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aus unserem Archiv vom 09. Juli 2012
Autor: Rolf Seydewitz Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken  E-Mail

Wenn der Briefkasten montags leer bleibt

In manchen Gebieten der Region Trier wurden zuletzt von der Post montags keine Briefe zugestellt. Das zumindest behaupten einige Briefträger. Stimmt nicht, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Montags falle nur weniger Post an.

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Trier. Haben Sie am gestrigen Montag auch keine Post in Ihrem Briefkasten gehabt, obwohl Sie ein Schreiben erwarten? Falls ja, könnte dies Zufall sein. Oder auch nicht. Denn nach Angaben mehrerer Briefträger wurden in Teilen des sogenannten Niederlassungsbereichs Trier/Koblenz von der Deutschen Post in den vergangenen zwei Wochen montags keine Briefe zugestellt. "Nur Zeitschriften wie Spiegel oder Focus oder per Post verschickte Tageszeitungen haben wir an diesen Montagen noch ausgetragen", sagt ein Zusteller, der anonym bleiben möchte, unserer Zeitung. "Alles andere blieb liegen." Die Angaben des Mannes werden auch von mehreren Kollegen bestätigt.

Vorwürfe zurückgewiesen


Ein Sprecher der Deutschen Post wies die Vorwürfe auf TV-Anfrage zurück. Das Postgesetz sehe eine Zustellung an sechs Werktagen vor, sagte Postsprecher Stefan Heß, "und daran halten wir uns selbstverständlich auch ohne Wenn und Aber."
Nach seinen Angaben ist montags der "mengenmäßig schwächste Tag der Woche". Hinzu komme, dass in der Sommerzeit einige Firmen Betriebsferien hätten und daher auch keine Post verschickten. "Da mag möglicherweise der falsche Eindruck entstehen, dass montags keine Post zugestellt wird", sagt Sprecher Stefan Heß. Ähnlich äußert sich auf TV-Anfrage auch der für den Fachbereich Postdienste zuständige Verdi-Sprecher Sigurd Holler. "Uns ist von einer angeblich abgespeckten Zustellung an Montagen nichts bekannt", sagt der Koblenzer Gewerkschaftsfunktionär. Nach Angaben aus Zustellerkreisen sollen auch gestern im Raum Wittlich, Schweich, Föhren keine Briefe ausgetragen worden sein - den dritten Montag in Folge. In Trier, Bitburg und Hermeskeil dagegen sei die Post wieder ganz normal verteilt worden, sagte ein Mitarbeiter des Unternehmens unserer Zeitung. Nach Angaben von Post-Sprecher Stefan Heß werden über 95 Prozent aller Inlandsbriefe schon nach einem Tag zugestellt. Lediglich gebührenreduzierte Sendungen, etwa Werbebriefe, dürften längere Laufzeiten haben.

Post: "Gängige Praxis"


"Aber auch dies hat überhaupt nichts mit irgendeinem Test zu tun, sondern ist seit vielen Jahren gängige Praxis", sagt der Sprecher. Dem ist in der Tat so. Schon vor zwei Jahren gab die Post bekannt, dass in den Sommermonaten montags weniger oder gar keine Werbesendungen in den Briefkästen landen. Mit diesen Maßnahmen sollten die Ausgaben zwischen Juni und August reduziert werden - "ohne negative Folgen für Kunden und Mitarbeiter", wie es hieß. Post-Briefvorstand Jürgen Gerdes kündigte seinerzeit an: "Wir müssen weiterhin Kosten senken, um Umsatzrückgängen zu begegnen, vor allem in sendungsschwachen Wochen. Und wir schaffen das, ohne dass unsere hohe Qualität darunter leidet."

Dementi aus Hamburg


Die Post hat schon seit Jahren damit zu kämpfen, dass immer weniger Briefe verschickt werden und damit die Einnahmen zurückgehen. Nach Gewerkschaftsangaben hatten die Postverantwortlichen in der Vergangenheit immer wieder damit geliebäugelt, die Briefe nur noch an fünf statt sechs Werktagen zuzustellen und so Kosten zu sparen. In die Tat umgesetzt wurden diese Pläne aber bislang nicht.
Derweil gibt es auch aus anderen Teilen Deutschlands Meldungen, wonach an Montagen angeblich ungewöhnlich viele Briefkästen leer blieben - etwa in Hamburg-Wandsbek. Wie in Trier dementieren die Post-Verantwortlichen auch dort: "Alles was da ist, wird auch zugestellt."
Extra
Die Deutsche Post DHL ist heute ein Weltkonzern, der aus der früher staatlichen Deutschen Bundespost hervorgegangen ist. Der Bund ist auch nach der Privatisierung über die staatliche Bankengruppe KfW indirekt noch mit 30,5 Prozent beteiligt. Mittlerweile ist die Deutsche Post World Net mit ihrer Tochter DHL einer der global führenden Logistik-Konzerne mit rund 60 Milliarden Euro Umsatz und weltweit etwa einer halben Million Beschäftigten. Im Zuge der Privatisierung in den 1990er Jahren erfolgte im November 2000 der Börsengang und später auch die Aufnahme in den Deutschen Aktienindex (Dax). Anfang 2008 fiel das Restmonopol der Deutschen Post bei der Briefbeförderung. Damit ist der Markt, wie bereits bei Paketen, für den Wettbewerb geöffnet. Geführt wird der Konzern mit Sitz in Bonn von Vorstandschef Frank Appel. Er löste im Februar 2008 den langjährigen Post-Chef Klaus Zumwinkel ab, der wegen der Liechtensteiner Steueraffäre abtrat. dpa

 




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