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aus unserem Archiv vom 10. Juni 2012
Autor: Marcel Wollscheid Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier/Luxemburg Drucken  E-Mail

Im Eiltempo zum Traumberuf

Thomas Schmitt ist der Mehrheit seiner Altersgenossen einen Schritt voraus: Mit 22 Jahren hat der Trierer einen Meisterbrief in der Tasche. Nach langjähriger Ausbildung und der Prüfung zum Meister für Bäderbetriebe arbeitet er nun in einem Hallenbad in Luxemburg - und geht in seinem Traumjob auf.

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Trier/Luxemburg. Schon ein Blick in sein Wohnzimmer sagt viel über Thomas Schmitt aus. An der weißen Wand gegenüber der kleinen Küchenzeile reiht sich Zeugnis an Zeugnis aneinander: Führungskraft für Bäderbetriebe, Zertifikation zum Ausbilder, schließlich der Meisterbrief zum geprüften Meister für Bäderbetriebe.

Immer das Ziel vor Augen


Zwischen den Urkunden hat der 22-Jährige an kleinen Nägeln Medaillen angebracht, es sind Erinnerungen an Triathlon-Wettkämpfe. Triathlon ist eine Ausdauersportart, 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, fünf Kilometer Laufen. Nur wer Selbstdisziplin und den Willen zum Weiterkommen hat, schafft es ins Ziel.
"Ich fühle mich schon etwas älter als ich bin, viele junge Leute gehen nur auf Partys und wissen nicht was sie machen wollen, das geht mir anders", sagt Thomas Schmitt. Die Ausbildung war ein Spagat für den jungen Mann: Nach der Arbeit im Stadtbad an den Kaiserthermen und dem Blockunterricht büffelte er bis in die Nacht über Wirtschaftslehre, Bädertechnik und chemische Grundlagen. "Meine Motivation hat aber nie nachgelassen, weil ich strikt ein Ziel vor Augen hatte", sagt Schmitt. Im März 2012 bestand Thomas Schmitt schließlich die Prüfung zum Meister für Bäderbetriebe. Seine Mitprüflinge waren über 30 Jahre alt.

Ausbildung im focus


Heute arbeitet der 22-Jährige im Bad Les Thermes im luxemburgischen Bertrange/Strassen. Im modernen Hallenbad kontrolliert er fünf Schwimmbecken und den Wellness-Bereich. Eine Herzensangelegenheit für den Sauna-Liebhaber, der seine Gäste gerne mit exotischen Aufgüssen verwöhnt: "Viele Menschen haben so viel Stress bei der Arbeit, da ist es für mich das Schönste auf der Welt, sie für einen Tag glücklich zu machen." Der Schritt nach Luxemburg sei für ihn richtig gewesen, da er Verantwortung übernehmen könne und sich im Team wohl fühle, sagt der Trierer.
Einen prägenden Moment erlebte Thomas Schmitt 2010 als Aufsichtsperson im Trierer Stadtbad.
Während eines Kindergeburtstages an einem gut besuchten Samstag sank ein Neunjähriger auf den vier Meter tiefen Beckenboden. Thomas Schmitt reagierte blitzschnell, sprang ins Wasser und zog den bewusstlosen Jungen an die Oberfläche. "Es war Totenstille im Bad", erinnert sich der 22-Jährige. Sofort begann Schmitt mit der Wiederbelebung, bis das Kind schließlich aufatmete.
Die eintreffenden Sanitäter erklärten, Sekunden später wäre der Junge im Wasser gestorben. "Es war eine unbeschreibliche Situation, doch dafür müssen wir bereit sein. Das war ein Moment, der mich für meine Zukunft geprägt hat", sagt der Meister für Bäderbetriebe heute im Rückblick.
Seit dem Vorfall gibt Thomas Schmitt Schwimmkurse für Kinder. Eine Mutter der Geburtstagsveranstaltung schrieb ihm einen Brief und dankte ihm für die Rettung des Kindes. Thomas Schmitt hat den Brief sorgsam aufbewahrt. Zwischen den Zeugnissen und Medaillen findet auch er heute eingerahmt einen Platz an der Wand seines Wohnzimmers.
Extra
Der Beruf Meister für Bäderbetriebe ist eine berufliche Weiterbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). In der Region wird der Meisterlehrgang unter anderem durch das saarländische Bildungsministerium angeboten. Meister für Bäderbetriebe leiten und überwachen den Badebetrieb. Darüber hinaus warten sie die technischen Anlagen des Schwimmbades. Der Meisterprüfung geht die duale Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe voraus. In Trier wird die Ausbildung vom Sportamt der Stadt Trier angeboten. Sie gliedert sich in einen theoretischen Lehrgang an der Berufsschule und einen praktischen Teil in den Freibädern der Stadt. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre. maw
Extra
In Deutschland werden Fachangestellte für Bäderbetriebe nach den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes bezahlt (TVöD und TV-L). Das Bruttoeinkommen rangiert damit etwa zwischen 2100 und 2600 Euro im Monat. In Luxemburg ist der Fachangestellte für Bäderbetriebe kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Voraussetzung für die Arbeit in Bädern ist eine Rettungsschwimmerausbildung durch die Wasserrettungs-Organisation FLNS (vergleichbar mit der deutschen DLRG). In Luxemburg arbeiten viele studierte Sportwissenschaftler in Bädern. Arbeitgeber und Arbeitnehmer handeln die Entlohnung frei aus, wobei je nach Branche Mindeststandards eingehalten werden müssen. Alter, Qualifikation und Berufserfahrung fließen in die Lohnbildung ein, zudem hat das luxemburgische Indexlohnsystem Einfluss auf das Einkommen. maw




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