Autor: Von unserer Mitarbeiterin Marita BlahakOrt:DruckenE-Mail
40-jährige Erfolgsgeschichte der Integration
Die Werkstätten für behinderte Menschen auf dem Kueser und dem Wehlener Plateau sind vor 40 Jahren entstanden. Sieben behinderte Menschen arbeiteten damals dort, heute sind es rund 1000.
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Gärtnerin und Betreuerin Anne Maiwald stellt mit den Mitarbeitern Dirk Sommerlath (links) und Edwin Frank die Stiefmütterchen zum Verkauf in der Gärtnerei der DRK-Werkstätten bereit. TV-Foto: Marita Blahak
Bernkastel-Kues. "Ihr müsst die Stiefmütterchen mit dem Gesicht nach vorne platzieren", gibt Gärtnerin und Betreuerin Anne Maiwald den beiden Mitarbeitern Edwin Frank und Dirk Sommerlath gute Ratschläge für eine optimale Verkaufspräsentation der Blumen. In der Gärtnerei grünt, wächst und blüht es zurzeit. Der Frühling hat Einzug gehalten - und die Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun.
Die Arbeit macht ihnen Spaß, sie fühlen sich hier zu Hause. Ob in der Gärtnerei, im Hofladen oder der Schreinerei - viele sind bereits seit Jahren in den DRK-Werkstätten auf dem Kueser und dem Wehlener Plateau tätig. Vor 40 Jahren begann deren Geschichte als "beschützende Werkstatt" mit sieben behinderten Mitarbeitern. In den folgenden vier Jahrzehnten entwickelte sich das DRK-Sozialwerk zu einem Unternehmen, in dem rund 1000 Menschen arbeiten, darunter 560 Mitarbeiter mit Behinderungen unterschiedlichster Art. Den behinderten Menschen eine Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen, war von Beginn an das Bestreben.
Im Gespräch mit dem TV geben Geschäftsführer Christian Johann und Sozialarbeiterin Erika Hayer Auskunft über die Entwicklung. "Die Erfolgsgeschichte war aus damaliger Sicht nicht voraussehbar", sagt Johann. Nicht nur die Vielfalt der Bereiche, in denen die Mitarbeiter tätig sind, (siehe Hintergrund) hat sich erweitert, auch der Personenkreis habe sich stark verändert, so Johann. Waren es anfangs Mitarbeiter mit geistig-körperlicher Behinderung, so ist der Anteil der Mitarbeiter mit einer psychischen Erkrankung, die durch Stress am Arbeitsplatz oder anderes ausgelöst wurde, stetig gestiegen.
Das DRK-Sozialwerk ist eines der größten Unternehmen im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Es erfüllt seine Aufgabe sowohl im Betreuungs- als auch Produktionsauftrag und trägt somit zur beruflichen und sozialen Eingliederung der Mitarbeiter bei. "Durch gezielte Fördermaßnahmen im Berufsbildungsbereich und im Integrationsmanagement versuchen wir, geeigneten Menschen den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen", betont Hayer.
Bereits 1967 war es ein Anliegen von Helmut Gestrich, dem damaligen Landrat und Vorsitzenden des DRK-Kreisverbandes Bernkastel, behinderte Menschen in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben einzugliedern. Zu den Pionieren gehörten auch der erste Geschäftsführer Robert Mechtel und sein Nachfolger Manfred Brand. Im Laufe der 40 Jahre wurde das Angebot stetig differenziert und ausgeweitet. Neben der Hauptwerkstatt entstanden Zweigwerkstätten. Neue integrative Kindertagesstätten und Wohnheime wurden aufgebaut. Hinzu kamen in der jüngsten Vergangenheit verstärkt ambulante Angebote, die behinderten Menschen ein weitgehend selbstständiges Leben ermöglichen sollen, sowie die beiden Integrationsfirmen Wittegra und Divendo.
In den Werkstätten arbeitet jeder nach seinen individuellen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Für diejenigen, die mehr Betreuung benötigen, wurden Förder- und Entlastungsgruppen eingerichtet. Soweit möglich, können sich die Beschäftigten auch ihren Arbeitsbereich auswählen. Entlohnt werden sie aus dem erwirtschafteten Erlös der einzelnen Bereiche. Unverzichtbare Partner sind regionale Auftragsunternehmen. Die Betriebsstätten in der Cusanus- und der Panoramastraße sind für Menschen mit psychischen Behinderungen eingerichtet, die speziell betreut werden.
55 Busse holen Mitarbeiter ab
"Ein großes Problem für unsere Mitarbeiter ist die Mobilität", erwähnt Johann. Der öffentliche Nahverkehr lasse zu wünschen übrig. So holen 55 Busse tagtäglich die nicht motorisierten Mitarbeiter in ihren Wohnorten ab. Rund 6700 Kilometer kommen so pro Tag zusammen.
Für viele der Beschäftigten sind die Werkstätten ihr sozialer Lebensmittelpunkt. So besteht das Werkstattleben nicht nur aus Arbeit, sondern auch aus sportlichen, kreativen und geselligen Angeboten. Denn der behinderte Mensch hat nicht nur einen Rechtsanspruch auf einen Arbeitsplatz in einer Werkstatt. "Wir haben auch den gesetzlichen Auftrag, persönlichkeitsfördernde Maßnahmen durchzuführen", sagt Hayer.
HINTERGRUND ARBEITSBEREICHE
Die behinderten Menschen arbeiten und lernen in den DRK-Werkstätten in folgenden Bereichen: Montage/Verpackung, Schlosserei, Schreinerei, Wäscherei und Küche, Garten- und Weinbau, Sektherstellung, Landwirtschaft/ Landschaftspflege, Hofladen, Pferdepension, Café im Moselbad, einstige Kreisrebenveredlungsanstalt, in der Reben veredelt und verkauft werden (heute 70 Prozent Export), weinkulturelles Zentrum und Berufsbildung. mbl
HINTERGRUND ARBEITSBEREICHE
Programm des Jubiläums am 28. und 29. Mai unter der Schirmherrschaft von Sozialministerin Malu Dreyer: Samstag, 28. Mai: Eröffnung mit Festakt auf dem Cusanus-Hofgut, abends Dance- Night. Samstag und Sonntag bieten Tage der offenen Tür Einblick in die Vielfalt der Arbeitsbereiche mit Infos über die ambulanten und stationären Hilfen, Unterhaltungsprogramm für Groß und Klein, Tombola und Spezialitäten aus Küche und Keller. mbl
HINTERGRUND ARBEITSBEREICHE
Mitarbeiter der ersten Stunde sind in den Werkstätten noch heute anzutreffen. Sie fühlen sich seit ihrer Jugend hier zu Hause. "Ich bin gerne hier, ich habe hier viele nette Mitarbeiter und fühle mich wohl." "Neben der Arbeit nehme ich auch die sportlichen Angebote wahr, ich tanze gerne und spiele Tischtennis." "Ich bin Fastnachter und spiele Fußball, die Arbeit macht mir viel Spaß und es läuft bestens mit den Mitarbeitern." "Alles hier ist gut - die Arbeit, das Essen, Sport und auch das Spiel in der Werkstatt-Band machen großen Spaß." mbl
Zu den vielen schönen Dingen, die die Mosel zu bieten hat, findet man Zugang über den Wein. Auch die moselländische Küche ist - natürlich - vom heimischen Wein inspiriert und bereichert. mehr...
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