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Von stolzen Gockeln und seltenen Hirschen

Vorsicht, Satire! Was das Jahr 2017 im Landkreis Trier-Saarburg so alles bringt - vielleicht

(Saarburg/Konz/Schweich/Hermeskeil) Die Chinesen begehen 2017 das Jahr des Feuerhahns. Es soll sich dabei um einen stolzen Gockel handeln. Diese Spezies ist auch bei uns heimisch, insbesondere in der politischen Landschaft. Die TV-Redaktion blickt aufs neue Jahr - und berichtet nicht nur, was die Feuerhähne so treiben.

02.01.2017
Albert Follmann
Saarburg/Konz/Schweich/Hermeskeil. Die Sektflaschen sind geköpft, die Neujahrsböller verraucht. Was wird die Menschen im Kreis Trier-Saarburg wohl im neuen Jahr erwarten? Einige Dinge haben wir bereits recherchiert - voilà:

Januar: Nach dem Dreikönigstag ist es auch schon wieder mit der Besinnlichkeit vorbei. Das Thema Kommunalreform erhitzt die Gemüter. Dutzende Bürger aus Hermeskeil versammeln sich vor der VG-Verwaltung, um gegen die geplante Umbenennung der VG Hermeskeil in "VG Hochwald" zu demonstrieren. Sie skandieren "Hermeskeil, das ist doch geil" und schwenken so bedrohlich ihre knorrigen Spazierstöcke, auch Hermeskeiler genannt, dass Bürgermeister Michael Hülpes lieber nicht aus dem Rathaus kommt, sondern vom Fenster seiner Amtsstube mit den Demonstranten spricht.

Februar: Die Narren haben das Zepter übernommen. Auch bei den Karnevalsumzügen spielt das Thema Kommunalreform eine Hauptrolle.
Die Nachbarorte Heidenburg (VG Thalfang) und Leiwen (VG Schweich) beschließen, dass sie nach mehr als 40-jähriger Trennung (beide gehörten früher zum Kreis Trier) künftig ihre Umzüge und alle anderen Dorffeiern gemeinsam begehen wollen. Damit sende man ein Signal an Bürgermeisterin Christiane Horsch, dass Büdlich, Breit und Heidenburg in die VG Schweich aufgenommen werden sollen, sagen die Organisatoren.
Inspiriert zur "Feier-Fusion" wurden Leiwen und Heidenburg übrigens von den Obermoselorten Oberbillig und Wasserbillig, die auch einmal zusammengehörten und kürzlich 200 Jahre Trennung feierten. "Was die können, können wir schon lange", sagt Leiwens Ortsbürgermeister Sascha Hermes dem TV.
März: Der weiße Hirsch verschwindet aus dem Konzer Tälchen. Wochen später melden sich drei Personen bei der Polizei, sie hätten das exotische Damwild auf den bewaldeten Moselhöhen bei Riol gesehen. Offenbar sei es dort heimisch geworden. Schnell verstricken sich die Augenzeugen in Widersprüche, es stellt sich heraus, dass sie Windkraftgegner sind und das Tier verschleppt haben. Man könne sich nicht nur auf Rotmilan und Schwarzstorch verlassen, gestehen die Entführer. Ein weißer Hirsch dagegen sei so selten, dass in dessen Lebensraum auf keinen Fall ein Windrad aufgestellt werden dürfe.

April: Das Boot der Igeler Feuerwehr sorgt immer noch für Schlagzeilen. Der Verbandsgemeinderat von Trier-Land beschließt, das Streitobjekt an die Ralinger Wehr zum Einsatz auf der Sauer abzugeben und stattdessen bei Ebay ein günstigeres Boot der Baureihe "Barracuda" zu ersteigern. Dieses kann nicht nur wahlweise mit Steuerstand oder Pinnensteuerung ausgestattet werden, sondern ist auch zum Fischen geeignet. Die Jahresfeier der Wehr, bei der es traditionell leckeren Moselfisch gibt, sei damit gerettet, zeigt sich Bürgermeister Wolfgang Reiland hochzufrieden.
Mai: Der Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden wird zum Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz und damit zum Nachfolger von Winfried Manns gewählt. Bekanntlich ist Frieden Manns auch schon 2008 als Bürgermeister von Stadt und VG Konz gefolgt. In die Fußstapfen von Manns zu treten sei ihm so in Fleisch und Blut übergegangen, sagt Frieden, dass er sich vorstellen könne, diesem später auch in den Ruhestand zu folgen.

Juni: Die New York Times zählt den Premiumwanderweg Römerpfad im Butzerbachtal zu den 52 Stellen auf der Welt, die man unbedingt gesehen haben muss. Die Ortsgemeinden Kordel und Newel sind aus dem Häuschen. "Das wird den Fremdenverkehr enorm beflügeln", meint Kordels Ortschef Medi Roth.
Damit der sich abzeichnende Touristenboom auch nachts bewältigt werden kann, erwägen die Gemeinderäte die Anschaffung von Grubenlampen für das römische Kupferbergwerk "Putzlöcher" und die Genovevahöhle.

Juli: Die Karl-May-Freunde haben mit "Old Surehand" einen riesigen Erfolg auf der Freilichtbühne.
Auch Philipp Stölzl und Wotan Wilke Möhring schauen sich das Indianerspektakel an. Der Regisseur und sein Hauptdarsteller weilen in Pluwig, um sich für die Fortsetzung ihrer Trilogie "Winnetou" inspirieren zu lassen. Vorsorglich hat sich Stölzl schon mal die Rechte an einigen Szenen gesichert und Akteure der Karl-May-Freunde samt ihren Pferden für den Dreiteiler "Old Surehand" unter Vertrag genommen. Drehorte sind Mazedonien und Pluwig, die Ausstrahlung im Fernsehen erfolgt voraussichtlich Weihnachten 2019.

August: Die in Wellen neu gegründete Tauchersportgruppe "Moseldivers" erfreut sich großen Zuspruchs. Er fühle sich wie einst die Goldgräber am Klondike, sagt ein Mitglied, das sein Faible für diese Sportart entdeckte, nachdem Taucher Diebesgut aus der Pfarrkirche und von anderen Einbrüchen vom Moselgrund hochgeholt hatten.
Den Finderlohn für Pokale, Kelche, Münzen und andere Schätze steckt der Verein in die Jugendarbeit.
September: Die Konzer Museumslok kommt als Leihgabe ins Dampflokmuseum nach Hermeskeil. Der Wunsch bestand schon länger, doch er konnte erst Realität werden, nachdem das Transportproblem gelöst war. Zu verdanken ist das der Wehrtechnischen Dienststelle der Bundeswehr auf dem Trierer Grüneberg. Ministerin von der Leyen hat das Zuständigkeitsgebiet der WTD 41 erweitert und lässt neuerdings Transporthubschrauber auf der Außenstelle Flugplatz Trier-Föhren testen. WTD-Sprecherin Mechthild Metzdorf: "Das ist der ultimative Test. Wenn die Dinger eine tonnenschwere Dampflok von Konz nach Hermeskeil tragen können, dann kriegen sie von uns selbstverständlich auch den Tüv-Stempel."

Oktober: Schweich ist nicht mehr nur Mittelzentrum der Herzen, sondern "richtiges" Mittelzentrum - so wie Saarburg, Konz und Hermeskeil. Innenminister Roger Lewentz, der eigens in die Moselstadt reist, um den Status in Form eines Umschlags zu überbringen, sagt: "Die Kriterien für ein Mittelzentrum waren für Schweich erst durch einen funktionierenden WLAN-Anschluss im Bürgerzentrum gegeben. Andernfalls hätten wir uns bundesweit zur Lachnummer gemacht."

November: Der Moselaufstieg ist wieder aus dem vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans herausgerutscht. "Hoppla", kommentiert Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt diesen Umstand. Ein Aufstieg sei ja grundätzlich besser als ein Abstieg, das kenne man ja aus dem Fußball. Aber bei einem solchen "Fahrstuhlprojekt" wie dem Moselaufstieg, das so oft die Seiten wechsele, könne man schon mal den Überblick verlieren.

Dezember: In den Verwaltungen wird fieberhaft an den Haushaltsentwürfen für 2018 gearbeitet. Auch im Kreishaus. Dort geht Landrat Günther Schartz ganz neue Wege, um seinen Leuten den Arbeitsstress zu nehmen. Über eine Beschallungsanlage, deren Anschaffung der Kreistag einstimmig genehmigt hat, lässt Schartz Liedgut in die Büros verströmen, das entspannend auf Körper und Geist wirken soll. Darunter ist Johanna von Koczians Erfolgshit "Das bisschen Haushalt …" und die Filmmusik von "Akte X".