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aus unserem Archiv vom 21. August 2011
Autor: Heribert WaschbüschOrt: TrierKommentare: Kommentare zeigenDrucken  E-Mail

Integration endet nicht am Werkstor

Der Trierer Schaltanlagenhersteller Natus ist für sein bürgerschaftliche Engagement und seine soziale Einstellung mit dem Corporate Citizenship Preis 2011 des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet worden. Für Firmenchef Frank Natus eine Auszeichnung, die an alle Mitarbeiter geht und ein weiterer Ansporn für das Unternehmen.

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Trier. Die Natus GmbH & Co. KG gehört zu den größten Arbeitgebern in der Region. Das Unternehmen, das Niederspannungs- und Mittelspannungsschaltanlagen und Komplettlösungen für die Energieverteilung fertigt, beschäftigt in Trier rund 640 Mitarbeiter. Die Geschäfte laufen gut, so dass die Stammbelegschaft derzeit von 80 Leiharbeitern unterstützt wird.

2001 Pilotprojekt gestartet


Doch bei aller wirtschaftlichen Ausrichtung pflegt das Unternehmen seit vielen Jahren die Zusammenarbeit mit den Lebenshilfen-Werken. Die Integration von Behinderten und Menschen mit Migrationshintergrund gehört bei Natus zum täglichen Arbeitsleben.
"Für uns war die vorliegende Bewerbung um den Sonderpreis für rheinland-pfälzische Unternehmen mit gesellschaftlichem Engagement ein sehr willkommener Anlass, die verschiedenen Formen unseres Einflusses auf die Gesellschaft in unserer Region vorzustellen", erklärt Frank Natus die Beweggründe für die Bewerbung.
Das Beispiel Lebenshilfe hat die Jury überzeugt. "Bereits seit 1978 haben wir mit den Lebenshilfe-Werken zusammengearbeitet und dann 2001 ein Pilotprojekt in unserem Haus begonnen", erklärt der Firmenchef.
Bis zu zwölf Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen arbeiten in der kleinen Werkstatt im Natus-Werk und liefern unter anderem für den Bereich Schaltanlagen Steuerklemmblocks, Busschienen und Leitungen.

Keine Einbahnstraße


Zur vorwiegend mechanischen Tätigkeit gehört auch der Zusammenbau der sogenannten Kontaktfinger. Um die Belange der Mitarbeiter der Lebenshilfe-Werke kümmert sich als hauptamtlicher Mitarbeiter der Lebenshilfe Wolfgang Mayer. Darüber hinaus ist auch ein Natus-Angestellter für das Wohl der Kolleginnen und Kollegen der Lebenshilfe-Werke zuständig, sorgt für das gute Zusammenleben mit der Natus-Belegschaft. Die Beschäftigung bei der Lebenshilfe ist beruflich für die Menschen keine Einbahnstraße. "Wir haben bereits fünf Mitarbeiter aus diesem Bereich in unsere normalen Arbeitsabläufe übernommen", sagt Frank Natus.
Die Integration endet auch nicht am Firmentor. Bei Betriebs- und Weihnachtsfesten sind die Lebenshilfe-Mitarbeiter dabei.

Behindertengerechte Jobs


Unter den gut 700 Natus-Beschäftigten befinden sich auch 18 schwerbehinderte Menschen, die vollständig in den Betriebsablauf integriert sind. Entsprechend ihren Bedürfnissen wurden die Arbeitsplätze angepasst. Zu ihnen gehört Otmar Müller, der im Rollstuhl sitzt. 2003 kam Müller zu Natus und ist für ausgeklügelte Kabelkonfektionen aller Art verantwortlich.
Sein Arbeitsplatz ist so konzipiert, dass er alles was er zum Arbeiten braucht, mit einer Handbewegung erreichen kann. Mit der Integration bei der Arbeit haben sich auch viele private Kontakte vertieft.
"Man arbeitet hier zusammen und man feiert hier zusammen. Seit acht Jahren bin ich bei Natus und fühle mich sehr wohl hier", sagt Otmar Müller.
In der Fertigungsabteilung der Natus GmbH & Co. KG arbeiten unter der Leitung von Ralf Barg vier hörgeschädigte Menschen. Einer von ihnen ist Yves Marinelli. Der junge Mann kommt aus Yaoundé, der Hauptstadt von Kamerun. Seit seiner Kindheit wohnt er in Deutschland. Hier ist er zur Schule für Gehörlose gegangen, hier hat er die Gebärdensprache gelernt. Seit 2007 ist er beim Schaltanlagenbauer: "Am Anfang hatte ich Angst," erzählt er.

Nachwuchsarbeit


Vor allem habe er Befürchtungen wegen seiner Behinderung, aber auch wegen seiner Hautfarbe gehabt. "Aber die Angst wurde mir sehr schnell wieder genommen."
Neben diesen Bereichen ist Natus laut Jury aber auch bei seinem bürgerlichen Engagement vorbildlich. Das Unternehmen ist Pate bei Jugend forscht, unterstützt durch Sponsoring den Jugendsport oder beteiligt sich am TV Projekt Zeile. Firmenchef Natus sieht in diesem vielfältigen Engagement eine gute Basis für ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen. "Natürlich ist für uns wichtig, gut und erfolgreich im Markt zu bestehen. Doch es gehört zu unserer Firmenphilosophie, dass es bei allem Erfolgsdruck auch menschlich zugeht", sagt Frank Natus. Die Firma Natus wurde 1956 in Trier geründet und ist auf die ist auf die Herstellung von Niederspannungs- und Mittelspannungs-Schaltanlagen spezialisiert. Rund 640 Mitarbeiter, davon 60 Auszubildende, gehören zur Belegschaft des Unternehmens. Produziert wird ausschließlich am Stammsitz Trier, wo Natus über sechs Werke mit einer Fertigungsfläche von insgesamt über 30 000 Quadratmetern verfügt.




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