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18.03.2015
Bernd Wientjes

Ein Fernzug wird kommen - nur wann?

(Trier) Kehrtwende bei der Bahn: Nachdem sie im vergangenen Jahr den letzten Fernzug von und nach Trier hat fahren lassen, will sie nun wieder die Region an das Intercity-Netz anbinden. Wann und wohin die Züge fahren, ist noch unklar. Dossier zum Thema: Topthemen

Trier. Die Bahn will alle Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern an das Intercity-Netz anschließen, 190 neue Direktverbindungen aus der Fläche in Großstädte soll es geben, darunter auch von Trier aus. Und zwar alle zwei Stunden.
Von den Metropolen wie Hamburg oder Köln aus soll es künftig bessere Anbindungen mit den schnellen ICE-Zügen geben. Die Bahn reagiert mit der Fernverkehrsoffensive auf die zunehmende Konkurrenz durch die Fernbusse. 50 Millionen zusätzliche Kunden pro Jahr will sie damit gewinnen.

Züge werden erst noch gebaut


Wie die konkrete Verbindung von und nach Trier aussehen soll, steht noch nicht fest. Und ab wann dort wieder IC-Züge fahren, ist auch noch unklar. Laut Bahn soll dies in spätestens 15 Jahren der Fall sein. Die neuen IC-Doppelstockwagen, die dafür eingesetzt werden sollen, gibt es jedenfalls noch nicht. Hersteller Bombardier, von dem auch die häufig von Ausfällen betroffenen Züge vom Typ Coradia Lint auf der Eifelstrecke stammen, hatte immer wieder technische Probleme, die IC fertigzustellen. Angeblich sollen die ersten Wagen Ende des Jahres auf die Schiene kommen. 120 dieser Züge hat die Bahn bei Bombardier bestellt. Bis diese endgültig geliefert sind, dauert es wohl bis mindestens 2030.
Trotzdem freuen sich einige Politiker über die neue Ankündigung der Bahn. "Das ist eine sehr gute Nachricht für die gesamte Region und Luxemburg", sagt die Trierer Bundestagsabgeordnete Katarina Barley (SPD). Sie geht davon aus, "dass Trier möglichst bald mit den neuen Verbindungen rechnen kann". Die rheinland-pfälzischen Grünen werten die Ankündigung der Bahn als einen "großen Erfolg unserer verkehrspolitischen Arbeit", wie die Landtagsabgeordnete Jutta Blatzheim-Roegler (Bernkastel-Kues) sagt. Sie warnt allerdings vor einer Diskussion über die Finanzierung des Fernverkehrs in der Region. Im vergangenen Jahr verlangte die Bahn vom Land sechs Millionen Euro, um die beiden verbliebenen IC-Verbindungen von Luxemburg über Trier Richtung Ruhrgebiet zu erhalten. Die Bahn selbst bezeichnete den Fernverkehr entlang der Moselstrecke damals als unwirtschaftlich. Daher ruft die jetzige Ankündigung im Mainzer Verkehrsministerium Kopfschütteln hervor, wie Ministeriumssprecher Joachim Winkler unserer Zeitung sagte. Detaillierte Informationen zu dem Fernverkehrskonzept der Bahn lägen dem Ministerium allerdings nicht vor.

Trierer Politiker wütend auf Bahn


Richtig sauer reagiert der Trie rer CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster. Er hatte bis zuletzt gehofft, dass Trier nicht vom Fernverkehr abgekoppelt werde. Auf Kasters Initiative ging auch eine tägliche ICE-Verbindung von Trier nach Berlin zurück. Als diese nach sechs Jahren 2011 gestrichen wurde, reagierte Kaster verärgert. Die neuerliche Ankündigung der Bahn bringt ihn nun vollends auf die Palme: "Leider habe ich kein hohes Zutrauen in die Ankündigung von Ulrich Homburg, der als zuständiger Vorstand für den Personenverkehr für mich keinerlei Glaubwürdigkeit mehr besitzt." Der Manager habe den Rückzug der Bahn aus der Fläche zu verantworten, "besonders auch die Abkopplung Triers und Luxemburgs vom Fernverkehr". Wenn Bahnchef Rüdiger Grube das Fernverkehrskonzept nicht zur Chefsache mache, ende die Ankündigung "als weitere Verhöhnung der Bahnreisenden".
Meinung
Dreiste Bahn

Das ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten: Die Deutsche Bahn stellt den Fernverkehr von und nach Trier ein, weil er angeblich unrentabel ist. Vier Monate später kündigt das Unternehmen an, dorthin wieder IC-Züge fahren zu lassen und verkauft das als neue Verbindung. Die Bahn hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur in der Region in der Fläche nach und nach vom Fernverkehr verabschiedet und damit ganze Landstriche abgekoppelt. Gleichzeitig haben Bund als Eigentümer und Bahn die Bundesländer wie etwa Rheinland-Pfalz erpresst: Wenn sie weiter Fernverkehr haben wollten, dann müssten sie dafür zahlen. Und das, obwohl im Grundgesetz verankert ist, dass Fernverkehr allein Aufgabe des Bundes ist. Nun wundert sich die Bahn, dass ihr Fernbusfirmen Kunden abjagen, und will gegensteuern. Eine gute, aber viel zu spät kommende Erkenntnis. Die Folge für Trier ist abzusehen. Irgendwann fahren dort wieder Fernzüge, weil sich die Kunden aber mangels entsprechendem Angebot längst anders orientiert haben, werden die IC wohl wieder nur heiße Luft transportieren, und die Bahn stellt die Verbindungen dann erneut wegen Unwirtschaftlichkeit ein. b.wientjes@volksfreund.de

 

 

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