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Old Surehand und seine Helfer: Karl-May-Festspiele bei Pluwig

(Pluwig) Karl-May-Festspiele: Ab Ende Juni liegt der Wilde Westen wieder bei Pluwig. Doch das ist alles andere als ein Selbstläufer.

10.06.2017
Harald Jansen
Die Zeit der Stille ist vorbei. Schon lange vor der Premiere des Stücks Old Surehand auf der Freilichtbühne bei Pluwig ist auf dem Gelände Leben in der Bude. Denn vor der Premiere am Freitag, 23. Juni, 20 Uhr, stehen zahlreiche Proben an. Das Bühnenbild muss ebenso vorbereitet werden wie die Tribüne mit 1149 Sitzplätzen. Es wird an Kulissen gewerkelt, Kostüme müssen in Schuss gebracht werden. Und so weiter und so weiter. Man sieht: Damit Surehand und Winnetou glänzen können, gibt es eine Menge Arbeit, die von rund 100 Aktiven geschultert wird.

Eher zufällig ist Daniela Ferring zum Team gestoßen: "Meine Tochter wollte mitmachen." Sie und ihr Mann seien mit nach Pluwig gefahren und haben sich dann entschlossen mitzuarbeiten. Ferring kümmert sich seit 2007 um die Kostüme. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt hinter der Bühne, auch wenn sie bereits kleinere Sprechrollen auf der Bühne hatte. Was alle zwei Jahre gespielt wird, kennt sie nicht allein durch die Aufführungen. Denn viele Karl-May-Bücher hat sie in ihrer Jugend gelesen.

Ihrem Mann gefolgt ist Roswitha Schabio. Der engagiert sich ebenfalls bei den Karl-May-Freunden Pluwig und ist deshalb oft an Wochenenden viele Stunden im Einsatz. Sie sorgt sich seit 2005 lieber um das leibliche Wohl der Crew. Kaffee kochen und Brötchen schmieren anstatt mit Pistolen schießen ist deshalb ihre Devise. Gibt es nicht doch eine Traumrolle? "Die Schauspielerei liegt mir nicht", sagt Schabio. "Das können andere besser." Eine Rolle kommt deshalb für sie nicht infrage.

Schon seit den Anfängen im Jahr 2000 ist Edwin Christen aktiv. "Neben meiner Hauptaufgabe als Organisator der Festspiele konnte ich in den vergangenen Jahren in vielen Nebenrollen mitwirken, mal als Westmann oder Indianer." Doch er möchte in naher Zukunft mehr im Hintergrund arbeiten. Als alter Karl-May-Fan kennt er "alle Stücke, die wir selbst aufgeführt haben, und noch etliche mehr."

Beruflich hat Margret Thonet mit Perücken zu tun. Was liegt da näher, als auch bei den Aufführungen für den richtigen Kopfschmuck zu sorgen. Einige Schauspieler hätten bei ihr Perücken gekauft und gefragt, ob sie jemand Geeigneten kenne. "Das war ich", sagt Thonet, die seit 2001 dabei und immer noch begeistert von der Atmosphäre ist. Ihre Aufgabe lasse ihr keine Zeit, selbst auf der Bühne zu spielen. Obwohl. Ribanna, Tochter des Häuptlings Tah-scha-tunga, wäre sie ganz gerne einmal gewesen.

"Die Bösen." Das seien die besten Rollen, sagt Christoph Haag. Er hat bereits als General Douglas oder Häuptling Tangua sein Unwesen getrieben. Sein Hauptjob sind jedoch die Pferde. Unter anderem bringt er ihnen bei, sich bei Schüssen nicht mehr zu erschrecken. Und Schüsse sowie Explosionen gibt es bei den Aufführungen zu Genüge. Als Kind und Jugendlicher hat er nicht unbedingt Karl-May-Bücher gelesen. Zur Vorbereitung auf die Stücke holt er das nach.

Tiere, Regie und Pferde. Das sind die Domänen von Conny Faißt. "Anfangs war ich als Schauspieler und Reiter mit dabei", sagt er. Unter anderem als Vater von Winnetou. Seit 2013 ist er auch Regisseur. Reiten und Indianer sind das Hobby des Tierarztes, der seit 2000 mit von der Partie ist und feststellt, dass dem Verein so langsam die männlichen Reiter ausgehen. "Da haben wir Nachholbedarf", sagt er.

Wenn alles wie geplant läuft, gibt es Grund zum Feiern. ´Bisher hat es 77 Aufführungen gegeben. Zwölf kommen in diesem Jahr zwischen dem 23. Juni und dem 16. Juli dazu. Der Verein rechnet damit, dass bei einer der letzten Veranstaltungen der 100 000. Besucher begrüßt werden kann. Noch ein paar Zahlen gefällig? Pro Vorstellung werden rund 600 Kilogramm Heu gebraucht, rund 800 bis 1000 Liter Getränke verkauft, dazu rund 700 Bratwürste, 200 Schwenkbraten und 120 Kilogramm Pommesfrites.

Inklusive des Eintrittsgelds kommt da schon ein nettes Sümmchen zusammen. Schwimmen die Pluwiger Karl-May-Freunde also im Geld? "Keineswegs", sagt Vereinsvorsitzender Christen. "Der Erlös einer Spielzeit wird seit der Vereinsgründung in die Freilichtbühne, die Unterhaltung der Bühne, weitere Ausbaumaßnahmen oder Kostüme und Requisiten investiert." Denn 2019 wird es neue Vorstellungen mit einem neuen Stück geben. Mit vielen Aktiven auf der Bühne und Helfern, die eher im Hintergrund arbeiten. Und ohne die Winnetou nicht reiten könnte.

Karten gibt es in der Provinzial-Geschäftsstelle Haag & Haag in Pluwig, in der Haarvitrine Thonet in Trier sowie im Internet unter der Adresse
karl-may-freunde.de/tickets/