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aus unserem Archiv vom 22. August 2012
Autor: Bernd Wientjes Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken  E-Mail

Debatte um E 10: Bauern produzieren für Teller und Tank

Teller statt Tank: Führt der Biosprit E 10 zu mehr Hunger in der Welt? Nein, sagen Bauern-Präsident Leo Blum und die rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken. Die Ministerin fordert trotzdem einen Stopp von E 10.

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Trier. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel dürfte den meisten Autofahrern aus der Seele sprechen: Der seit über einem Jahr angebotene Biosprit E 10 soll, wenn es nach ihm ginge, aus den Zapfsäulen verschwinden.
Während die meisten Autofahrer den mit Bioethanol versetzten Kraftstoff vor allem aus Angst um den Motor ihres Autos meiden, sieht der FDP-Politiker in dem Biosprit die Schuld an weltweit steigenden Nahrungsmittelpreisen und zunehmender Hungersnot. Für die Bioethanol-Produktion wird unter anderem Getreide verwendet. Und wegen der Dürre der USA ist Getreide derzeit knapp, das treibt die Preise auf dem Weltmarkt nach oben. Leidtragende sind unterentwickelte Länder, die auf den Export von Getreide und Futtermittel angewiesen sind.

Klimawandel und Energiepolitik


Niebels Vorschlag, E 10 zu verbannen, stößt bei den Landwirten auf Kopfschütteln. Zwar seien "die deutschen Landwirte zuerst einmal Nahrungsmittelerzeuger", sagt der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Leo Blum. "Dennoch dürfen wir unsere Augen nicht vor dem Klimawandel und der damit einhergehenden Energiepolitik verschließen. Ein Aussetzen des Biosprits E 10 in Deutschland wird nicht zu einem weltweiten Preisverfall landwirtschaftlicher Produkte führen", mahnt Blum zu einer sachlichen Diskussion.

Preise für Getreide gestiegen



Bei der von Entwicklungsminister Niebel aufgeworfenen Frage Tank oder Teller gelte für die Bundesregierung: "Der Anbau von Nahrungsmitteln muss immer Vorrang haben vor dem Anbau von Energiepflanzen", sagt der Cochemer CDU-Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Peter Bleser. Die Produktion von Lebensmitteln müsse daher gesteigert werden und zwar vor Ort, dort, wo Hunger herrsche. Den Grund für die gestiegenen Preise, etwa bei Getreide, sieht Bleser in den dürrebedingten Ernteausfällen in den USA und in der Schwarzmeerregion. Ein weiterer Grund sei das geänderte Ernährungsverhalten, unter anderem in den Schwellenländern. "Dies wiederum führt zu einem höheren Futtergetreideverbrauch und einem steigenden Verbrauch an Lebensmitteln."
Biokraftstoffe beeinflussten die Agrarpreise in äußerst geringem Umfang, macht Bleser deutlich, der damit Niebel widerspricht.
Zustimmung bekommt der Entwicklungsminister hingegen von der rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken. Der Einsatz von Pflanzenenergie für PKW sei ein Irrweg, sagt die Grünen-Politikerin. Allerdings werde der Stopp der Bioethanol-Beimischung in den Sprit nicht den Welthunger verringern. Vielmehr sorge der hohe Fleischkonsum sowie die Massentierhaltung für gigantische Futtermittelimporte aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Dort verhinderten sie den notwendigen Anbau von Nahrungsmitteln. "Das wäre die eigentliche Stellschraube gegen Hunger, an der die Bundesregierung drehen müsste", sagt Höfken. Sie fordert die Regierung auf, gegen den hohen Fleischkonsum sowie die Massentierhaltung vorzugehen. Höfken spricht sich zudem für einen höheren Anteil von Pflanzenölen als Treib- und Schmierstoff etwa in der Landwirtschaft aus.
Extra
Auf 2,3 Millionen Hektar werden in Deutschland Energiepflanzen für die Gewinnung erneuerbarer Energien angebaut. Davon Raps für Biodiesel auf 910 000 Hektar, Pflanzen für Biogas auf 800 000 Hektar und Zucker und Stärke für Bioethanol auf 250 000 Hektar. Die gesamte Fläche, auf der Ackerbau in Deutschland betrieben wird, beträgt 11,7 Millionen Hektar. In Rheinland-Pfalz wird auf fast 29 800 Hektar Mais angebaut, der überwiegend für die Biogasproduktion verwendet wird. Mehr als die Hälfte davon, 15 500 Hektar, wird in der Region angebaut. Die Maisanbaufläche im Land hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Raps und Rüben, die zum Teil in die Produktion von Bioethanol gehen, werden in der Region auf 6500 Hektar angebaut. Insgesamt beträgt die landwirtschaftliche genutzte Fläche in der Region rund 179 000 Hektar. wie

 




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