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Priester sagt während der Messe „Sieg Heil“

(Fell/Trier.) Zu einem Eklat ist es in der Pfarrkirche Sankt Martin in Fell gekommen: Ein 80-jähriger Vertretungspriester sprach während seiner Predigt deutlich hörbar den verbotenen Nazi-Gruß „Sieg Heil“ aus. Das Bistum kündigt Konsequenzen an – doch bislang blieb der Vorfall für den Geistlichen ohne Folgen.

13.08.2013
Katja Bernardy
„Diese Messe war unmöglich“, sagt ein Katholik über einen Vorfall während der Sonntagsmesse am 4. August in der Pfarrkirche in Fell, zelebriert von einem Geistlichen aus Trier. Zum einen habe dieser als Aushilfspriester ausladend gepredigt. „Von uns wollte er wissen, wie alt er sei, und ist dann auf seinem Alter herumgeritten“, berichtet der Kirchgänger. „Die Krönung war, als er plötzlich ,Sieg Heil’ sagte“, berichtet der Gottesdienstbesucher. „Mehrere Leute, vor allem in den hinteren Kirchenbänken, sind nach und nach hinausgegangen“, sagt eine Augenzeugin.
 
Bistumssprecher André Uzulis bestätigt auf TV-Anfrage: „Es sind mehrere Beschwerden beim Bistum eingegangen.“ Nach bisherigen Erkenntnissen habe der emeritierte Professor für Kirchengeschichte die nationalsozialistische Grußformel „Sieg Heil“ (siehe Extra) in einem Vergleich verwendet und nicht als Ausruf.
Was sagt der Zelebrant selbst? „Das ist mir so herausgerutscht, ohne etwas dabei zu denken“, erklärt der Priester. „Ich war so begeistert bei dieser Messe, da ist mir diese Formulierung so blöd über die Lippen gekommen.“ Er betont: „Meine Eltern waren keine Nazis, im Gegenteil. Und ich entschuldige mich für diesen dummen Ausrutscher.“

Bistumssprecher André Uzulis sagt: „Der Vorfall ist unentschuldbar, das ist nicht Stil und Form einer Messe und wird nicht vom Bistum akzeptiert.“ Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass der Geistliche 80 Jahre alt und sein Gesundheitszustand schlecht sei. Er habe sich während der Messe in Fell kaum am Altar halten können, sagt der Bistumssprecher. Das berichten auch Besucher des Gottesdienstes.
Weiter kündigt Uzulis an: „Es wird terminnah ein Gespräch zwischen dem Zelebranten und Weihbischof Helmut Dieser und Priesterreferent Markus Nikolay geben.“

Für Ralph Hildesheim, Pfarrer und Pfarrverwalter der Pfarreiengemeinschaft Schweich, steht jetzt schon fest: „Den werden wir nie wieder fragen.“ Laut Hildesheim sind auch im Schweicher Pfarrhaus mehrere Beschwerden eingegangen. „Der Ruhestandsgeistliche stand auf der Liste, die wir abtelefonieren, wenn wir Ersatz brauchen, weiter hinten“, sagt der Pfarrverwalter. Er habe bereits vor 15 Jahren aushilfsweise Messen in Fell gehalten. Normalerweise spreche auch nichts dagegen, einen 80-jährigen Ruhestandsgeistlichen, der nicht suspendiert sei, als Aushilfe anzufragen.

Besonders während der Urlaubszeit sei die Luft sehr dünn, es werde immer schwerer Ersatz zu finden, sagt Hildesheim. Sofortige Konsequenzen hat das Bistum aus dem Vorfall offenbar keine gezogen. Am Montag hielt der Priester wie gewohnt eine Messe im Haus Franziskus in Trier.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt bisher nicht.
 
EXTRA: Paragraf 86.des Strafgesetzbuchs regelt, dass Kennzeichen verfassungsfeindlicher und verbotener Organisationen nicht in der Öffentlichkeit verwendet werden dürfen. Dazu gehören „Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen und Grußformen“ wie der „Sieg-Heil“-Ruf und das Hakenkreuz aus dem Nationalsozialismus. Der Strafrahmen reicht von einer Geldstrafe bis drei Jahren Freiheitsstrafe. kat
 
Meinung: Die Antwort muss Schweigen sein
Alter, Krankheit, Begeisterung. All das mag dazu beigetragen haben, dass ein Geistlicher mit großem wissenschaftlichem Renommee sich offensichtlich zu einer unmöglichen Wortentgleisung in einer Messe in Fell hat hinreißen lassen. Dieser Erklärungsversuch reicht jedoch nicht als Entschuldigung. Zumal sie erst ausgesprochen worden ist, nachdem es Proteste beim Bistum gegeben hat. Dem Mann ist offensichtlich nicht klar gewesen, was er sagt. Priester und Generalvikariat sollten rasch die Frage beantworten, ob sich ein Geistlicher, der wohl zumindest zeitweise nicht weiß, was er sagt, vor die Gemeinde stellen soll. Angesichts der hervorgehobenen Position eines Geistlichen und dessen Vorbildfunktion muss die Antwort lauten, dass der Mann – auch zu seinem eigenen Schutz – künftig schweigt. Denn sonst könnte es wieder geschehen, dass ihm vor lauter Begeisterung die Grußformel aus der Nazizeit herausrutscht.
h.jansen@volksfreund.de
 
 

 
 

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