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Quereinsteiger retten Reben: Fünf Freunde arbeiten in der Freizeit im Wingert

Zweite Generation von Hobbywinzern betreibt an der Ruwer auf alten Flächen Weinbau - Arbeit trägt Früchte, Quintett liest seine ersten Trauben

(Waldrach) Ein Artikel im Trierischen Volksfreund über Hobbywinzer an der Ruwer hat sie aufmerksam gemacht: Fünf Freizeitwinzer - es ist bereits die zweite Gruppe - engagieren sich abseits ihres Berufs für die Rettung alter Rebflächen. Jetzt durften die fünf Freunde zum ersten Mal ernten.

19.10.2011
Waldrach. Ein sonniger Herbstmorgen in den Weinbergen oberhalb von Waldrach: Fünf Hobbywinzer treffen an ihrem Wingert ein, um zum ersten Mal ihre eigenen Trauben zu lesen. Doch bevor es an die Arbeit geht, werden sie von Rainer Krämer vom Bauern- und Winzerverband begrüßt - nicht nur freundlich, sondern freundschaftlich. "Die erfahrenen Winzer sind wirklich alles supernette Leute, die uns Grünschnäbeln gegenüber immer absolut aufgeschlossen waren", sagt Anja Brassel. Sie und ihre Mitstreiter hätten sich regelrecht in eine Familie aufgenommen gefühlt. Ein Volksfreund-Artikel über Hobbywinzer, die alte Weinbauflächen vor dem Verfall bewahren, rief sie im Frühjahr auf den Plan.
Schon kurz darauf wurden sie im Berg tätig und haben sich um rund 500 Stöcke auf fast 1000 Quadratmetern Fläche gekümmert: die Reben geschnitten, gebunden, Laub- und Bodenarbeiten verrichtet. Auch der Profi Josef Scholtes ist mit dem Resultat rundum zufrieden: "Das ist alles sehr professionell geworden, die Trauben sind in einem sehr guten Zustand! Es gibt nicht viele Leute, die sich so intensiv bemühen und vor allem die richtigen Arbeiten zum richtigen Zeitpunkt machen", sagt der zweite Vorsitzende der Weinmanufaktur Kasel.
Das Lob bestärkt die fünf Laien in der Wahl ihres Hobbys: "Wenn man die ganze Woche im Büro sitzt, ist das hier einfach ein toller Ausgleich", sagt Achim Röder, der als Mitarbeiter der Universität in der geografischen Fernerkundung Weinberge normalerweise nur aus großer Höhe betrachtet. Mehr als ein Freizeitspaß soll der Weinbau also nicht sein, selbst wenn Josef Scholtes in Aussicht stellt, dass vom Ertrag der Fläche, der bis zu 800 Liter betragen könne, sicher der eine oder andere Euro hängenbleibe. Nach der Lese werden die Beeren in Kasel weiterverarbeitet, die Weinmanufaktur bezahlt dann nach deren Quantität und Qualität.
"Weinbau ist ein Hobby, bei dem man ein Produkt vom Ursprung bis zum Ergebnis begleitet", sagt Rainer Krämer. Er würde sich freuen, wenn sich weiterhin interessierte Amateure melden würden: Die alteingesessenen Winzer freuen sich über jeden, der hilft, den Rückgang des Weinbaus an der Ruwer zu bremsen. Anja Brassel ist etwa einmal pro Monat im Weinberg gewesen. "Schade, dass die Saison wieder vorüber ist - jetzt müssen wir wieder bis Februar warten." Doch vorher dürfen sich die Winzer über ihren eigenen Wein freuen. fgg
Wer sich auch einmal als Winzer probieren möchte, nimmt Kontakt mit Rainer Krämer auf unter Telefon 06500/910596.