Überraschend gute Konjunkturdaten gibt es derzeit aus der Region Trier. Nach der aktuellen Umfrage zum Auftragsklima in Handel, Dienstleistung und Industrie verzeichnet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier weiterhin einen Boom in den heimischen Betrieben.
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Unternehmen in der Region Trier sind derzeit mit ihrer Ertragslage durchweg sehr zufrieden. Symbolfoto: dpa
Trier. Ist Deutschland europaweit derzeit der Musterschüler in Sachen Wirtschaftswachstum, so stellt sich die regionale Wirtschaft nochmals besser da. "Der Konjunkturmotor läuft im Dienstleistungsbereich auf sehr hohen Touren.
Aber auch in der Industrie und im Handel sind die zufriedenen Gesichter deutlich in der Überzahl", bilanziert Matthias Schmit, Konjunkturexperte und Geschäftsführer Standortpolitik und Unternehmensförderung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier. Denn die rund 150 aktuell befragten Unternehmen mit rund 26 000 Beschäftigten sind mit der aktuellen Geschäftslage sehr zufrieden: Die Hälfte von ihnen bewerten sie als gut, 46 Prozent als befriedigend und nur vier Prozent als schlecht. Eine Verbesserung gegenüber dem Jahresbeginn, wo es noch doppelt so viele Pessimisten gab. "Die aktuelle wirtschaftliche Lage in der Region Trier hat uns auch positiv überrascht", gesteht Schmitt. "Wir spielen hier auf ganz, ganz hohem Niveau, und man merkt auch nicht die geringsten Anzeichen einer Rezession."
Besonders erfreulich sind aus Sicht der IHK die positiven mittelfristigen Erwartungen der Betriebe. Für die kommenden zwölf Monate erwarten wieder mehr Unternehmen gute Geschäfte, als dies noch im Winter der Fall war. Die Optimisten überragen die Pessimisten derzeit um sieben Prozentpunkte; im Winter 2011/2012 lag der Vorsprung nur bei zwei Prozentpunkten.
Daraus ergibt sich eine Steigerung des Konjunkturklima-Indikators von 120 auf 125 Punkte. Er gibt die Einschätzung der gegenwärtigen Wirtschaftslage der regionalen Betriebe wider.
Geht man genauer auch auf die einzelnen Geschäftsbereiche ein, dann zeigt sich in der Region Trier - bedingt durch die Alleinstellung Triers als Oberzentrum und die Anziehungskraft auf Luxemburger Kunden - traditionell ein starker Einzelhandel. "Der wirkt stabilisierend", sagt Schmitt. Demgegenüber liege der Dienstleistungssektor "nochmals ganz eindeutig vorn in der Konjunktur".
Demgegenüber fällt die Lage in der Industrie etwas ab. Denn die Betriebe im produzierenden Gewerbe befürchten für das weitere Jahr 2012 leichte Bremsspuren in ihrer Branchenkonjunktur.
Skepsis nur in der Industrie
Dennoch: Selbst wenn die Industrie-Betriebe mit einer "kleinen Portion Skepsis" in die Zukunft blicken, "gibt es im Auftragsbestand für die kommenden Monate ein gutes Polster", sagt IHK-Konjunkturexperte Schmitt. 38 Prozent der Industriebetriebe konnten Zuwächse verbuchen, nur 14 Prozent mussten Rückgänge hinnehmen. Ein Grund dafür ist die geringere Exportabhängigkeit der regionalen Industriebetriebe. Liegt die Exportquote rheinland-pfalz-weit über 50 Prozent, so liegt sie zwischen Eifel, Mosel und Hunsrück bei mehr als 30 Prozent.
"Das war früher manchmal von Nachteil. Unsicherheiten in der europäischen Schuldenkrise und sinkende Aufträge aus Europa treffen die Region Trier jedoch weniger stark", sagt Matthias Schmitt. Und so seien die finanziellen und wirtschaftlichen Turbulenzen etwa in Griechenland oder Spanien noch nicht negativ hierzulande durchgeschlagen. "Wir waren bislang immun gegenüber globalen Turbulenzen." Im Gegenteil: 34 Prozent der Betriebe erwarten steigende Exporte, nur 15 Prozent rückläufige Ausfuhren. Und weil die Aussichten für das Jahr 2012 so prächtig sind, sind die Pläne für Investitionen und Beschäftigung mit einem Pluszeichen versehen. Dabei wollen die meisten Betriebe in erster Linie ihren Maschinenbestand und Standort verstärken als neue Kapazitäten aufbauen.
Mehr Betriebe stellen ein
Gute Nachrichten gibt es für den Arbeitsmarkt: "Wir erwarten eine weiter positive Entwicklung, gehen aber davon aus, dass sich der Jobaufbau verlangsamen wird", heißt es bei der IHK. Per Saldo werden damit immer noch mehr Menschen eingestellt als entlassen: 16 Prozent der befragten Unternehmen wollen demnach neues Personal einstellen, elf Prozent dagegen Stellen abbauen. Und auch für den weiteren Verlauf des Jahres rechnet die Kammer daher mit einer positiven Beschäftigungsentwicklung.
Extra
Derzeit heißt der Gewinner der europäischen Finanz- und Schuldenkrise Deutschland. Es wird als Musterschüler bezeichnet. Denn Experten wie die Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud wissen: "Deutschland kann trotz der Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone wachsen, weil es seine Hausaufgaben zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit bereits im letzten Jahrzehnt gemacht hat." Anfang 2012 legte die Wirtschaftsleistung von vielen unerwartet wieder um 0,5 Prozent zu (der TV berichtete). Damit steht Deutschland gut da: In Frankreich stagniert die Wirtschaftsleistung zu Jahresbeginn bei 0,1 Prozent. Das Sorgenkind Portugal hat sein Bruttoinlandsprodukt nur leicht um 0,1 Prozent gesenkt. Ökonomen hatten einen tiefen Einbruch befürchtet. Schlusslicht unter den großen Euro-Ländern ist Italien mit einem Rückgang von 0,8 Prozent. dpa/sas
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