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Gold, tonnenweise Gold

(Frankfurt) Die Bundesbank lagerte Reserven lange im Ausland. Jetzt füllen sich die heimischen Tresore.

13.02.2017
J. Bender und F. Marx
Frankfurt (dpa) "Holt unser Gold heim!" - die Bundesbank scheint den Ruf besorgter Bürger und kritischer Politiker erhört zu haben. Schneller als geplant füllen sich die Tresore der Notenbank in Frankfurt mit dem Milliardenschatz, der jahrzehntelang überwiegend in New York, aber auch in Paris und London aufbewahrt wurde.
Seit 2013 werden Jahr für Jahr Hunderte Barren auf streng geheimen Wegen über den Atlantik und den Rhein nach Deutschland gebracht. 216 Tonnen Gold waren es allein im vergangenen Jahr. Damit lagern nun 1619 Tonnen oder 47,9 Prozent des Edelmetalles in der Heimat. Nach öffentlichem Druck hatte die Bundesbank vor vier Jahren das Ziel ausgegeben, bis spätestens Ende 2020 mindestens die Hälfte der deutschen Goldreserven in eigenen Tresoren im Inland aufzubewahren. Doch die Verlagerung geht deutlich schneller als geplant. "Mehr als drei Jahre vor dem Termin wird sie in diesem Jahr umgesetzt", berichtet Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele.
Dass das Gold, das dem deutschen Staat gehört und von der Bundesbank verwaltet wird, lange im Ausland aufbewahrt wurde, hat historische Gründe: Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven auf, in den Wirtschaftswunderjahren nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der deutsche Goldschatz rasant. Denn der florierende Export brachte der Bundesrepublik viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht wurden. Während des Kalten Krieges war es durchaus gewollt, deutsches Gold möglichst weit außerhalb der Landesgrenzen zu verwahren — als möglichen Puffer für Währungskrisen. Doch kritische Fragen bis hin zu Verschwörungstheorien nagten am glänzenden Image. Ist der Goldschatz im Ausland sicher? Im Herbst 2012 monierte der Bundesrechnungshof, die Bundesbank habe die Goldreserven jenseits der Landesgrenzen noch nie "körperlich aufgenommen und auf Echtheit und Gewicht" geprüft.
Seither setzt die Bundesbank auf Transparenz: Auf 2400 Seiten listet die Notenbank öffentlich einsehbar jeden einzelnen Barren auf. Politiker hatten immer wieder viele Ideen, wie sich das Gold "versilbern" ließe — wahlweise zur Finanzierung von Renten, Hilfen für die Opfer der Elbeflut 2002 oder eines Systemwechsels im Gesundheitswesen. Doch alle Begehrlichkeiten blieben erfolglos. Etwa drei Tonnen Gold pro Jahr bekommt der Bundesfinanzminister zum Prägen von Sammlermünzen. Ansonsten wacht die Bundesbank mit Argusaugen über den Milliardenschatz.
Ein Teil des Schatzes bleibt aber weiter in New York und London. Die USA seien die größte Volkswirtschaft der Welt und London der größte Handelsplatz für Gold, erläutert Thiele. Sorgen um das Edelmetall seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump macht sich die Bundesbank nicht. Es gebe keine Notwendigkeit, das Konzept zu ändern, betont der Notenbank-Vorstand.