Wer einen Tisch oder Schrank beim Schreiner bestellt, der soll in Zukunft mit einigen Euros mehr den entsprechenden CO-Ausstoß ausgleichen können, indem er die Aufforstung in Rheinland-Pfalz unterstützt. Dafür sorgt ein neuentwickelter CO-Rechner. Die Schreinerei Bauer in Bitburg ist die erste, die ihn einsetzen möchte.
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„Vom Betrieb her haben wir uns schon immer auch dem Umweltschutz verschrieben“: Firmenchef Christian Bauer (links) mit zweien seiner 13 Mitarbeiter, Thomas Krämer und Johannes Berens (rechts). TV-Foto: Dorothee Quaré
Bitburg. In der Möbelschreinerei Bauer in Bitburg wird bereits seit Jahren Umwelt- und Klimaschutz praktiziert: Die Abfälle aus der Werkstatt werden per Heizomat, einer vollautomatischen Kesselanlage, zum Heizen verwendet, die Solaranlage auf dem Dach liefert mehr Strom als benötigt. Nun hat Firmenchef Christian Bauer den neuen CO-Rechner vom Diug (Deutsches Institut für umweltgerechte Produktion und gesundes Wohnklima GmbH) erworben.
"Im Rechner werden alle für ein Möbelstück verwendeten Materialien festgehalten, gegengerechnet mit den Energien, die wir dafür verbrauchen", erklärt Christian Bauer und ergänzt: "Gut dabei ist, dass wir unseren eigenen Strom produzieren und kein zusätzliches Öl oder Gas benötigen."
Berechnung für jedes Möbel
Mit Hilfe des CO-Rechners können für jedes Möbelstück die Emissionen errechnet werden, die mit Produktion, Material und Vertriebsweg verbunden sind. Der Kunde erhält einen individuellen Report und kann entscheiden, ob er durch einen geringen Preisaufschlag sein Möbelstück klimaneutral stellen will. Entscheidet er sich dafür, so erhält er ein Zertifikat, auf dem die mit der Produktion verbundenen CO-Emissionen dokumentiert sind, sowie der Ausgleich durch heimische Aufforstungsprojekte.
Die Idee stammt von Hermann Hubing, dem Geschäftsführer der Fachverbände Leben Raum Gestaltung Rheinland-Pfalz und Hessen, der das Prinzip in einem Hotel im thüringischen Zeulenroda kennengelernt hatte. Dort konnte ein Gast seinen individuellen CO-Fußabdruck, verursacht durch An-, Abreise und Aufenthalt, ausrechnen lassen und dann eine entsprechende Summe für einen Windkraftpark oder ein Aufforstungsprojekt spenden. Das Institut Diug initiierte daraufhin mit Unterstützung von fünf hessischen Tischlerbetrieben die Entwicklung des CO-Rechners durch das Software- und Dienstleistungsunternehmen PE international. Die Möbelschreinerei Christian Bauer, vor 25 Jahren in Irrel gegründet und seit 1993 am jetzigen Standort, ist der erste Betrieb in Rheinland-Pfalz, der den CO-Rechner einsetzen will. "Ich finde es sehr wichtig, den Kunden die Information richtig rüberzubringen", sagt Bauer, der dabei ist, eine Öffentlichkeitsarbeitskampagne zu initiieren.
Mehr Geld zum Pflanzen
Zum Kundenkreis gehören Seniorenheime, Kliniken und Schulen in Luxemburg, aber auch Privatpersonen. "Vor dem Krieg gab es in der Eifel klassische Mischwälder - Buchen, Eichen und Ulmen", sagt Bauer. "Später wurde aufgeforstet mit schnellwachsenden Hölzern wie Fichten. Heute gibt es glücklicherweise wieder Mischwälder." Zusätzliches Geld könnten die Landesforsten dafür nutzen, mehr Hölzer anzupflanzen, die nicht bereits nach 30 Jahren geerntet werden können - Eichen beispielsweise. Bauer resümiert: "Es geht um nachhaltige Forstwirtschaft, kurze Wege und einheimische Hölzer. So können Emissionen gering gehalten werden."
Kammer ist interessiert
Vor wenigen Wochen haben Geschäftsführer Hermann Hubing und Hubert Krischer, Betriebstechnischer Berater vom Fachverband Leben Raum Gestaltung Rheinland-Pfalz, den CO-Rechner in Bitburg prominenten Gästen präsentiert, darunter Staatssekretär Ernst-Christoph Stolper und HWK-Präsident Rudi Müller. Auch in Trier haben Krischer und Hubing das Konzept auf der Versammlung der Schreinerinnung vorgestellt. Mit dabei war Zeljko Brkic von der Trierer Lokalen Agenda 21.
"Der CO-Rechner ist für uns ein wichtiges Thema", sagt Rudi Müller. "Von Verbandsseite her wollen wir daher gern den Startschuss geben." Ein gemeinsames Treffen mit Krischer, der städtischen Wirtschaftsförderung und der Lokalen Agenda 21 sei geplant.
Extra
Das Diug (Deutsches Institut für umweltgerechte Produktion und gesundes Wohnklima GmbH) ist als grünes Kompetenzzentrum des Tischlerhandwerks im Dezember 2007 in Bad Wildungen (Hessen) gegründet worden. Gesellschafter sind die Tischlerhandwerk Hessen Service GmbH, die Holzfachschule Bad Wildungen, der Fachverband Leben Raum Gestaltung Rheinland-Pfalz sowie die Beratungs- und Fördergesellschaft für Holz und Kunststoff mbH (Hamburg). Diug ist ein Netzwerk mit Forschungs-, Beratungs-, Schulungs- und Zertifizierungsaufgaben. Ziele sind umweltgerechte, nachhaltige Produktion im Tischlerhandwerk und Maßnahmen zur Schaffung eines gesunden Wohnklimas. DQ
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