Made in Germany, einst ein Kampfbegriff der Briten gegen deutsche, angeblich minderwertige Nachahmerprodukte, wurde zum Eigentor. Die Kennzeichnung hat sich zum Gütesiegel für Top-Qualität und zum erfolgreichen Marketing- und Exportinstrument entwickelt.
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Der Mythos hilft vor allem dem Mittelstand. Er täuscht jedoch darüber hinweg, dass im Zeitalter der Globalisierung made in Germany häufig nur Etikettenschwindel ist, Vor- und Zwischenprodukte kommen aus aller Welt. Die Absatzerfolge wären nicht möglich, wenn nicht auch auf Auslandsmärkten produziert und kostenoptimierte Liefer- und Produktionsketten gebildet würden. Nach Gerichtsurteilen müssen nur die den Wert prägenden Leistungen aus Deutschland kommen. In der Automobilindustrie sind das zuweilen nur 30 bis 40 Prozent. Audi entwickelt und produziert in Ungarn über eine Million Motoren und mehrere Fahrzeugtypen, die Mercedes GL-Klasse stammt wie M- und R-Klasse aus Alabama, der Smart aus Frankreich. Die deutschen Weltunternehmen setzen deshalb zunehmend auf ihren Markennamen, der für Qualität steht, egal wo sie produzieren. Bosch wirbt für seine Sicherheitstechnik mit Quality made by Bosch. Patriotische Standorttreue hält Arbeitsplätze in Deutschland, aber die Verbraucher honorieren sie nur, wenn gute Qualität günstig angeboten wird. Deshalb ist der in der Volksrepublik China produzierende, wegen seiner Arbeitsbedingungen heftig kritisierte taiwanesische Konzern Foxconn heute der weltgrößte Auftragsfertiger von Elektronik- und Computerteilen - für Apple, Dell, HP und Nokia. Vertrauen auf made in Germany ist gut, seriöse Tests zu lesen ist besser.
Der Autor ist ehemaliger Chefredakteur des Handelsblatts und Buchautor.
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