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aus unserem Archiv vom 10. Juli 2012
Autor: Christa Weber Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier-Ruwer/Waldrach Drucken  E-Mail

Pfarrerwechsel sorgt bei Laien für Unruhe

Die Pfarreiengemeinschaft Waldrach ist 2010 aus zwölf Gemeinden entstanden, die nun zusammenwachsen müssen. Dem Bistum geht das offenbar nicht schnell genug. Deshalb müssen die drei Pfarrer jetzt Platz für eine neue priesterliche Leitung machen. Nicht nachvollziehbar - finden viele Ehrenamtliche.

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Trier-Ruwer/Waldrach. Ein bedeutender Wechsel steht der Pfarreiengemeinschaft (PG) Waldrach bevor. Alle drei Pfarrer, die den Bezirk seit September 2010 betreuen, verlassen die Region. Am 15. August verabschieden sich erst Rainer Justen und Thomas Corsten, im April 2013 geht auch Erwin Recktenwald.

Hintergrund: Der Wechsel ist ein Wunsch des Bistums Trier. Mit neuem Personal will man dort für die neu geschaffene Gemeinschaft aus zwölf Einzelpfarreien (siehe Extra) einen Neuanfang wagen.

Unmut bei Laien: Viele Ehrenamtliche in den Kirchengremien sind durch den bevorstehenden Umbruch verunsichert. Mitglieder der Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräte Ruwer, Mertesdorf, Kasel und Morscheid haben sich in einer gemeinsamen Erklärung ans Bistum gewandt. Veränderungen ließen sich nicht sofort "durch Umlegen eines Schalters" herbeiführen, heißt es darin. Die drei Seelsorger hätten "maßgeblich" zur Entwicklung der Pfarreiengemeinschaft beigetragen. "Nicht nachvollziehbar" sei auch eine missverständliche Mitteilung des Bistums, die im TV veröffentlicht wurde. Darin war davon die Rede, dass die Pfarrer "auf eigenen Wunsch" neue Aufgaben im Bistum übernähmen.

Erklärung des Bistums: Die "Initiative" sei vom Bischöflichen Generalvikariat ausgegangen, stellt Monsignore Stephan Wahl, Direktor für Kommunikation und Medien im Bistum, klar. Die Pfarrer hätten dem Wechsel "im Einvernehmen mit dem Bistum nach reiflicher Überlegung" zugestimmt. Allen Beteiligten sei für die Gemeinschaft ein "möglichst effektiver Prozess des Zusammenwachsens" wichtig. Dies sei für einen neuen Pfarrer leichter, "da es keine Bindungen an bisherige Zuständigkeiten" gebe, ergänzt Bistumssprecher Stephan Kronenburg. Zudem habe es in Gesprächen mit den Pfarrern "unterschiedliche Ideen zur pastoralen Entwicklung" gegeben, die "ein Kooperieren erschweren".

Reaktionen: Rainer Justen, seit neun Jahren Pfarrer im unteren Ruwertal, kann die Sorge der Laien nachempfinden. Er habe "jahrelang gut mit den Leuten zusammengearbeitet", die "Verunsicherung" sei nun groß. Zumal die Fusion der Pfarreien Trier-Ruwer, Kasel, Mertesdorf, Waldrach und Morscheid von 2007 "längst nicht aufgearbeitet" sei. Er selbst hätte es für "sinnvoll" gehalten, sagt Justen, "den begonnenen Weg weiterzugehen".

Angst vor neuen Strukturen: Die Bedenken des Pfarrers teilen auch die Laien in ihrer Erklärung. Sie fürchten eine "Zentralisierung" fernab von "den Bedürfnissen des Gemeindelebens". Sie befürworten die bisherige Leitung durch ein Priesterteam mit "klaren territorialen Zuständigkeiten". Ihre Argumente hätten aber beim Bistum lange "kein Gehör" gefunden - trotz der 2010 versprochenen Beteiligung der Laien. Darüber seien sie "enttäuscht". Erst jetzt habe das Bistum ein Gespräch angeboten.
Für Franz-Josef Kleinbauer, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Pluwig, ist der Weggang von Pfarrer Corsten "auch menschlich sehr schade". Die PG Waldrach sei "kein einfaches Gebilde", sagt Kleinbauer. Die zu Jahresanfang neu gewählten Pfarrgemeinderäte seien "erst dabei, zueinanderzufinden". Vorerst ohne Pfarrer wollten die Laien trotzdem weiter am Zusammenwachsen arbeiten.
Thomas Corsten nimmt den Wechsel gelassen: "Als Priester stehe ich in den Diensten des Bischofs und bin nicht ortsgebunden." Für die Ehrenamtlichen sei der Umbruch allerdings "dumm", denn in zwei Jahren habe er einen guten Draht zur Gemeinde geknüpft.

Ausblick: Bis April 2013 wird Pfarrer Erwin Recktenwald die PG alleine leiten - unterstützt von einem Kaplan und einem Priester. Dann geht auch er. Der Wechsel ist für ihn "normal. Das Bistum darf jederzeit Wünsche äußern". Zudem habe er auch gesundheitliche Gründe.
Mit 60 Jahren traue er sich die Leitung einer "so großen Einheit" nicht mehr zu. Das Bistum will sich nun laut Wahl um eine "zügige Neubesetzung" der Stellen kümmern.
Meinung
Laien nicht vor den Kopf stoßen

Das Zusammenwachsen einer neuen Pfarreiengemeinschaft mit zwölf Einzelgemeinden und knapp 16 000 Katholiken ist keine einfache Aufgabe. Erst recht nicht, wenn drei lokal verwurzelte und über Jahrzehnte gewachsene Gemeinschaften zusammenfinden sollen. Das gelingt nur mit dem entsprechenden Vertrauen der Gläubigen, das sich die drei bisherigen Pfarrer erarbeitet haben. Warum der Prozess jetzt mit neuem Personal schneller klappen soll als mit einem eingespielten Team, leuchtet absolut nicht ein. Verständlich, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter irritiert sind. Sicher, angesichts des Priestermangels sind größere Seelsorgeeinheiten mit weniger Pfarrern langfristig unausweichlich. Funktionieren werden diese Gebilde aber nur, wenn die vielen Laien, die sich im Gemeindeleben engagieren, dabei mit ins Boot geholt werden. Wenn nun also unter dem neuen Pfarrer die Seelsorge im Bezirk Waldrach stärker zentralisiert werden soll, sollte das Bistum dies frühzeitig kommunizieren - und die Laien nicht erneut mit einer Hauruckaktion vor den Kopf stoßen. c.weber@volksfreund.de
Extra
Die Pfarreiengemeinschaft (PG) Waldrach ist im Rahmen der Strukturreform des Bistums Trier 2010 aus den drei PG Osburg, Pluwig und Trier-Ruwer/Waldrach entstanden. In ihrem Gebiet leben laut Bistum aktuell 16 197 Katholiken in zwölf Pfarreien: Trier-Ruwer, Mertesdorf, Kasel, Morscheid/Riveris, Waldrach, Farschweiler, Osburg, Thomm, Lorscheid, Gutweiler, Pluwig und Schöndorf. Betreut wurden die Pfarreien bisher von einem dreiköpfigen Priesterteam mit dem Moderator Erwin Recktenwald (Raum Osburg), Rainer Justen (unteres Ruwertal) und Thomas Corsten (Raum Pluwig). Alle drei wechseln ihre Stelle innerhalb des Bistums: Justen wird ab Oktober die PG Adenau in der Eifel leiten, Corsten tritt eine Pfarrstelle in Dierdorf im Westerwald an. Pfarrer Recktenwald wird die PG Waldrach noch bis April 2013 betreuen, dann wechselt er zur PG St. Wendel ins Saarland. Verabschiedet werden Rainer Justen und Thomas Corsten in der Festabendmesse am 15. August in der Pfarrkirche St. Laurentius in Waldrach. cweb

 

 



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