region/trierland
06.04.2015
Christina Libeaux, Harald Jansen

"Verbot der Fuchsjagd ist ein falsches Signal"

(Trier-Saarburg/Bitburg-Prüm) Füchse in Luxemburg haben es künftig gut: Sie werden nicht mehr gejagt. Auf deutscher Seite finden viele Jäger diese Entscheidung der Luxemburger Regierung gar nicht gut. Sie fürchten starken Zuwachs im Nachbarland und eine Zuwanderungswelle über die Grenze hinweg.

Trier-Saarburg/Bitburg-Prüm. Der Fuchs hat in Luxemburg seit dem 1. April Schonfrist. Die Jagd auf das Tier wird für ein Jahr ausgesetzt (siehe Hintergrund). Die Entscheidung der luxemburgischen Regierung freut Tierschützer, Jäger äußern sich hingegen besorgt. Heinz Schulten ist Vorsitzender der Kreisgruppe Trier-Saarburg des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz. "Totaler Quatsch", ist sein spontaner erster Kommentar zum Jagdverbot. Auch Inge Kockelmann, Vorsitzende der Kreisgruppe Bitburg-Prüm, hält das Verbot für "ein falsches Signal und gegenüber dem Artenschutz bedenklich".
Ebenso wie beim luxemburgischen Jagdverband befürchten die deutschen Jäger, dass die Fuchspopulation ohne Jagd in die Höhe schießen wird. "Die werden das an ihrem Wildbestand merken", sagt Schulten.
"Der Fuchs greift stark in den Bestand der Bodenbrüter ein." Auch Kockelmann sieht in dem Verbot "eine Niederlage für die Artenvielfalt".

Nahrungsopportunist


Kleine Säugetiere und Vögel, die am Boden brüten, gehören zum Speiseplans des Rotfuchses. Dieser ist aber nicht wählerisch und ernährt sich in der Nähe von Dörfern und Städten auch von Essensabfällen.
Ein Hauptargument der Tierschützer ist, die Fuchspopulation wachse ohne Jagd nicht stark an, weil das Nahrungsangebot nicht größer werde. Dem widersprechen Jäger vehement. Als Nahrungsopportunist finde der Fuchs immer genug zu fressen.
Übereinstimmend weisen die Jagdverbände in Deutschland und Luxemburg darauf hin, dass der Fuchs auch Krankheiten wie Tollwut, Räude oder den Fuchsbandwurm verbreite. Zwar sei im Kreis Bitburg-Prüm seit Jahren keine Tollwut mehr aufgetreten, sagt Kockelmann. Das sei aber "auch ein Ergebnis der Fuchsbejagung". Ein Aussetzen der Jagd führe nicht nur zu mehr Füchsen, sondern erhöhe auch das Risiko, dass sich die Krankheiten auf Menschen und Haustiere übertrügen.
Die in Deutschland geltende Schonzeit (vom 1. März bis zum 31. Juli), während der die Füchse ihre Jungen aufziehen, hält Schulten für "absolut richtig". Er befürwortet außerdem, dass Füchse den Rest der Zeit nur geschossen würden, wenn beispielsweise ihr Fell verwertet werden könne. Simples Töten und Entsorgen hält er für falsch.
Einig sind sich die Vertreter auch, dass in Zukunft voraussichtlich vermehrt Tiere über die Grenze nach Deutschland kommen.
"Wildtiere machen vor Ländergrenzen nicht Halt", sagt Kockelmann. Konkrete Befürchtungen gibt es laut Kockelmann und Schulten in beiden Kreisen aber nicht.
Meinung
Gestörtes Gleichgewicht

Die Natur hält von sich aus ein Gleichgewicht. Der Mensch ist derjenige, der sich das Recht des Stärkeren herausnimmt und dieses Gleichgewicht zerstört. Wenn der Mensch den Lebensraum der Füchse zerstört, muss er damit leben, dass der Fuchs sich in Städte verirrt und dort plündert und jagt. Die Jagd ist nicht das probate Mittel, gegen den Fuchs vorzugehen. Stattdessen müssen dessen Lebensräume geschützt und die Anreize, in die Städte zu kommen, reduziert werden. c.libeaux@volksfreund.de Es ist illusorisch zu glauben, dass die Natur das schon regelt, wenn man die Fuchsjagd einfach einstellt. Es gibt schon lange kein natürliches Gleichgewicht mehr in der Natur. Die Folge eines generellen Jagdverbots wird sein, dass die Zahl dieser Tiere weiter zunimmt und die Füchse immer öfter ungebetene Gäste in Dörfern und Städten sein werden. Vor dem Hintergrund der gesundheitlichen Gefahren durch den Fuchsbandwurm ist das keine erstrebenswerte Vorstellung. h.jansen@volksfreund.de
Extra
Das luxemburgische Um welt ministerium gab im Januar bekannt, dass die Fuchsjagd im Großherzogtum zunächst für ein Jahr ausgesetzt werde. "Das Töten von Tieren ohne Grund sollte ausbleiben", schreibt das Ministerium auf seiner Webseite. So sei die Zahl der geschossenen Tiere in den vergangenen 15 Jahren um über 50 Prozent zurückgegangen. In einer Stellungnahme erklärt das Ministerium, Füchse würden weder wegen ihres Fleisches noch wegen ihres Fells getötet. Weiter argumentiert es, weder reduziere die Jagd die Fuchspopulation noch würde die Zahl ohne Jagd ansteigen. Der Rückgang von Bodenbrütern und kleinen Säugetieren sei auf den Verlust des Lebensraumes zurückzuführen, nicht auf den Fuchs. In einem Jahr werde man die Situation erneut bewerten. cli

 

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