region/trierland

Nur die Leitstelle funkt noch nicht digital - Rettungsdienste und Feuerwehr warten auf die Umstellung

- Abschluss noch in diesem Jahr

(Schweich/Bitburg/Saarburg) Polizisten funken digital, Rettungsdienste und die Trierer Leitstelle arbeiten analog, und die Feuerwehren nutzen beide Techniken. Das führt zu Komplikationen. Unter anderem mit Funklöchern, die beim kompletten Umstieg auf den Digitalfunk Geschichte wären.

11.02.2016
Christoph Strouvelle und Harald Jansen
Schweich/Bitburg/Saarburg. Laut Zentralstelle für Polizeitechnik in Mainz scheint alles bestens zu funktionieren: Sämtliche Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), dazu gehören Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste, nutzen den Digitalfunk. So heißt es.
Doch die Realität sieht anders aus, sagt beispielsweise Wehrleiter Marco Knöppel aus Morbach (Kreis Bernkastel-Wittlich). Nach seiner Kenntnis seien die Integrierten Leitstellen im Land, bei denen die Zusammenarbeit der Rettungsdienste koordiniert wird, noch gar nicht an das digitale Funknetz angebunden. Rettungsdienste nutzten den Digitalfunk nur beschränkt und die Feuerwehren nur für die interne Kommunikation. Deshalb müsse man in neue Feuerwehrfahrzeuge immer noch analoge Funkgeräte für den Kontakt mit der Leitstelle einbauen.

"Wir fahren zweigleisig"


Knöppel: "Man verspricht uns zwar seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, dass der Digitalfunk in Rheinland-Pfalz funktioniert. Aber bis heute müssen wir immer noch zweigleisig fahren."
Diese Zweigleisigkeit ist einerseits nervig. Andererseits bleiben damit Probleme weiter bestehen, die die Polizei dank Umstieg auf digitale Kommunikation nicht mehr hat: Gerade in den Tälern von Eifel, Hochwald und Hunsrück geht immer wieder die analoge Verbindung verloren. Erst, wenn die Einsatzfahrzeuge aus den Funklöchern raus sind, kann die Kommunikation weitergehen. Für den Einsatz notwendige Informationen kommen so möglicherweise später an oder gehen ganz verloren.
Trier-Saarburgs Kreisfeuerwehrinspekteur Christoph Winckler betätigt, dass die Einheiten zwar untereinander digital funken können. Auch zu den Einsatzzentralen der Verbandsgemeinden funktioniert die Verbindung. Doch das war es dann auch schon. Der Kontakt zur Leitstelle nach Trier funktioniert wie vor zehn Jahren.
Das Problem liegt nicht bei den Feuerwehren, sondern in der grundlegenden Planung, sagt Winckler resümierend. "Dort wurden die Anliegen der Feuerwehren nicht berücksichtigt. In diesen Gremien saßen keine oder nur wenige Feuerwehrleute."
Eine Herausforderung bei der digitalen Anbindung an die Leitstellenbereiche ist der sogenannte Status, sagt der neue Trier-Saarburger Kreisfeuerwehrinspekteur. Dazu Elisabeth Geurts, Leiterin Kommunikation und Verbandsentwicklung beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Mainz: "Diese Meldungen können bisher digital noch nicht versendet werden."
Mit diesen Statusmeldungen geben die einzelnen Fahrzeuge der Rettungsdienste anhand von Codezahlen durch, ob sie beispielsweise unterwegs sind zu einer Unfallstelle, einen Kranken transportieren oder aktuell frei sind.
"Wir bearbeiten täglich etwa 450 Einsätze mit etwa 4000 Statusmeldungen", sagt Rudolf Schönhofen, Abteilungsleiter Technik bei der Rettungsleitstelle in Trier. "Ohne die Statusdatenübertragung ist ein Management der mobilen Rettungsmittel über die Leitstelle undenkbar", bestätigt Geurts. Sobald diese Daten digital übertragen werden, könne das DRK seine Fahrzeuge auf Digitalfunk umrüsten, sagt sie.

Software wird aufgespielt


Und dies könnte schnell gehen. Laut Mainzer Innenministerium gibt es für die Statusabfragen eine technische Lösung. Im zweiten Quartal 2016 soll die Einsatzleit-Software bei den Integrierten Leitstellen aufgespielt werden. DRK-Mann Schönhofen kündigt an: "Wenn ein Testlauf funktioniert, stellen wir komplett um."
Extra
Digitalfunk bringt laut Markus Moog von der Zentralstelle für Polizeitechnik wesentliche Vorteile im Vergleich zum Analogfunk. BOS steht für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Besondere Leistungsmerkmale des Digitalfunks sind unter anderem ein gemeinsames Netz für alle BOS, die hohe Verfügbarkeit, die Abhörsicherheit, die verbesserte Übertragungsqualität, die Möglichkeit zur Datenübertragung sowie die Einzel- und Gruppenkommunikation. Digitalfunk sei nicht nur ein Sprechfunksystem, sondern ermöglicht auch zahlreiche Zusatzdienste der Datenübertragung wie den Notruf oder die GPS-basierte Ortung der Endgeräte. Diese Dienste werden derzeit in Land und Bund entwickelt und getestet. cst

 

Empfehlungen

Kommentare