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Ärger über Freie Wähler: Rivenicher Feuerwehr erwägt Rückzug aus dem Dorfleben

(Rivenich) Eine Anfrage der FWG-Fraktion zu Mitglieder- und Einsatzzahlen der Freiwilligen Feuerwehr hat in Rivenich für reichlich Wallung gesorgt. So viel Wallung, dass einige Wehrleute damit drohen, künftig bei Veranstaltungen im Ort nicht mehr zu helfen. Die FWG dagegen fühlt sich falsch verstanden.
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Rivenich. Sie engagiert sich beim Dreck-Weg-Tag, beim Mai- und Weihnachtsbaumaufstellen sowie bei vielen anderen Festivitäten im Ort. Und ohne die Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr gäbe es in Rivenich auch keinen Strom beim Weihnachtsmarkt: Seit die Veranstaltung vor 17 Jahren ins Leben gerufen wurde, sind die Wehrleute unter anderem für die Elektroverkabelung rund um die Buden verantwortlich. Ob sie es allerdings im kommenden Winter auch noch sein werden, weiß derzeit niemand.

Auslöser war ein Einsatz


Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in der mehr als 700 Einwohner zählenden Gemeinde Rivenich sind verärgert. Und zwar so verärgert, dass sie in Erwägung zieht, künftig bei Veranstaltungen im Ort nicht mehr mitzuhelfen. "Das ist zurzeit im Kreise der Feuerwehr im Gespräch", bestätigt Matthias Press, selbst Feuerwehrmann, für die SPD im Gemeinderat und als erster Beigeordneter von Rivenich Vertreter des Ortsbürgermeisters Günter Thul, der sich derzeit in Urlaub befindet.
Grund für die Verärgerung der Wehrleute: eine Anfrage der Fraktion der Freien Wählergruppe (fünf Sitze) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die FWG wollte wissen, wie viele Mitglieder die Wehr derzeit hat, wie viele Einsätze und Übungen sie in den vergangenen Monaten absolviert hat. "Wir wollten erfahren, wie es um die Feuerwehr im Ort steht", erklärt Wilfried Wagner von der FWG. Ausgangspunkt für die Anfrage sei ein Einsatz der Brandschützer im November im Ort gewesen, wo es im Haus einer älteren Dame zu einer Rauchentwicklung gekommen war. "Da ging die Sirene los, und es waren nur zwei bis drei Leute von unserer Wehr da", schildert Wagner. Laut FWG kein Einzelfall: Zuletzt sei immer nur eine Handvoll Feuerwehrleute aus Rivenich bei Einsätzen ausgerückt.
Das allerdings will Wehrführer Lothar Follmann so nicht stehen lassen: "Das kann man so nicht verallgemeinern, das hängt immer davon ab, ob tagsüber oder abends alarmiert wird." Tagsüber gebe es halt viele, die auswärts arbeiteten und deswegen bei einer Alarmierung nicht rechtzeitig anrücken könnten. Ein Problem, das es überall gebe, sagt Andreas Lautwein, in der Verwaltung der Verbandsgemeinde Wittlich-Land zuständig für die Feuerwehren in der Verbandsgemeinde: "Viele Wehrleute arbeiten außerhalb - wo keiner ist, kann dann aber auch keiner tätig werden." Deshalb würden im Ernstfall auch immer die Nachbarwehren alarmiert. Mit 34 Mitgliedern inklusive der Jugendfeuerwehr habe die Wehr in Rivenich zudem eine durchschnittliche Größe, sagt Lautwein.
Und so eckt die FWG mit ihrer Anfrage in Rivenich ordentlich an. Auch bei der anderen Fraktion im Rat, der SPD (sieben Sitze). "Die Feuerwehr ist die Organisation, die sich am meisten für die Veranstaltungen im Ort einsetzt und das Dorfleben in Gang hält", sagt SPD-Mann Press, "da fragt man sich schon, was so eine Anfrage soll." Er vermutet, dass die FWG damit bereits den Wahlkampf einläuten wolle.
Auch die Feuerwehr ist alles andere als froh über die FWG: "Man macht alles und dann kommt so was", sagt Wehrführer Follmann. In der FWG wiederum kann man die Aufregung nicht verstehen. "Wir wollen der Feuerwehr gar nichts, sondern wollen nur den Stand der Dinge dort wissen", betont Wagner. Sein Fraktionskollege Bernd Wilms sagt: "Wir sind nicht im Gemeinderat, um irgendjemanden zu ärgern, sondern um etwas für das Dorf zu tun."
Dieser Schuss könnte im aktuellen Fall nach hinten losgegangen sein: Noch im Januar will sich die Freiwillige Feuerwehr zusammensetzen. Im Raum steht, wie erwähnt, der Rückzug von allen Veranstaltungen im Ort. "Wenn wir uns da rausziehen, ist das nur negativ für die Gemeinde", fasst Feuerwehrmann Press zusammen.
Meinung
Ein Stich ins Wespennest?

Es klingt zunächst mal harmlos: Eine Ratsfraktion möchte wissen, wie es um die Feuerwehr in ihrem Ort bestellt ist. Durchaus nachvollziehbar, schließlich übernehmen die freiwilligen Retter eine wichtige Aufgabe in der Ortsgemeinde. Dennoch haben viele in der Gemeinde Rivenich diesen Vorstoß der FWG offenbar in den falschen Hals gekriegt. Warum? Vielleicht, weil die FWG damit in ein Wespennest gestochen hat? Zugegeben, sie hätte ihre Anfrage besser an die Verbandsgemeinde gestellt, die für die Feuerwehren zuständig ist. Dort hätte sie erfahren, dass Mitglieder- und Einsatzzahl der Wehr in Rivenich sich durchaus im Durchschnitt der VG bewegen. Das macht die Sache aber nicht unbedingt besser, denn es zeigt, dass in vielen Gemeinden das gleiche Bild herrscht: Wenn\'s wirklich brennt, ist eine Wehr alleine - ohne die Unterstützung der Kollegen aus den Nachbarorten - kaum noch schlagkräftig. Für das Dorfleben allerdings sind viele Feuerwehren nahezu unverzichtbar - und genau dessen ist sich auch die Feuerwehr in Rivenich bewusst, wie ihre Drohung zeigt. n.ebner@volksfreund.de

 


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