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25.11.2015
Sabine Schwadorf

Wenn die Rente zum Leben nicht mehr reicht

(Trier) Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit und überzogener Konsum: Die Ursachen von Überschuldung haben sich über die Jahre hinweg nicht geändert. In der Region Trier gibt es zwar einzelne Gebiete, die auffällig überschuldet dastehen, insgesamt ist die Zahl der Schuldner jedoch rückläufig und niedriger als im Bundesgebiet.

Trier. Zwischen Eifel und Mosel, Hunsrück und Saar ist etwa jeder 13. Bewohner überschuldet. Ein Wert, der sich aus dem jüngsten Schuldenatlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ergibt. Und ein Wert, der im bundesweiten Vergleich recht niedrig liegt. Denn deutschlandweit hat jeder zehnte Bundesbürger mehr Fixkosten aus Miete, Immobilienraten und Konsumkrediten, als er mit seinem laufenden Einkommen monatlich begleichen kann. "Die Schuldnerquote in der Region liegt derzeit bei 7,17 Prozent, leicht weniger als 2014", sagt Herbert Eberhard, Geschäftsführer von Creditreform Trier und Luxemburg. Dies habe sich über die Jahre sogar verbessert und liege weit niedriger als die Bundesquote (einzelne Quoten der Kreise siehe Extra).
Spitzenreiter der Überschuldung sind laut der Auskunftei die Orte Hallschlag (Eifelkreis Bitburg-Prüm), gefolgt von Trier-West-Euren-Zewen und Hermeskeil (Kreis Trier-Saarburg). Die am geringsten verschuldeten Bürger leben in Maring-Noviand (Kreis Bernkastel-Wittlich), Lützkampen (Eifelkreis Bitburg-Prüm) und Mertesdorf (Kreis Trier-Saarburg). "Ausreißer nach oben wie unten bedingen sich durch das Verhältnis zur Einwohnerzahl. In der Regel sind dies statistische Effekte, die keine sachliche Begründung zulassen, warum es in dem einen Ort besser und in dem anderen schlechter ausschaut", erläutert Eberhard.
Ein Trend ist jedoch auffällig - sowohl in der bundesweiten Auswertung als auch aus den Erfahrungen der Schuldnerberatungen der Region heraus: "Während die Überschuldung regionweit abgenommen hat, hat die Altersüberschuldung dramatisch zugenommen", sagt der Creditreform-Chef (siehe Grafik links unten). "Seit zwei Jahren haben wir mehr über 60-Jährige in unserer Beratung, wobei die Wartezeit für eine Beratung mit bis zu drei Monaten gleichgeblieben ist", sagt Eva-Maria Schmitt von der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werkes in Trier.

Einkommenslücke nimmt zu


Und: Sie habe mehr Bescheinigungen zur Erhöhung des Pfändungsfreibetrages von rund 1073 Euro für Alleinstehende auf sogenannten Pfändungsschutzkonten (P-Konten) ausstellen müssen. Diese P-Konten dienen zwar dem normalen Zahlungsverkehr, sind aber bis zu einem bestimmten Guthaben vor Zugriff geschützt. Laut Schmitt zeige sich so, dass mehr Ältere von ihrem monatlichen Einkommen in der Rente nicht leben können. "Krankheitsbedingt können viele keinen Nebenjob mehr im Alter annehmen und geraten so in die Grundsicherung oder müssen ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken", sagt sie.
Dass die Lücke zwischen ehemaligem Einkommen und der jetzigen Rente bei vielen immer größer wird, kann auch Anne Bereths-Weber von der Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas in Trier bestätigen. "Während die Überschuldung bei jungen Leuten nach wie vor ein Thema ist, ist dies jedoch oft zeitlich begrenzt", sagt sie. Ältere Schuldner, oftmals über 80 oder 90 Jahre, hätten dagegen kaum eine Chance, aus der Altersarmut zu kommen.
Beide Schuldnerberatungen sprechen in diesem Zusammenhang von großem Entgegenkommen der Gläubigerbanken, da eine Privatinsolvenz über sechs Jahre bei dieser Altersgruppe oft nicht mehr sinnvoll ist. Immerhin machen die Beratungen der über 60- Jährigen derzeit über 15 Prozent aus, im vergangenen Jahr lag ihr Anteil sogar bei über 20 Prozent.
"Die Altersarmut wird sich zuspitzen und zum Megatrend werden", ist Creditreform-Chef Eberhard überzeugt. Immerhin hat die Überschuldung bei den über 70-Jährigen seit zwei Jahren um gut 35 Prozent zugenommen. Angesichts von einem sinkenden Rentenniveau, das derzeit bei rund 50 Prozent des Bruttoeinkommens liegt, werde sich die Lage zuspitzen. "Wir haben die Spitze des Eisbergs noch nicht erreicht", sagt auch Bereths-Weber und verweist auf 458 Beratungen im Jahr, 210 davon längerfristige Betreuungsfälle. Sie ist überzeugt davon, dass es noch weitaus mehr überschuldete Senioren vor allem auf dem Land gibt, die gezielt versuchen, über den Verzicht beim Essen, bei Bekleidung und anderem Konsum Schulden abzubauen und eine Überschuldung zu vermeiden.
Extra
Folgende Verschuldungsquoten zeigen Bund, Land, die Stadt Trier sowie die fünf Landkreise der Region auf (in Klammern Vorjahreszahlen): Deutschland 9,92 % (9,9 %) Rheinland-Pfalz 9,89 % (10,0 %) Stadt Trier 10,11 % (10,12 %) Trier-Saarburg 6,51 (6,73 %) Eifelkreis Bitburg-Prüm 7,13 % (7,7 %) Bernkastel-Wittlich 7,95 % (8,15 %) Vulkaneifelkreis 8,07 % (8,35 %) Quelle: Creditreform Trier