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Mit einem blauen Auge davongekommen

JTI will Feinschnittproduktion aus Trier verlagern, dafür aber die Forschungs- und Entwicklungsabteilung stärken

(Trier/Genf) Die Zigarettenbranche steckt in einer schwierigen Situation. Japan Tabacco International (JTI) reagiert darauf mit Umbauplänen: Werkschließungen in Nordirland und Belgien sind beschlossen, in Trier soll die Feinschnittproduktion verlagert werden. 1100 Stellen sind davon betroffen, 100 in Trier.

07.10.2014
Heribert Waschbüsch
Trier/Genf. Bei den großen Umstrukturierungsplänen von JTI, die der Konzern nun mit Betriebsräten und Gewerkschaften verhandeln wird, kommt der Standort Trier mit einem blauen Auge davon. "In Trier sind für 100 Mitarbeiter keine betriebsbedingten Kündigungen vorgesehen", sagt Unternehmenssprecherin Heike Maria Lau dem Volksfreund. "Es werden Maschinen abgebaut, keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen."
Die Verlagerung der Feinschnittproduktion in ein anderes, noch nicht genanntes JTI-Werk, soll zwischen 2016 und 2018 abgewickelt werden. Die dort beschäftigten Mitarbeiter sollen an anderen Stellen in Trier eingesetzt werden. Der JTI-Betriebsratsvorsitzende Gerd Willems sieht die Situation in Trier deshalb als machbar an. "Wir haben schon in der Vergangenheit Vorruhestandsprogramme und Altersteilzeitregelungen umgesetzt, das wird uns nun auch helfen." Doch Willems ist im Konzern auch Vorsitzender des Europäischen und Deutschen JTI-Betriebsrats. Und hier sieht er die Entwicklung mit sehr viel mehr Sorge. Denn gleichzeitig plant der Konzern seine Werke in Lisnafillan in Nordirland und in Wervik in Belgien zu schließen. Hier wären 1000 Mitarbeiter direkt betroffen. "Das wird hart für die Kollegen", meint Gerd Willems. Man werde zwar versuchen, Kollegen, die dort ihren Job verlieren, eine Beschäftigung in einem anderen JTI-Werk anzubieten. Doch im Normalfall käme dies nur für wenige Mitarbeiter infrage.
JTI hat beispielsweise noch Werke in der Schweiz, auf Teneriffa, in der Türkei oder in Petersburg und natürlich in Trier. Ansonsten werde man über einen Interessensausgleich oder Sozialplan verhandeln. "Das sind nun die ersten Auswirkungen der europäischen Tabakrichtlinie", findet der JTI-Betriebsratschef. Auch andere Tabakkonzerne hätten schon auf die Verschärfung mit Werkschließungen reagiert.
Die Tabakrichtlinie, die zunehmenden Auswirkungen von Zigarettenschmuggel und illegalem Handel, rückgehende Absätze, das sind auch die Gründe, die die JTI-Unternehmensführung nennt.
"Der Restrukturierungsplan ist notwendig, um die Wettbewerbsposition von JTI zu festigen und künftige Herausforderungen in einem schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld zu bewältigen", sagt Jürgen Radermacher, Geschäftsführer der JT International Germany GmbH. "Wir sind jedoch zuversichtlich, dass wir unseren betroffenen JTI-Mitarbeitern in Trier andere adäquate Arbeitsplätze anbieten können. Die geplante Zusammenführung von Forschungs- und Entwicklungsstellen an die Mosel wird zudem die Position des Standorts stärken."
Bis zu 60 Arbeitsplätze könnten so von Nordirland nach Trier verlagert werden. Der Standort Trier würde damit sogar noch aufgewertet. "Wir gelten im Konzern schon jetzt als Innovationsstandort schlechthin", sagt Willems. Es gelinge in Trier, Forschung und Entwicklung mit der Produktion bestens zu verzahnen. Auch sonst sieht er den Standort "gut organisiert". Die Hoffnung, dass das Werk Trier mit einem Exportanteil von 95 Prozent weiter seinen hohen Stellenwert im Konzern behält, ist bei ihm groß.
Extra
Im 1. Halbjahr 2014 wurden für 36,2 Milliarden Zigaretten Banderolen von der Industrie bezogen, das waren 1,1 Prozent weniger als im 1. Halbjahr 2013. Die Tabaksteuereinnahmen haben sich auf einem stabilen Niveau gehalten. Die Zigarette sorgte 2013 für Einnahmen in Höhe von 12,2 Milliarden Euro. Im 1. Halbjahr 2014 konnte der Staat über 5,8 Milliarden Euro an Tabaksteuer durch die Zigarette verbuchen (+2,1 Prozent). Die Branche geht davon aus, dass das Vorjahresniveau erreicht wird. Insgesamt wurden im letzten Jahr 14,1 Milliarden Euro für sämtliche Tabakprodukte erzielt.hw
Extra
Japan Tobacco International (JTI) ist ein Mitglied der Japan Tobacco Group of Companies und einer der führenden internationalen Tabakproduktehersteller. Das Unternehmen vertreibt Marken wie Camel, Winston und Mevius (Mild Seven). Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Genf in der Schweiz, beschäftigt weltweit ungefähr 27 000 Mitarbeiter und unterhält Geschäftsaktivitäten in mehr als 120 Ländern. Im Werk in Trier arbeiten rund 1800 Mitarbeiter. hw

 

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