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aus unserem Archiv vom 06. Juni 2011
Autor: Bernd WientjesOrt: TrierKommentare: Kommentare zeigenDrucken  E-Mail

Experte: Millionenschaden durch falsche Klinikrechnungen in Rheinland-Pfalz

250 Milliarden Euro fließen jährlich in das Gesundheitssystem. Viel Geld, das einige dazu verlockt, zu betrügen. Mittlerweile haben die Krankenkassen eigene Ermittler eingestellt, um dem Betrug auf die Schliche zu kommen.

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Trier. Mal ist es die Hebamme, die zu viele Kilometer abrechnet für die Fahrt zur jungen Mutter, die gerade entbunden hat. Dann ist es der Pflegedienst, der Leistungen wie etwa das Waschen der pflegebedürftigen Person abrechnet, obwohl diese sich noch selbst waschen kann. Frank Keller kennt einige Fälle in Rheinland-Pfalz, in denen die Krankenkasse - bewusst oder einfach aus Unwissenheit - betrogen worden ist. Der 51-jährige ehemalige Polizeibeamte ist Chefermittler bei der Techniker Krankenkasse. 33 Fälle von Abrechnungsmanipulation, wie der Tatbestand offiziell heißt, hat er aufgedeckt. Bei den meisten dieser Fälle habe es sich aber nicht um Betrugsfälle im strafrechtlichen Sinn gehandelt, sondern um, wie Keller es nennt, Falschabrechnung. Als Beispiel nennt er Krankenhausabrechnungen. So sei 2009 von 100 000 überprüften Abrechnungen in Rheinland-Pfalz jede zweite falsch gewesen. Pro falsch abgerechneten Fall bekamen die Krankenkassen im Land im Schnitt 645 Euro zurück, zusammen also rund 32 Millionen Euro. Im Vergleich zu anderen Bundesländern gebe es aber in Rheinland-Pfalz wenig große Betrugsfälle. Einer der größten, in denen auch Apotheker aus Rheinland-Pfalz verwickelt waren, war der Betrug mit Krebsmedikamenten (Zytostatika). Sie sollen sich im Ausland mit wesentlich günstigeren, aber in Deutschland nicht zugelassenen Präparaten eingedeckt haben, mit den Kassen aber den Preis für die hier üblichen Krebsmittel abgerechnet haben.
Bundesweit, so Keller, habe allein die Techniker Krankenkasse im vergangenen Jahr bundesweit zwei Millionen Euro durch nachgewiesenen Abrechnungsbetrug wieder zurückfordern können. Oft erfordere die Ermittlung in solchen Fällen tatsächlich kriminalistischen Spürsinn. Da komme ihm sein Wissen als Polizist zugute. Aufwendig und sehr arbeitsintensiv sei die Überprüfung von Pflegediensten. Handschriftenlisten mit den Kürzeln des Pflegepersonals müssten überprüft und Befragungen durchgeführt werden. "Oftmals geht es dabei nur um kleinere Beträge."
Die kriminelle Energie unter Ärzten, Apothekern, Kliniken oder anderen Leistungserbringern im Gesundheitssystem sei nicht größer als in anderen Branchen, meint Keller. Aber es geht um viel mehr Geld. Rund 250 Milliarden Euro fließen jedes Jahr in das Gesundheitssystem. "Jeder versucht, etwas von diesem Kuchen abzukriegen. Die meisten machen das durch seriöse Arbeit." Es seien nur wenige, die die mit den Kassen abgeschlossenen Verträge "kreativ" auslegen, sprich also mehr da herauszuholen, als ihnen womöglich zustehe.
Das für Außenstehende oft undurchschaubare Abrechnungssystem begünstige Betrug. Patienten könnten zumeist kaum nachvollziehen, welche Leistungen ihr Arzt nun tatsächlich erbracht habe, sie müssten eine Rechnung erhalten "Auf einer Reparaturrechnung fürs Auto kann man nachvollziehen, ob die Lichtmaschine ausgetauscht worden ist." Genauso müsse auf einer Arztrechnung erkennbar sein, welche Leistung erbracht worden sei. Der wichtigste Hinweis auf möglichen Betrug komme immer noch von den Patienten selbst. Daher müssten sie in die Lage versetzt werden, Unregelmäßigkeiten zu erkennen, so Keller. 15 Mitarbeiter umfasst das Ermittlerteam der Techniker Krankenkasse (TK). Chef ist der 51-jährige Frank Keller, ehemaliger Polizist. Seit 2004 sind die Kassen verpflichtet, eigene Stellen einzurichten, um sogenanntes Fehlverhalten im Gesundheitswesen aufzuspüren. Rund 1000 neue Betrugsfälle pro Jahr werden bei der TK gezählt - bei über sieben Millionen Versicherten, 35 Millionen Rezepten, die die Kasse jedes Jahr bezahlt, 45 Millionen Abrechnungen von niedergelassenen Ärzten, zwölf Millionen Abrechnungen von Zahnärzten und 1,4 Millionen von Krankenhäusern. Computer kontrollierten all diese Abrechnungen, sagt Keller. Auffälligkeiten würden herausgefiltert und intensiver überprüft. Oft sind es auch Hinweise von Patienten, Ärzten oder Personal. Nicht selten sei es die geschasste Arzthelferin oder die Ex-Geliebte des Arztes, die entscheidende Hinweise auf Abrechnungsbetrug gebe, so der Spezialist. Wie

 




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