen hatten.
 

Resonanz auf ersten TV-Bericht im Juni 2010


 
"Die fünf sind alle noch dabei und haben im Herbst ihre ersten Trauben gelesen", freut sich der Waldracher Winzer Rainer Krämer, Ortsvorsitzender des Bauern-und Winzerverbandes. Inzwischen hat das Engagement der Hobbywinzer nicht nur an den Rebstöcken Früchte getragen: Durch den TV-Bericht aufmerksam geworden, meldeten sich drei weitere junge Interessenten aus weinbaufremden Berufen bei Krämer. Anja Brassel (Marketingassistentin), Achim Röder und Johannes Stoffels (wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität Trier) freuen sich darauf, künftig eine 1000 Quadratmeter umfassende Steillagenfläche oberhalb von Waldrach in der Lage "Waldracher Krone" bewirtschaften zu können.
 
"Die Eigentümerin des Grundstücks ist froh gewesen, dass dort weiter Weinbau betrieben werden kann", erklärt Rainer Krämer. Die Rieslingreben dort seien 1957 angepflanzt worden, insgesamt bringe die Fläche in guten Jahren einen Ertrag von 700 bis 800 Litern.
 
Unterstützt werden die Neulinge vom Bauern- und Winzerverband und von der Kaseler Winzergenossenschaft - der kleinsten in Deutschland.
 
"Wir stehen mit Rat und Tat zur Seite und übernehmen auch den Ausbau des Weins in unserer Kellerei", erklärt Genossenschaftsvorsitzender Gerd Biewer. Die Kaseler Genossenschaft sei froh über diese Entwicklung, denn "es ist unser Ziel, gerade kleine und Kleinstwinzer zu unterstützen".
 
Nach einigen theoretischen Stunden ging es für die drei Neulinge dieser Tage erstmals in den Weinberg hoch über den Dächern Waldrachs. Dort stand unter fachkundiger Leitung der Rebschnitt auf dem Programm. "Eine für diese Jahreszeit typische Arbeit der Winzer - mit ihr fängt im Prinzip das neue Vegetationsjahr an", erklären die Experten.
 
Ein gemütlicher Ort ist so ein Weinberg bei Temperaturen knapp über dem Nullpunkt, Wind und leichtem Schneegrieseln allerdings nicht. Keine angenehme Erfahrung zum praktischen Einstand, aber die Realität: Hinter dem Begriff "Weinbau" verbergen sich nicht nur grüne Hänge im Sonnenschein.
 
Weitere Ruwer-Winzer würden ihre Flächen gerne abgeben. Wer Interesse an den Herausforderungen des Hobby-Weinbaus hat, kann sich bei Rainer Krämer, Telefon 06500/910596, melden. Extra Engagierte Freizeitwinzer sind an der Ruwer mehr als willkommen, um einen Beitrag zum Erhalt der dortigen Weinbautradition zu leisten. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist der Anbau an der Ruwer auf dem Rückzug. Immer mehr Winzer gaben altersbedingt auf. Auch fehlte es am Interesse der Nachkommen, zumal die Flächen für den Haupterwerb oft zu klein und unrentabel waren. Hinzu kommt, dass die Ruwer-Topographie fast ausschließlich den Steilanbau erlaubt. Eine rationelle maschinelle Bewirtschaftung dieser Flächen ist oft nur eingeschränkt oder in vielen Fällen auch gar nicht möglich. Allein in Waldrach schrumpfte die Anbaufläche seit 1997 von 64,30 Hektar auf heute nur noch 32,86 Hektar.