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Wohnquartier wächst im Verborgenen

Verhüllte Großbaustelle in Leiwen - Eurostrand-Chef investiert auf früherem Reh-Gelände

(Leiwen) Der Besitzer des Feriendorf Eurostrand bei Leiwen, André ter Huurne, investiert in dem Moselort in ein Neubaugebiet für gehobene Ansprüche. Es entstehen 16 Einfamilienhäuser und vier Mehrfamilienhäuser.

08.07.2016
Albert Follmann
Leiwen. In Leiwen dürfte es sich inzwischen herumgesprochen haben, was da auf dem ehemaligen Grundstück der Weinkellerei Franz Reh so geheimnisvoll unter großen weißen Planen verborgen ist. Doch viele Auswärtige, die auf der Moseluferstraße an Leiwen vorbeifahren, werden sich angesichts der weißen Würfelriesen verwundert die Augen reiben. War da womöglich Verpackungskünstler Christo am Werk, der auch schon den Reichstag in Berlin so spektakulär verhüllt hat? Nein, Christo hat mit dem Versteckspiel an der Mosel nichts zu tun, die Idee stammt vom Chef des Leiwener Feriendorfs Eurostrand, André ter Huurne. Freilich musste auch dieser schmunzeln, als er kürzlich den handgeschriebenen Zusatz "Designed by Christo" auf einem Bauschild entdeckte.

Gehobenes Preissegment


Der 51-jährige Touristikmanager, der auch ein Faible fürs Bauen und die Architektur hat, errichtet ein Wohnquartier im gehobenen Ausstattungs- und Preissegment. Wo früher in großen Hallen Wein abgefüllt wurde, entstehen 16 Einfamilienhäuser und vier Mehrfamilienhäuser. André ter Huurne, der das 1,5 Hektar große Gelände gekauft und erschlossen hat, investiert dort mehr als zehn Millionen Euro. Ursprünglich wollte die Weinkellerei Reh Kendermann (Bingen) dort Bauplätze "in bester Lage und unverbaubarem Moselblick" schaffen (der TV berichtete am 30. April 2013), nahm dann aber Abstand davon. Einer der Geschäftsführer von Reh Kendermann ist Carl Reh junior, Neffe von Firmengründer Carl Reh (1898-1962).
Drei unterschiedliche Haustypen will ter Huurne zunächst als Musterhäuser bauen, die weiteren Objekte werden vom Bauträger vorfinanziert und nach Vertragsabschluss von den Käufern in Raten bezahlt.
"Wir haben die Siedlung aus einem Guss geplant, bis hin zu einer einheitlichen Terrassen- und Gartengestaltung", sagt der Niederländer. Die Verhüllung habe er sich ausgedacht, um Spannung aufzubauen. Am Donnerstag, 21. Juli, sollen die Außenhüllen von den Musterhäusern fallen; voraussichtlich am dritten Oktoberwochenende soll es einen Tag der offenen Tür für Kaufinteressenten geben. Mit seinem Team, bestehend aus Diplomingenieur Gerd Loch und dem Statiker Gerhard Paulsen, hat der Eurostrand-Chef ein Modul-Bausystem entwickelt, das optisch auf eine Kombination von per Hand aufgetragenem Putz mit viel Holz und Glas setzt (siehe Visualisierung).
Das Grundprinzip lautet zwar "alles aus einem Guss", dennoch ermöglicht das Holzbausystem den Bauherren variable Aufteilungen. Durch Aufschüttung und Terrassierung des 1,5 Hektar großen Geländes sei aus jedem Wohnzimmer der Blick in Richtung Mosel möglich, verspricht ter Huurne.
Die Grundstücksgrößen liegen zwischen 380 und 600 Quadratmetern, die Preise variieren je nach Ausstattung bei den Einfamilienhäusern zwischen 419 000 und 449 000 Euro (bezogen auf ein 400-Quadratmeter-Grundstück) und bei den Eigentumswohnungen zwischen 184 500 Euro und 439 500 Euro (Penthouse).
Leiwens Ortsbürgermeister Sascha Hermes und der Gemeinderat begrüßen das Projekt. Die Planung wurde im Gremium vorgestellt und abgesegnet. Die Grundstücke im Leiwener Neubaugebiet Lehnertsweg seien fast alle verkauft, sagt Hermes, die private Initiative auf dem früheren Reh-Gelände bedeute den nächsten Entwicklungsschritt der Gemeinde.
Der Ortsbürgermeister bestätigt, dass das Firmengelände frei von Altlasten ist. Das Gebiet sei auf Schadstoffe untersucht worden. An einer Stelle, wo ein Öltank gestanden habe, seien 100 Kubikmeter Erde abgefahren worden.
Meinung
Glücksfall für Leiwen

Für Leiwen ist das Engagement von André ter Huurne ein Glücksfall. Wer weiß, was sonst aus der Industriebrache am Ortsrand geworden wäre. Womöglich hätte es über Jahre auf der Keimzelle des Weinimperiums Reh keine vernünftige Nutzung gegeben. In gewisser Weise gibt der Niederländer mit seinem Wohnprojekt heute etwas zurück, was er vor 20 Jahren in Leiwen selbst erfahren hat: Respekt und Vertrauen. ter Huurne hat in den neunziger Jahren beim Bau des Eurostrands von Beginn an auf ein gutes Einvernehmen mit dem Gemeinderat und den Bürgern gesetzt. Später, als der Betrieb lief, achtete er darauf, dass auch die einheimische Bevölkerung davon profitiert. Noch heute liefern Leiwener Winzer Weine für den Eurostrand, auch Weinproben dürfen sie dort abhalten. Wer in Leiwen wohnt, hat Vergünstigungen beim Schwimmbad- und Saunabesuch. Der Niederländer ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, natürlich möchte er mit den Häusern Geld verdienen. Doch die Art und Weise, wie detailversessen der Mosel-Fan die Häuser plant und wie er darauf achtet, dass sie sich gut in die Umgebung einfügen, ist nicht selbstverständlich. a.follmann@volksfreund.de