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aus unserem Archiv vom 10. Juli 2012
Autor: Ursula Schmieder Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Thalfang Drucken  E-Mail

Ein Beruf ganz anders als im Fernsehen

Im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Trier gibt es 27 Ausbildungsbetriebe für den Beruf der Immobilienkaufleute. Junge Menschen haben daher Mühe, eine Ausbildungsstelle zu finden, müssen sich dafür aber gegen wenig Konkurrenten behaupten.

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Thalfang. Die weiten Wege zu ihrem Arbeitsplatz haben drei Auszubildende der Thalfanger WK-Gruppe nicht von ihrem Berufswunsch abbringen können. Jasmin Schröder (19), bereits im zweiten Ausbildungsjahr, stammt aus Landscheid (Kreis Bernkastel-Wittlich), Sabrina Schommer (21) aus Dudeldorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) und Tim Herrig (19) aus Osburg (Kreis Trier-Saarburg). Schon in ihrer Schulzeit liebäugelten sie mit dem Beruf Immobilienkaufmann und Immobilienkauffrau. Ohne Führerschein und Auto fehlte dazu aber wichtiges Rüstzeug. Außerdem war es schwierig, einen Ausbildungsbetrieb zu finden. Denn in der Region bilden verhältnismäßig wenige Unternehmen aus (siehe Extra). Die jungen Leute bewarben sich daher in Koblenz, Köln, Essen und Frankfurt. Als es dann letztlich im Hunsrück mit Lehrstellen klappte, bedeutete das für sie sogar kürzere Wege.

ausbildung im fokus


Zum Berufsschulunterricht fahren Sabrina und Tim, beide im ersten Lehrjahr, zweimal die Woche gemeinsam nach Saarbrücken. Danach geht\'s zum Arbeitsplatz in Thalfang. Sabrina hatte nach dem Realschulabschluss erst Einzelhandelskauffrau gelernt und ihr Fachabitur gemacht. Für ihren Traumberuf Immobilienkauffrau, auf den sie bei einer Schulveranstaltung aufmerksam wurde, fehlte der Führerschein. Jasmin und Tim überbrückten die führerscheinlose Zeit mit dem Besuch einer kaufmännischen Schule.
Sein Interesse habe eine Makler-Fernsehserie geweckt, die aber dem Beruf nicht gerecht geworden sei, erzählt Tim. Er findet es spannend, mit Menschen zu tun zu haben und nicht ständig im Büro sitzen zu müssen. Ebenso wie Jasmin, die den Vorteil sieht, auf Erlerntem aufbauen oder sich selbstständig machen zu können. Auch die Verdienstmöglichkeiten seien gut. Außerdem fühlt sie sich als Immobilienkauffrau nicht als "eine von vielen". Sie muss zwar mit wenigen Stellen leben - aber auch mit "wenig Konkurrenz". Inzwischen ist sie überwiegend in Hessen unterwegs und betreut oft eigenständig Häuser. Es sei interessant, Vermieter- und Mieterseite kennenzulernen. Der Beruf sei bedeutend vielseitiger als erwartet.
Die WK-Gruppe mit den Geschäftsführern Werner und seinem Sohn Johannes Kiefer ist in vier Geschäftsbereichen aktiv: Hausverwaltung, Wirtschaftsberatung, Immobilienvermarktung und Projektentwicklung. 23 Mitarbeiter in Thalfang und Birkenfeld verwalten etwa 1300 Wohnungen und 140 Objekte. Johannes Kiefer, Vorsitzender des Kreises Junger Unternehmer (KJU) Trier, bildet seit 2008 Immobilienkaufleute aus. Seine erste Auszubildende legte 2011 als eine der besten im Kammerbezirk ihre Prüfung ab.

Mehr als Makeln


Kiefer achtet bei Bewerbern nicht nur auf gute Noten. Wichtig sei auch ein selbstsicheres Auftreten: "Wenn die Bewerbung stimmig ist und der Bewerber gut rüberkommt, sind Noten oder Vorbildung erst das zweite Kriterium." Als selbstverständlich sieht er Grundwissen über Beruf und Unternehmen an. "Wer nur lernen will, wie man makelt, der ist bei uns eigentlich falsch."
Damit grenzt er den anerkannten Ausbildungsberuf ab vom reinen Makeln, für das ein Gewerbeschein - ohne Vorkenntnisse - ausreicht. Kiefer legt großen Wert auf eine umfassende und auch fordernde Ausbildung. Die jungen Leute müssten Eigenverantwortung übernehmen - aber auch mal einen Fehler machen dürfen.
Das dritte Lehrjahr sieht er schon eher als "Generalprobe" für den Beruf, der sehr anspruchsvoll sei.
Extra
Immobilienkaufleute betreuen und verwalten Wohnungen, Häuser oder Grundstücke und vermitteln, kaufen und verkaufen Objekte. Zu ihren Aufgaben zählen Beratungsgespräche, Kauf- und Verkaufsverhandlungen, Abrechnungen wie von Miet- und Nebenkosten, Eigentümerversammlungen oder technisches Gebäudemanagement. Außerdem planen und betreuen sie Neubauten, Sanierungs- oder Modernisierungsobjekte. Sie arbeiten für Wohnungsbauunternehmen, Projektentwickler, Immobilienbüros oder -abteilungen von Banken oder Versicherungen. Ausbildungsvergütung: Im ersten Lehrjahr verdienen sie 730 Euro, im zweiten 840 Euro und im dritten 950 Euro. Dauer: drei Jahre. Im Bezirk der IHK Trier bilden 27 Betriebe plus einer in Luxemburg 40 Immobilienkaufleute aus. Rechtlich ist keine bestimmte Schulausbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Azubis mit Hochschulreife ein. (Quelle: www.berufenet.de). urs




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