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aus unserem Archiv vom 03. Mai 2012
Autor: unserem Korrespondenten Hagen Strauß Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Berlin Drucken  E-Mail

Deutsche Dispo-Zinsen sorgen für Unmut

Wer in Deutschland sein Konto überzieht, wird von den Banken und Sparkassen ordentlich zur Kasse gebeten. Hierzulande zahlen die Kunden für den Kontokredit etwa so viel wie die Menschen in Griechenland. Die SPD spricht bereits von einem Skandal.

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Berlin. Im europäischen Vergleich müssen die Bundesbürger einen Dispo-Zinssatz berappen, wie er auch in Griechenland mit seinem kräftig kriselnden Bankensektor fällig wird. Das belegt eine Analyse des Bundesfinanzministeriums, die unserer Zeitung vorliegt.

EZB lässt Zinssatz unverändert


Die hohen Dispo-Zinsen im deutlich zweistelligen Bereich sind seit Jahren ein Ärgernis. Vor allem deshalb, weil sich die Banken nach wie vor wegen der Finanz- und Schuldenkrise Geld zu einem historisch niedrigen Zinssatz von 1,0 Prozent bei der Europäischen Zentralbank leihen können. Bei der EZB-Ratssitzung gestern in Barcelona wurde der Satz nicht verändert.
Im Vergleich kassieren die deutschen Geldinstitute allerdings kaum weniger beim Dispo ab als die angeschlagenen Banken im Euro-Krisenstaat Griechenland, wo sie mit erheblichen Refinanzierungsproblemen zu kämpfen haben: Laut der Aufstellung des Finanzministeriums wurde hierzulande im Februar dieses Jahres von Privat-Kunden in Deutschland ein durchschnittlicher Dispo-Zins von 10,24 Prozent verlangt - im notleidenden Griechenland waren es 10,96 Prozent. In Irland und in Portugal lag der Zinssatz mit 12,85 und 13,24 Prozent allerdings noch höher.
Demgegenüber bewegten sich die Überziehungszinsen in Österreich bei durchschnittlich 5,52 Prozent, in den Niederlanden bei 6,69 Prozent, in Finnland bei 7,14 und in Italien bei 7,57 Prozent. Im gesamten Euro-Raum, so die Statistik des Finanzministeriums, mussten die Bürger für das Überziehen eines Kontos durchschnittlich Aufschläge in Höhe von 8,4 Prozent an die Banken zahlen, immer noch weniger als hierzulande.
Der SPD-Finanzexperte Carsten Sieling, der die Analyse beim Ministerium erfragt hat, sagte unserer Zeitung: "Ganz offenbar setzen die deutschen Banken weiter auf das Geschäftsmodell Dispo-Zinsen-Abzocke." Anders sei nicht zu erklären, dass in Deutschland "weiter europaweit mit die höchsten Dispo-Zinsen verlangt werden". Das sei "ein Skandal". Der Bundesregierung warf Sieling Tatenlosigkeit vor.
12, 14 oder 17 Prozent an Überziehungszinsen sind keine Seltenheit, wenn jemand seinen Kreditrahmen ausschöpft. Wer Glück hat, zahlt hingegen nur sieben Prozent. Diese Schwankungen beim Dispo sind in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand von kontroversen Debatten auch im Bundestag gewesen. Mit dem Dispo lasse sich gutes Geld verdienen, lautete die Kritik von SPD, Grünen, Linken und Verbraucherschützern.
Bislang hat die Bundesregierung Maßnahmen wie eine Zinsobergrenze immer abgelehnt. Nach Informationen unserer Zeitung hat die zuständige Bundesverbraucherministerin Ilse Aig-ner (CSU) inzwischen aber eine Untersuchung eingeleitet, um das Verhalten der Banken zu überprüfen.
Die Ergebnisse der Studie sollen im Laufe des Jahres vorliegen. "Auf dieser Basis wird zu entscheiden sein, welche Maßnahmen ergriffen werden", so eine Sprecherin auf Nachfrage. Das Ministerium habe jedenfalls kein Verständnis dafür, wenn Banken sich bei der Zentralbank billiges Geld beschafften, "aber ausgerechnet jene Kunden mit hohen Zinsen abkassieren, die am wenigsten haben".




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