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aus unserem Archiv vom 17. Januar 2012
Autor: Kim-Björn Becker Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken

Nicht ohne meinen Schreibtisch

Wenn Projektarbeit die Festanstellung ersetzt, arbeiten viele Selbstständige von zu Hause aus oder vagabundieren mit ihren Laptops von Café zu Café. Das sogenannte Coworking bietet eine Lösung für jene "Gestrandeten": Wer will, kann sich für ein paar Euro am Tag flexibel in einer Bürogemeinschaft einmieten, spannende Kollegen gibt es kostenlos dazu. In Trier startet nun das erste Coworking-Büro.
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Trier. Kaum ein Ort verdichtet den Charakter eines Menschen so sehr wie sein Schreibtisch; jener Quadratmeter, über dessen Zustand allein sein Besitzer befindet. Deshalb ist der Schreibtisch zum Gegenstand psychologischer Untersuchungen geworden, deshalb haben es Dutzende Berater zum Geschäftsmodell gemacht, scheinbar Überforderten zu erklären, wie sie ihre Arbeitsplatte in Ordnung halten können. Was aber, wenn sich der feste Schreibtisch als Auslaufmodell entpuppt? Wenn moderne Berufsbiografien feste Büros und eigene Schreibtische überflüssig machen?

Idee aus den USA


Die Entwurzelung des Arbeitnehmers macht vor dem Schreibtisch nicht Halt. "Coworking" ist der Name für ein Arbeitskonzept, das vor einigen Jahren in den Vereinigten Staaten entstanden und wenig später über Berlin in die deutschen Großstädte geschwappt ist. Die Idee: Selbstständige aus der Kreativbranche, die vor allem projektbasiert arbeiten und häufig den Ort wechseln, mieten sich flexibel in einer Art Bürogemeinschaft ein. Schreibtisch, Internet, Kaffeemaschine, eben alles das, was ein Büro ausmacht, wird vom Anbieter gestellt. Der Mieter, dem Internetjargon folgend User genannt, entscheidet selbst, wie lange er seinen Arbeitsplatz nutzt: nur ein paar Stunden oder mehrere Monate.

Privates lenkt nur ab


Kay Spiegel und Johannes Truong aus Trier sind zwei jener Entwurzelten, wenn man so will. Spiegel ist Internetunternehmer, Truong ist Designer. Beide kennen die Sorgen ihrer Zunft: "Man kann entweder von zu Hause arbeiten oder vom Café aus. Aber beides ist nicht gerade optimal", sagt Spiegel. In der eigenen Wohnung überlagert das Private den Job und lenkt ab, im Café ziehen Arbeitsnomaden böse Blicke der Bedienung auf sich, weil sie nur alle zwei Stunden einen Kaffee ordern.
Coworking-Büros lösen dieses Problem: Ein paar Euro kostet die Arbeitsplatte pro Tag und macht Heimatlose zumindest für kurze Zeit zu Angekommenen. Knapp 100 solcher Büros gibt es derzeit in Deutschland, als Vorreiter gilt das Berliner Betahaus.
"Wir sehen auch in Trier einen Bedarf für solche Lösungen, die hiesige Kreativszene ist dafür groß genug", sagt Johannes Truong. Zusammen mit seinem Kompagnon Kay Spiegel hat Truong in der Saarstraße das erste Coworking-Büro in Trier eröffnet.
Zehn Arbeitsplätze und eine Kaffee-Ecke gibt es dort, die Trie rer City ist in Laufweite. Ein Schreibtisch für einen Tag kostet 15 Euro. "Die Atmosphäre soll friedlich, modern und kommunikativ sein", sagt er.
Kommunikation, darum geht es beim Coworking auch - oder vielleicht sogar: vor allem. "Kreativität gibt es nicht ohne äußere Eindrücke. Daher ist es wichtig, nicht völlig alleine zu arbeiten, sondern in einer Gruppe", sagt der Designer.

Erster Testlauf


Und nun der erste Testlauf in Trier: Seit Montag hat das Büro geöffnet, Spiegel und Troung arbeiten natürlich selbst von dort aus. Dazu kommen noch vier weitere Nutzer, die sich derzeit eingemietet haben. Der Landschaftsarchitekt Andreas Schmidt ist einer von ihnen. "Man tauscht sich mit seinen Nachbarn aus, das gibt eine spannende Dynamik", sagt er. Auch der Designer und Spieleentwickler Max Kunz hat schon erste Erfahrungen gemacht. "Es ist sehr angenehm, das Büro hat einen sehr authentischen Charme", sagt er. Seinen eigenen Schreibtisch gibt er aber nicht gleich völlig auf: Das Coworking-Büro will er zukünftig parallel zu seinem eigenen Büro zu Hause nutzen - im einen ist er Kollege, im anderen bleibt er Chef.

 



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