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Trotz Abkommens mit Luxemburg: Warten auf schnelles Internet über Funk

Trotz Abkommens mit Luxemburg: Anbieter haben Ausbau in Grenznähe auf Eis gelegt - Land hat keinen Einfluss

(Trier) Eigentlich war alles klar: Deutschland und Luxemburg haben sich im Frühjahr über die Nutzung von Funkfrequenzen für schnelles Internet geeinigt. Trotzdem stockt der Ausbau des neuen Mobilfunkstandards in der Region.

08.08.2012
Bernd Wientjes
Trier. Long Term Evolution (LTE) - dieser neue Mobilfunkstandard ist die Hoffnung für viele Regionen, in denen kein schnelles Internet zur Verfügung steht und eine Verlegung von Breitbandkabeln nicht rentabel ist. Die großen Mobilfunkanbieter haben sich verpflichtet, zunächst ländliche Regionen mit LTE, das Internetverbindungen via Funk ermöglicht, zu versorgen. In 14 von 16 Bundesländern sind die weißen Flecken ohne schnelle Internetverbindung fast komplett verschwunden. Allerdings setzen die Mobilfunkanbieter derzeit vor allem in Großstädten auf den Ausbau mit schnellen LTE-Verbindungen. Laut rheinland-pfälzischem Innenministerium wurden in Rheinland-Pfalz bislang über 450 LTE-Standorte genehmigt. Doch in einigen Regionen, darunter noch immer entlang der Grenze zu Luxemburg, hapert es weiter mit dem Ausbau. So weist etwa der Funkversorgungsatlas der Telekom vor allem in der Eifel und auf dem Saargau entlang der luxemburgischen Grenze Lücken beim LTE-Ausbau auf.

Abkommen unterzeichnet


Bis April stand dem Ausbau eine fehlende Vereinbarung mit Luxemburg im Weg. Da das Nachbarland auf der Frequenz, die in Deutschland für LTE genutzt wird, digitales Fernsehen über Antenne ausstrahlt, durften 30 Kilometer bis zur Grenze keine LTE-Funkmasten aufgebaut werden. Auf Initiative des Trierer CDU-Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster unterzeichneten Deutschland und Luxemburg ein Abkommen, mit dem der LTE-Ausbau und die Frequenznutzung geregelt wurden. Doch seitdem scheint sich in Sachen moderner Mobilfunkstandard in der Region nicht viel getan zu haben. Das geht aus einer Nachricht des Mobilfunkanbieters Vodafone ans Innenministerium hervor, das unserer Zeitung vorliegt. Darin bestätigt das Unternehmen, dass aufgrund der zunächst fehlenden Einigung zwischen Luxemburg und Deutschland "viele Vorhaben im grenznahen Bereich erst einmal auf Eis gelegt und andere Regionen beim LTE-Ausbau berücksichtigt" worden seien.
Offenbar hat auch das Land keinen Einfluss auf den schnellen Ausbau. Die Netzbetreiber könnten "ihre eigene Strategie umsetzen und nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten LTE ausbauen", sagte ein Sprecher des Innenministeriums dem Volksfreund. Das Land hat seit Jahren einen Rahmenvertrag mit Vodafone. Alle Landesbehörden telefonieren über das Netz des Mobilfunkanbieters. Wichtigster Nutzer laut Vodafone ist die rheinland-pfälzische Forstbehörde. Zu deren Sicherheitskonzept gehöre eine optimale Mobilfunkversorgung auch im Wald. Vodafone hat sich dazu verpflichtet, überall dort, wo schlechter bis gar kein Handyempfang möglich ist, den Ausbau voranzutreiben. So auch in Kirf (Trier-Saarburg).

Pläne liegen auf Eis


Dort hat Vodafone einen Mobilfunkmast errichtet, damit vor allem die Forstbetriebe auf dem Saargau einen besseren Handyempfang haben. Mit dem Funkmast sollte auch LTE rund um Kirf möglich werden. Doch davon hat Vodafone zunächst einmal abgesehen. Wann der Mast mit LTE-Technik ausgerüstet werde, "lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen", heißt es im Schreiben des Mobilfunkanbieters an das Innenministerium. Die Saarburger Grünen-Landtagsabgeordnete Stephanie Nabinger macht die Bundesregierung für den zögerlichen LTE-Ausbau mitverantwortlich. Sie habe viel versprochen, aber "alles gebrochen".
Wann und wie schnell ausgebaut werde, hänge in erster Linie "von den Interessen und Bemühungen" der Anbieter ab, sagt CDU-Politiker Kaster. Allerdings könne es trotz des Abkommens mit Luxemburg zu Frequenzstörungen in grenznahen Orten kommen, dort sehe es dann mit LTE schlecht aus, so Kaster.
Extra
LTE steht für Long Term Evolution und ist ein neuer Mobilfunkstandard, über den auch schnelles Internet möglich ist. Die dafür benutzten Frequenzen wurden bislang unter anderem von der Bundeswehr und für die Ausstrahlung von analogem Rundfunk benutzt. Durch die Umstellung auf Digitalfunk und digitalen Rundfunk wurden die Frequenzen frei. Diese sogenannte digitale Dividende wurde an drei Netzbetreiber (T-Mobile, Vodafone und O2) versteigert. Sie mussten sich verpflichten, zunächst bis zu einem gewissen Grad die ländlichen Regionen auszubauen. Da die für LTE genutzte Frequenz unter anderem in Luxemburg für die Ausstrahlung von digitalem Fernsehen über Antenne genutzt wird, durfte zunächst bis 30 Kilometer zur Grenze kein LTE-Mast aufgebaut werden. Laut rheinland-pfälzischem Innenministerium kann der LTE-Ausbau in einer Kommune gefördert werden. Infos dazu: www.breitband.rlp.de. wie

 

 

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